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Sportfreunde Stiller - laut in Finowfurt

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UKALMSN / 22.03.2008, 07:12 Uhr
und Florian Sturm

Finowfurt Aktionen gegen rechtsextremes Gedankengut rücken bundesweit immer mehr ins Rampenlicht. Neben Bands wie den Fantastischen Vier oder Revolverheld engagieren sich auch die Sportfreunde Stiller für derartige Projekte. Am 28. März spielt das Münchner Poptrio einem Benefizkonzert in der Finowfurter Sporthalle.

Ende Januar appellierten die Sportfreunde Stiller vor der Münchner Feldherrnhalle an die Zuschauer, "für eine menschenfreundlichere Gesellschaft und gegen rechtsradikale Gewalt aktiv zu werden". Der "Antinazibund" war geboren.

Für die Umsetzung ihres Vorhabens holten sich die Musiker zusätzliche Unterstützung von der Berliner "Amadeu-Antonio-Stiftung" und der Hamburger Kampagne "Laut gegen Nazis". "Die Idee des Projektes stammt von den Sportfreunden selbst", erklärt Jörn Menge, Initiator und Sprecher von "Laut gegen Nazis", den Hintergrund der Aktion. "Die drei Jungs engagieren sich bereits seit einiger Zeit intensiv für den Kampf gegen Rechtsextremismus", so Jörn Menge weiter.

Das von den Sportfreunden Stiller in Eigeninitiative finanzierte Konzert in München stellte dabei lediglich den Ausgangspunkt für weitere Projekte dar. Seither werden in ganz Deutschland Aktionen mit Symbolcharakter gesucht, um ein konkretes Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen. Ziel ist es, auf das brisante Thema der rechten Gewalt aufmerksam zu machen und einen hohen Grad an Medienpräsenz zu schaffen. "Dem Ansporn für eine neonazistische Szene muss entgegengewirkt werden. Die Sportfreunde Stiller wollen beispielhaft voran gehen und geben aufgrund dessen zwei Benefizkonzerte in Deutschland", berichtet der Eberswalder Kai Jahns, Mitglied des Jugendbündnisses "Für ein tolerantes Eberswalde" (FETE).

Da bereits eine langjährige Zusammenarbeit zwischen der "Amadeu-Antonio-Stiftung" und "Laut gegen Nazis" besteht, lag es nahe, eine Veranstaltung in der Schorfheide stattfinden zu lassen. Die Studie "Vielfalt tut gut" des lokalen Landesaktionsplanes Barnim wurde dabei in die Planung miteinbezogen.

Bei dieser Untersuchung stellte sich heraus, dass in dem Landkreis eine überdurchschnittlich hohe rechtsextreme Präsenz besteht. "Daher steht Finowfurt stellvertretend für eine Vielzahl von Orten im Randgebiet Berlins, in denen sich vermehrt Neonazis ansiedeln", erläutert Kai Jahns. Einer der Brennpunkte ist das Grundstück des DVU-Funktionärs Klaus Mann. Berichten zufolge, fanden auf dessen Finowfurter Privatgelände im Sommer 2007 vier von insgesamt 15 rechtsextremen Konzerten im Land Brandenburg statt. Zu diesen Musikveranstaltungen kamen mehr als 400 rechte Teilnehmer in die Schorfheide. Trotz massiver Eingriffe seitens der Polizei sowie des Verfassungsschutzes hat die Gemeinde noch immer mit derartig orientierten Veranstaltungen zu kämpfen.

Obwohl die Sportfreunde Stiller lediglich zwei Benefizkonzerte (eines in Finowfurt und eines im nordrhein-westfälischen Berlebeck) geben werden, "handelt es sich bei rechtsextremer Gewalt um ein gesamtdeutsches Problem, das es zu lösen gilt", mahnt Jörn Menge. Erste Gespräche für das Konzert in der Schorfheide gab es bereits im November letzten Jahres. Doch erst seit wenigen Wochen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. "Die gesamte Stadtverwaltung Eberswaldes einschließlich Bürgermeister Friedhelm Boginski war sofort von der Idee begeistert", verdeutlicht Organisationsleiter Kai Jahns. Auch zahlreiche Bürger aus Finowfurt und der näheren Umgebung boten tatkräftige Unterstützung an. "Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre die Umsetzung dieses Projektes kaum möglich gewesen", bedankt sich Kai Jahns.

Zeit für die letzten Vorbereitungen bleibt noch bis kommenden Donnerstag, dann nämlich veranstaltet "Light me Amadeu", die lokale Partnerkampagne der "Amadeu-Antonio-Stiftung" ein Streetsoccer-Turnier am Finowfurter Jugendclub. Von 12 bis 18 Uhr geht der Nachwuchs der achten bis zehnten Klassen aus Schulen der Region auf die Jagd nach dem Ball. Partner des Wettkampfes ist die "Kreuzberger musikalische Aktion". Der allseits erwartete Höhepunkt mit den Sportfreunden Stiller folgt am Freitag in der Finowfurter Hans-Wendt-Sporthalle. Um 18 Uhr wird zunächst eine Podiumsdiskussion unter dem Motto "Rechtsextreme bei uns im Ort?!" eröffnet. Anschließend betritt das Berliner Quartett "Commissioner Gordon" die Bühne, bevor sich die Sportfreunde Stiller dem Publikum präsentieren. Der Beginn der Konzertveranstaltung ist für 20.30 Uhr geplant

Keinesfalls dürfe diese Veranstaltung jedoch als Einzelaktion angesehen werden, betont Jörn Menge. Im Zuge der Gesprächsrunde werden Teilnehmer aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft über mögliche Folgeprojekte, wie zum Beispiel "Kein Ort für Nazis", diskutieren.

Ein kürzlich eingerichteter Fonds richtet sich vor allem an Jugendliche. Noch bis zu den Kommunalwahlen am 28. September dieses Jahres können junge Erwachsene aus den Landkreisen Barnim, Oberhavel, Uckermark und Märkisch-Oderland eine Summe von bis zu 250 Euro aus dem 5000 Euro umfassenden Fond beantragen. "Das Geld kann unter anderem verwendet werden, um Plakate sowie Dorfpartys zu finanzieren. Ziel dessen soll es sein, rechtsextreme Präsenz allgemeinhin abzuschwächen", verdeutlicht Kai Jahns.

Die Berliner "Amadeu-Antonio-Stiftung", insbesondere deren lokale Partnerkampagne "Light me Amadeu", wird die Entwicklung dieses und anderer Folgeprojekte im Auge behalten.

Noch die ganze kommende Woche sind Karten für 18,60 Euro bei Gamedealer an der Eisenbahnstraße 88 in Eberswalde oder unter sportfreunde28@web.de erhältlich.

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