Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Aufgebrachte Camper

Frank Groneberg / 07.07.2009, 08:00 Uhr
Mit einer spontanen Demonstration machten am Sonntag gut 150 wütende Dauercamper ihrem Ärger über die Zustände am Helenesee Luft. Für die kommenden Wochen kündigten sie weitere Aktionen des "zivilen Ungehorsams" an.

"Stopp den irren Leitungsmethoden", steht auf dem eilends angefertigten Protestbanner geschrieben. Das Wort "irren" ist zweimal dick unterstrichen. Das mag jeder "genau so interpretieren, wie er möchte", erklärt eine junge Frau, die ihren Namen lieber nicht nennen möchte. "Wer weiß, was der sich dann wieder für uns ausdenkt", sagt sie mit vor Erregung zitternder Stimme.

"Der" ist der Vorstandsvorsitzende der Helenesee AG, Oliver Greifenhagen, der an diesem Morgen nicht vor Ort ist. Seinen Namen rufen die gut 150 Dauercamper, die sich am Sonntagvormittag vor der Rezeption am Helenesee eingefunden haben. Dazu läuten sie mit Glocken und Fahrradklingeln, hupen aus den Autos heraus und recken die Fäuste drohend in die Höhe. Spontan haben sie sich zur ersten Demonstration zusammengefunden, am Vorabend in aller Eile zusammengetrommelt von zwei engagierten Damen.

"Ich habe die Schnauze voll, und das ist noch untertrieben", schimpft Günter Gräber. Der 72-Jährige ist seit 33 Jahren Camper am Helenesee - aber so schlimm wie in diesem Jahr sei es hier noch nie gewesen, erzählt er. "Wir Camper werden hier von der Helenesee AG schikaniert", sagt er, "und all die Jahre haben wir erduldet, dass es hier immer weiter bergab ging. Aber jetzt reicht es!", ruft er unter dem Beifall der Umstehenden. Das Erholungsgebiet gehe "regelrecht zugrunde, und ich bin nicht gewillt, diese Situation hinzunehmen". Die holländischen Eigentümer der AG wollten "doch sowieso nicht investieren. Die Stadt muss das Gelände wieder zurücknehmen, anders geht es nicht mehr."

Auslöser der Proteste war die neue Campingplatzordnung, die am 1. Juli in Kraft trat. Wie berichtet, wird darin unter anderem bestimmt, dass das Gelände zum Be- und Entladen nur noch gegen 20 Euro Pfand, die laut Helenesee AG auch einbehalten werden können, befahren werden darf. Nach dem Hin und Her um die Schließung des Ost-Tores sehen viele Camper darin eine weitere Maßnahme der AG, mit der sie schikaniert werden sollen.

"Die neue Platzordnung mit ihren widersinnigen Regelungen hat das Fass zum Überlaufen gebracht", sagt Gabriela Gewinner, eine der Organisatoren des Protestes. "Die AG nimmt immer mehr Geld von uns, in diesem Jahr bis zu zehn Prozent mehr als 2008, und kaum haben wir bezahlt, bekommen wir einen Tritt", erklärt sie. Die Leistungen würden ständig zurückgefahren. Störungen in Sanitäranlagen würden wochenlang nicht behoben, weil die Handwerker entlassen wurden.

Mit dem Klingel- und Hupkonzert wollten sie "Herrn Greifenhagen zeigen: Wir sind die ,zufriedenen Camper e_SSLq , von denen er immer erzählt", so die Berlinerin. "Wir werden uns ab jetzt an jedem Sonntag um 10 Uhr vor der Rezeption versammeln", kündigt Gabriela Gewinner an. "Und wir werden uns etwas einfallen lassen, um unserem Protest Nachdruck zu verleihen", ergänzt Christine Vormelcher, ohne konkreter werden zu wollen. Ihre dringendste Forderung: "Herr Greifenhagen soll sich uns Campern stellen!"

Die Pfandregelung wurde am Wochenende erneut aufgeweicht. Angesichts entstehender Staus an den Zufahrten verzichteten die Einlasskräfte auf das Einsammeln von Geld und begnügten sich mit dem Hinterlegen der Dauerparkkarten, die jeder Camper besitzt.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG