Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ein Dorf versank im Regen

MTIMMN / 02.07.2009, 19:34 Uhr
Jahnsfelde Die heftigen Unwetter der vergangenen Tage haben in Jahnsfelde erhebliche Schäden angerichtet. Der Höhepunkt war am Mittwochabend. In kurzer Zeit liefen Keller und Garagen voll. Straßen mussten gesperrt werden. Das Wasser stand fast überall im 300- Einwohner-Dorf kniehoch. Bis in die Nacht waren mehr als 100 Helfer der Feuerwehr im Einsatz.

Bernd Golke hat nur ein Wort dafür, was sich in der Nacht zu Donnerstag in seinem Dorf abgespielt hat: eine Katastrophe. "Weil wir in einem kleinen Tal liegen, hatten wir schon oft Probleme nach heftigen Regenschauern", sagt der Ortsvorsteher. "Aber so etwas hab e_SSRq ich noch nie erlebt." Der Wolkenbruch am frühen Abend dauerte nur eine Stunde. Doch in dieser kurzen Zeit prasselte so viel Regen über Jahnsfelde herab, dass der Ort förmlich abgesoffen ist. Bis zu 140 Liter Regen pro Quadratmeter sollen innerhalb einer Stunde gefallen sein, haben Einwohner gemessen. Die meisten Straßen waren nicht mehr passierbar. Die Kanalisation versagte ihren Dienst, das Schöpfwerk ebenfalls. Weil das Wasser immer höher stieg und förmlich durch das Dorf schoss, mussten die B 1 und die Landstraße nach Trebnitz mehrere Stunden gesperrt werden. Die Einsatzzentrale der Feuerwehr alarmierte alle verfügbaren Kräfte. Mehr als 100 Helfer aus Jahnsfelde und der Stadt Müncheberg waren vor Ort und kämpften gegen die Wassermassen an, die sich binnen Minuten in teils reißende Ströme verwandelten und alles mitrissen, was im Weg lag. Darunter waren fußballgroße Feldsteine, Fahrradständer, Zäune, massive Bänke. Gegen 23 Uhr gab der Landesbetrieb Straßenwesen grünes Licht, dass die B 1 Richtung Seelow wieder befahren werden darf. Der Durchlass unter der Straße drohte zu stark auszuhöhlen und stellte eine Gefahr dar.

Aber nicht nur Straßen und Wiesen waren von dem Unwetter betroffen, sondern auch fast jeder Hausbesitzer. Die Jahnsfelder schauten noch einen Tag später immer wieder besorgt in ihre Keller. Viele Häuser konnten den enormen Wassermassen nicht standhalten. Die Feuerwehrleute pumpten Keller um Keller leer. Besonders schlimm traf es Familie Arndt. Ihr Haus und Hof liegen an einem der tiefsten Punkte im Dorf. Der Regen spülte ihre Hofeinfahrt gut einen Meter aus. Seit dem können sie ihr Gehöft nicht mehr mit dem Auto verlassen. In den Stallanlagen von Ökobauer Frank Prochnow stand das Wasser 30 bis 40 Zentimeter hoch - mittendrin Rinder und Schweine. Auf den Außenflächen bot sich das gleiche Bild. Dort retteten sich 70 Mutterkühe mit Kälbern auf eine Insel. "Dass unter den Tieren keine Panik ausgebrochen ist, grenzt fast an ein Wunder", sagte der Landwirt später. Wie viele Hektar Getreide und Gemüsefläche durch das Wasser zerstört worden sind, kann er noch gar nicht abschätzen. Auch die Höhe des Schadens, den das Unwetter im ganzen Ort angerichtet hat, ist noch unklar. Fassungslos stand Bernd Golke gestern mitten im Ort auf der Schlosswiese. Dort wollen die Jahnsfelder am Wochenende ihr alljährliches Dorffest feiern. Ob es tatsächlich stattfinden wird, stand jedoch in Frage. Donnerstagabend entschied der Ortsbeirat dann: Ja, es wird gefeiert. Bis dahin sind Arbeiter des Wirtschaftshofes Müncheberg damit beschäftigt, die Spuren des Unwetters zu beseitigen. Umgekippte Bäume müssen weg. Der Parkweg muss wieder befestigt werden. Der Regen hatte ihn fast komplett weggespült.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG