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Vom Erwärmen der Herzen in kalten Zeiten

Claudia Seiring
Claudia Seiring © Foto: Dirk Mahler
MOZ/Claudia Seiring / 26.08.2011, 14:49 Uhr
(MOZ) Caroline von Monaco war der Mensch gewordene Traum von einer Prinzessin. Zumindest für mich: In meiner Kindheit himmelte ich die nur wenige Jahre ältere Schönheit aus dem fernen Fürstentum an. Trotzdem spielte ich mit meinen Barbie-Puppen nicht Prinzessin, sondern emanzipierte Frau mit Arbeitsplatz und coolem Freund. Die Realität sah einfach anders aus als das Leben in den europäischen Königs- und Fürstenhäusern. Soviel wusste ich bereits.

Auch Carolines jüngere Schwester Stephanie probte in gewisser Weise den Ungehorsam. Vater Fürst Rainier war „not amused“ als seine damals 21-jährige Tochter im April 1986 die Charts stürmte. „Irresistible“ (Unwiderstehlich) hieß der eingängige aber für die Musikgeschichte unerhebliche Song, der vor mehr als ?25 Jahren für diverse Auftritte auch im deutschen Fernsehen sorgte. Eine echte Pop-Prinzessin – trotz mächtiger Schulterpolster und aus heutiger Sicht extrem alberner Videos – war zu erleben.

Weniger widerborstig – eher lammfromm – ließ sich Diana Frances Spencer vor fast genau 30 Jahren zum Traualtar führen und wurde durch ein nur gehauchtes „I will“ zur Princess of Wales. Dass Märchenhochzeiten aus Königshäusern auch die Herzen der Menschen im sozialistischen Staat erwärmten, zeigt der Rückblick auf einen Zeltplatz am Arendsee, der Perle der Altmark. Hier fanden sich am 29. Juli 1981 zur Mittagszeit rund hundert Menschen ein, um mittels des Mini-Fernsehers eines Dauercampers an den anrührenden Ereignissen im fernen London live teilzunehmen.

Wie wenig das Leben des Adels seither an Faszination verloren hat, zeigen nicht nur die vielen Artikel in zahlreichen bunten Blättern, die sich wöchentlich mit dem Leben an diversen europäischen Höfen beschäftigen. Kate und William zum Beispiel wurden spätestens durch ihre Eheschließung in diesem Jahr zu globalen Popstars. Und obwohl die Aura um das frisch vermählte Fürstenpaar Charlène und Albert von Monaco so unübersehbar unglücklich ist, eignen sich die beiden doch trotzdem noch als prima Projektionsfläche für eigene Gefühle.

Dass „Adel zieht" hat auch der rbb erkannt: Trotz aller Proteste wird der Fernsehsender am Sonnabend drei Stunden „Hochzeit in Potsdam" zeigen. Ab ?11 Uhr darf das gemeine Volk vor den Bildschirmen dabei zuschauen, wie Georg Friedrich Prinz von Preußen seine Freundin aus Kindheitstagen Sophie Prinzessin von Isenburg zur Frau nimmt. Der deutsche Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert hält das für nur konsequent: „Für mich ist das nichts weiter als ein Service für ein Publikum, das sich interessiert."

Seelmann-Eggebert ist natürlich parteiisch. Gegner der Übertragung hatten ins Feld geführt, dass der gebührenfinanzierte Sender schon lange nicht mehr in der Lage sei, für die Grundversorgung seiner Zuschauer zu sorgen. Und dann diese Hochzeit! Von „Adels-Kult" spricht die Linke, von „nicht nachvollziehbarer Prioritätensetzung" die SPD. Es wird sich zeigen, wie viele Zuschauer sich Sonnabend vor dem Fernseher einfinden, um an der Preußen-Hochzeit emotional Anteil zu nehmen.

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