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Ardelt Werk trotzt der Krise

Deutsche Wertarbeit: Die Krane aus Eberswalde werden in Vietnam, Frankreich oder in Dõnemark aufgestellt. F³r 2009 sind die Auftragsb³cher des Ardelt Werkes voll. Foto: S÷ren Tetzlaff
Deutsche Wertarbeit: Die Krane aus Eberswalde werden in Vietnam, Frankreich oder in Dõnemark aufgestellt. F³r 2009 sind die Auftragsb³cher des Ardelt Werkes voll. Foto: S÷ren Tetzlaff © Foto:
HSTILLN / 26.06.2009, 07:56 Uhr
Eberswalde Das Eberswalder Ardelt Werk ist von der Wirtschaftskrise weniger betroffen als andere deutsche Maschinenbaubetriebe. "Unsere Auftragsbücher sind für 2009 gut gefüllt. Allerdings müssen wir noch einiges tun, um für 2010 weitere Aufträge reinzuholen", sagte gestern Uwe Grünhagen vom Vorstand des Unternehmens.

Wenn Firmenchefs heute vom "Fahren auf Sichtweite" reden, verheißt das meist nichts Gutes. Auch Grünhagen spricht davon. Da das Ardelt Werk aber grundsätzlich nur auf Bestellung baut und vom Auftragseingang bis zur Abarbeitung oft bis zu 15 Monate Zeit vergehen, relativiert sich diese Aussage erheblich. Tatsache ist: Ardelt steht in Zeiten der weltweiten Krise in Eberswalde keineswegs schlecht da. Grund zur Euphorie gibt es aber auch hier nicht. "Wir sind auf den Märkten aktiv, um unser neues Produkt den Kunden vorzustellen und sind schon darauf angewiesen, im zweiten Halbjahr 2009 das Auftragsaufkommen zu erhöhen", stellt Grünhagen klar.

Das neue Produkt nennt sich Adler 1500 - ein innovativer Hafenmobilkran, der in Eberswalde erdacht und konzipiert wurde und ingenieurtechnisches Knowhow made in Germany verkörpert. Zudem steht er für die Nutzung von Synergien, die seit der Gründung der Kran Union zur neuen Strategie der nicht börsennotierten Aktiengesellschaft gehört.

Auch darauf geht Grünhagen ein: "Die Kran Union ist der Verbund dreier Hersteller, der sich seit Juli 2008 auf das Heben und Transportieren schwerer Lasten spezialisiert hat." Kirow in Leipzig und Kocks aus Bremen gehören dazu, Dritter im Bunde ist Adelt Eberswalde.

Wie der in Eberswalde für Finanzen und Controlling zuständige Manager sagt, beschäftigt die Kran Union insgesamt 430 Mitarbeiter und realisiert einen Jahresumsatz von 150 Millionen Euro. Die Eberswalder Zahlen können sich ebenfalls sehen lassen: 74 Millionen Euro betrug der Umsatz im Jahr 2008, die Zahl der Mitarbeiter liegt aktuell bei 180.

Gleichwohl bekommt auch der Eberswalder Betrieb die Auswirkungen der Krise zu spüren. Von "schmerzlichen Auswirkungen" spricht Grünhagen sogar, wenn von der "orangenen Brücke auf dem Hof" die Rede ist. Die Stahlbauteile gehören zu einem zwei Millionen Euro teuren Kran, der zwar bestellt, aber nicht bezahlt wurde und somit vorerst nicht zur Auslieferung kommt. "Wir können heute zwar sagen, wir brauchen keine Überziehungs- oder Kontokorrentkredite. Das gilt allerdings nicht für unsere Auftraggeber. So kommt es mangels Kapital zwar nicht so oft zu Stornierungen, aber bevor Aufträge unterschrieben werden, ist mitunter langer Atem nötig."

Die Folge: Auch wenn für dieses Jahr die Fertigung ausgelastet ist, bleibt für 2010 noch "Spielraum", wie es heißt. So gibt es Überlegungen, bestimmte Fahrwerkskomponenten im kommenden Jahr statt in Leipzig in Eberswalde produzieren zu lassen, um die Kapazitäten hier voll auszulasten.

Wie Grünhagen weiter ankündigt, sollen noch in diesem Jahr, aber auch 2010, erhebliche Gelder für Investitionen eingesetzt werden. "In der Vergangenheit betrug die Investitionsrate 300 Prozent der Abschreibungsquote, was nichts anderes bedeutet, als dass der Standort für uns eindeutig Zukunft hat." Für 2009 beziffert der Manager die Investitionen auf 750 000 Euro, im kommenden Jahr sei noch nicht abschließend entschieden, wie viel Geld die Firma in die Hand nehmen wird, um den Stahlbau zu modernisieren. Dass etwas getan wird, gilt hingegen als sicher. Von modernen CNC-Bearbeitungsmaschinen und Hilfskranen ist die Rede, die in der Werkstatt benötigt würden.

Wie für krisenreiche Zeiten nicht unüblich, registrieren die Eberswalder Kranbauer einen verstärkten Trend zu mehr Dienstleistungen. "Die Kunden nutzen die Technik länger und lassen Anlagen überarbeiten und teilmodernisieren. Wir sagen immer, Investitionen werden nicht gestrichen, sondern zeitlich verschoben", sagt Grünhagen. Die Interessenten für Eberswalder Krane kommen aktuell aus der Schweiz, dem französischen Toulon, Vietnam oder Marokko, wo derzeit drei von insgesamt sieben Krane für die Hafenbehörde aufgebaut werden. Die Eberswalder Krane sind bei Bedarf bis zu 90 Meter hoch und verfügen über eine Tragkraft von 100 Tonnen. Der Trend gehe aber zu noch höherer Tragkraft. Seit 1950 wurden übrigens 4660 Krane oder Hebezeuge in 55 Ländern auf vier Kontinenten geliefert.

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