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Förderverein und Hoffnungskirchengemeinde stemmen dank vieler Spender 250 000 Euro Kosten

Ein Dach für Dolgelins Kirchenruine

Ines Weber-Rath / 22.11.2017, 20:07 Uhr
Dolgelin (MOZ) Happyend für eine lange Zeit scheinbar unendliche Geschichte: Die Dolgeliner Kirchenruine kann endlich ihr Dach bekommen. Die Baugenehmigung liegt vor und die Finanzierung ist gesichert. Im Frühjahr sollen die Arbeiten beginnen.

"Wir kriegen keinen Cent Fördermittel dafür", stellt Michael Pfeiffer klar. Der Dolgeliner Ortsvorsteher war als Kassenwart des Fördervereins Dorfkirche Dolgelin der Motor zur Sicherung der Finanzierung der Bedachung der Ruine. Die soll immerhin und 250 000 Euro kosten.

Wenn im Frühjahr 2018 die Arbeiten beginnen, geht für Pfeiffer und seine rund 35 Mitstreiter im Verein sowie die Christen in der Evangelischen Hoffnungskirchengemeinde Oderbruch-Süd ein Traum in Erfüllung: Seit fast 15 Jahren kämpfen sie um die Sicherung der Ruine, die einen wahren Schatz birgt: eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Putzritzzeichnung im Westgiebel. Sie zeigt den Heiligen Adalbert, den Patron des Bistums Lebus und gilt als ältestes Bildzeugnis in der Seelower Region.

Fast ein dreiviertel Jahr ist mit der Prüfung des zu Jahresbeginn eingereichten Bauantrages durch das kreisliche und landeskirchliche Bauamt ins Land gegangen. Nun können die Arbeiten ausgeschrieben werden.

Das Dach soll in seiner ursprünglichen Form wieder erstehen, mit Biberschwänzen gedeckt werden, freut sich Pfeiffer, der ein persönliches Interesse an der zügigen Realisierung hat: Ende Mai will er seine Tochter als erste Braut seit Jahrzehnten in der Kirche zum Altar führen.

Dass Kirchengemeinde und Förderverein die Finanzierung des Dachbaus sichern können, sei vor allem zahlreichen Spendern zu danken, betont Michael Pfeiffer. Die größte Einzelspende in Höhe von 30 000 Euro stammt vom Windradbauer Prokon. Und die Kirchengemeinde Falkensee, in der der frühere Libbenichener Pfarrer Olaf Schmidt heute tätig ist, habe eine Spende von sage und schreibe 10 000 Euro zugesichert, berichtet Michael Pfeiffer.

Die 10 000 Euro, die die Gemeinde Lindendorf einst über vier Jahre hinweg für das Vorhaben angespart hatte, waren 2013 in die Sicherung des Westgiebels geflossen. Danach konnte die Sperrung der Kirchenruine aufgehoben werden und fand in ihr um um sie herum der erste Dolgeliner Weihnachtsmarkt statt.

Mit dem Dachbau kommen die rund 35 Mitglieder des am Nikolaustag 2002 gegründeten Kirchenfördervereins ihrem satzungsmäßigen Ziel, der Wiedernutzbarmachung der Kirche, im dritten Anlauf ein großes Stück näher. Denn bereits 2004 lag die erste Planung für die Sanierung vor, war ein Fördermittelantrag über mehr als eine halbe Million Euro gestellt, aber abgelehnt worden. Danach wurde eine etwa halb so teure Minimalvariante zur Sicherung erarbeitet.

Der zweite Förderantrag kam 2008/09 im Wriezener Büro der LAG Oderland aus bisher ungeklärten Gründen abhanden.

Seitdem kämpfen Michael Pfeiffer und seine Mitstreiter darum, die Finanzierung aus eigener Kraft zu stemmen. Und sind dabei auf eine breite Unterstützung der Dolgeliner und anderer gestoßen.

5. Dolgeliner Weihnachtsmarkt am 9. Dezember, ab 17.30 Uhr, mit Feuer, Licht und Konzert und 10. Dezember, ab 16 Uhr

Aus der Geschichte der Dolgeliner Kirche:


■ Die Kirche wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als einschiffiger Granitquaderbau mit rechteckigem Langhaus und Chor im Auftrag des Templerordens erbaut.
■ Über dem Osteingang des Kirchhofes war das Abzeichen der Johanniter zu sehen. Der Orden hatte Dolgelin von den Templern übernommen.
■ Im 16. Jahrhundert wurde eine Sakristei angebaut, von der nur noch Fundamentreste zeugen. Um 1850 wurde der Kirche ein Turm vorgesetzt.
■ Die Kirche ist während der Kämpfe im Frühjahr 1945 beschädigt, aber nicht zerstört worden. Zur Ruine wurde sie erst durch das Abnehmen von Dach- und Mauersteinen für den privaten Hausbau.
■ Am 25. März 1965 wurde der Kirchturm gesprengt. Dadurch wurden in der Westwand der Ruine ein Rundfenster und Kreisblenden mit figürlichen Putzritzzeichnungen aus dem Hochmittelalter sichtbar. Sie zeigen die Halbfigur zweier Heiligen, des Heiligen Adalbert und einer gekrönten Gestalt.
■ Der Ende 2002 gegründete Förderverein für die Kirche bemüht sich um die Sicherung und Wiedernutzbarmachung der Ruine, in der seit 2013 Veranstaltungen stattfinden.

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