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In Markgrafpieske gibt's Einmaligkeiten

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Michael Thieme / 07.08.2011, 20:13 Uhr
Markgrafpieske (In House) Das Spree-Journal suchte auf seiner sommerlichen Entdeckertour durch unsere Heimat dieses Mal in Markgrafpieske Historisches und Zukunftsträchtiges.

Der Dorfname klingt irgendwie typisch märkisch wie Buxtehude norddeutsch. Die Ortsnamen gibt es in Deutschland jeweils nur einmal. Die Einmaligkeiten des Ortes machen Markpies, wie die Einheimischen ihr Dorf kurz nennen, unverwechselbar, interessant.

Einmalig ist, dass es einen Film „Bastien und Bastienne“ in der BRD alt aus den 1960-er Jahren im Rahmen der fünfteiligen Fernsehserie „Am grünen Strand der Spree“ gibt, in dem Markgrafpieske eine wichtige Rolle spielt. Keiner in Markgrafpieske kennt den Film. Im Westen war die Serie ein Straßenfeger. Hier gab es noch nicht mal eine nachträgliche Aufführung. Der Filmklassiker wird nun zum ersten Markpieser Kultursommer 2012, am ersten Sommerferienwochenende (23./24. Juni 2012), 52 Jahre später seine Premiere am Ort der Handlung erleben.

Und das ist einmalig: Den Kultursommer initiiert der Dorfpfarrer. Vor 15 Jahren zog Stefan Felmy aus dem Westen nach Markgrafpieske und lebt mit Frau und fünf Kindern zufrieden hier. Doch er sitzt auf einer Pfarrstelle, die die Kirche nur zu 20 Prozent bezahlt. Er wollte weg und bleibt doch hier – die göttliche Fügung und Stellung will es so. Nun hat er zum ersten Markpieser Kultursommer die Ost-Schauspieler Jürgen Zartmann und Peter Sodann eingeladen.

Einmalig ist, dass das im Krieg unzerstörte „Schloss“ (Gutshaus) wirklich Stein für Stein abgetragen wurde und somit „verschwand“. Heute will oder kann sich so recht keiner mehr daran erinnern, wer es auf diese Weise in Luft auflöste. Es wurde auf jeden Fall Grund- und Baustein für viele Markpieser Häuser.

Einmalig ist, dass ein wertvoller Altartryptychon von 1530 aus Markgrafpieske im Brandenburger Dommuseum (also in Brandenburg an der Havel) aus „Sicherheitsgründen und wegen Temperaturschwankungen“ verbleibt, obwohl seine Rückführung beantragt worden ist. Das Bild würde in das herrliche Kircheninnere des Markpieser Gotteshauses einmalig gut passen.

Einmalig ist, dass diese dreischiffige Kirche aus Sandstein und Backstein im neugotischen Stil in nur 30 Monaten zwischen 1896 und 1898 errichtet worden ist. Der Turm ist mit 48 Metern Höhe der höchste im Amtsbereich Spreenhagen. Die Orgel aus dem Jahre 1898 stammt vom bekannten Frankfurter Orgelbauer Wilhelm Sauer. Das Musikinstrument wurde in den 1990-er Jahren vollständig restauriert.

Einmalig ist, dass seit der Kirchenweihe 1898 eine in Gold gefasste Altarbibel der Kaiserin Auguste Victoria im Besitz der Kirchengemeinde ist. Aus ihr wird nur zu besonderen Anlässen gelesen.

Einmalig ist, dass ein so kleiner Ort sieben Friedhöfe und einen Zentralfriedhof hat. An jeder „Ausfallstraße“ liegt einer – dort, wo sich einst die verschiedenen Kolonistensiedlungen befanden. Diese kleinsten „Ortsteile“ bzw. Häuserreihen an Wegen, die im Laufe der Zeit zu Markgrafpieske zusammengeschlossen wurden, hatten durch ihre frühere Eigenständigkeit eben eigene Friedhöfe. Es klingt sonderbar, dass diese noch „in Betrieb sind“. Was da zu Mitternacht so los, weiß keiner. Aber ein Besuch der historischen Grabanlagen am Tage ist wirklich einen überraschenden und einmaligen Spaziergang wert.

Einmalig ist, dass Ortsvorsteher Erhard Miethke gleichzeitig Oberkarnevalist und Chef eines gefragten Männerballetts (Altherrenriege) von Markpies ist.

Einmalig ist, dass es hier die bundesweit einzige „Kummerallee“ gibt. Da kann man seinen Kummer weder ersaufen noch jemandem mitteilen. Die Kummerallee führt zur Firma Kummer, einem 50 Mitarbeiter starken Bau- und Abrissunternehmen. Das verlegte seinen Sitz von Berlin nach Markgrafpieske. Und ließ die Kummerallee zum Schutz des Dorfkerns errichten.

Einmalig ist, dass ein Dorf eine Kita finanziell unterstützt, die auf Wunsch von Markpiesern durch Initiative einer einzelnen Frau eröffnet worden ist. Diese wirklich private Kita von Inhaberin Bettina Rupprecht (35) öffnete im Oktober 2010 und ist schon jetzt mit 22 „Markpieser Kitawichteln“ ausgebucht. Tendenz steigend, wie auch die Einwohnerzahl.

Einmalig: Seit fast fünf Jahren wohnt der Engländer und Roboterentwickler Rodrigo Macintosh in Markpies. In fünf Wochen heiratet er – eine Berlinerin nach Markgrafpieske weg. Einmalig!

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