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Brandenburgs jüngster Jungmeister: Martin Pieper aus Althüttendorf arbeitet als Zimmerer im väterlichen Unternehmen

Der Herr der Dachstühle

Den Zimmermannshammer in der Hand, den Meisterbrief in der Tasche: Martin Pieper aus Althüttendorf fertigt hier einen Dachstuhl für eine Scheune in seinem Heimatdorf.
Den Zimmermannshammer in der Hand, den Meisterbrief in der Tasche: Martin Pieper aus Althüttendorf fertigt hier einen Dachstuhl für eine Scheune in seinem Heimatdorf. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 14.11.2012, 04:15 Uhr
Althüttendorf (MOZ) Ist das Werk vollbracht, das Haus fertig, ist von seiner Arbeit kaum mehr etwas zu sehen. Im Gegensatz zur Arbeit seines Vaters Wilfried, der für das Dach lobende Worte und bewundernde Blicke erntet. Martin Pieper ist der Meister des Dachstuhls. Jüngst hat der 22-Jährige den Großen Befähigungsnachweis erhalten.

Er hat seinen großen Auftritt, wenn das Eigenheim noch ein Rohbau ist. Mit dem Richtfest erfährt traditionell das Werk des Zimmerers Würdigung. Im Mittelpunkt zu stehen und eine Rede zu halten, sind zwar nicht Martin Piepers Sache. Gleichwohl ist der 22-jährige Althüttendorfer stolz. Als frischgebackener Meister, der zugleich jüngst als bester Jungmeister des Jahrgangs 2011/12 im Kammerbezirk Frankfurt (Oder) ausgezeichnet wurde, hat er kürzlich sein erstes eigenes Richtfest bestritten. Nach altem Brauch - mit Richtkranz, Richtspruch und den symbolischen letzten Hammerschlägen.

Inzwischen ist die Dachkonstruktion unter Ziegeln verschwunden, neue Aufträge warten. Dachstühle seien sein Geschäft, zeigt Martin Pieper auf das Gesellenstück und die Meisterarbeit, zwei Gebilde, die in der Werkstatt an der Angermünde Straße ihren Platz gefunden haben. Was völlig unspektakulär für den Laien anmutet, offenbart dem Fachmann handwerkliches Können. "Das ist beispielsweise ein Gratsparren mit schrägem Wechsel", erklärt Martin Pieper. Gleichzeitig betont der junge Fachmann: Der Beruf des Zimmerers sei vielseitig, sei mehr als das Errichten von Dachstühlen. "Dazu gehören auch Fassadenverkleidungen aus Holz, Vordächer oder Carports."

Noch breiter aber sei das Spektrum der Zimmererarbeiten in Österreich, wie der Barnimer aus eigener Erfahrung weiß. Nach der Ausbildung, die Pieper in einem Betrieb in der Uckermark absolviert hat, ging der Geselle 2010 für ein Jahr ins Nachbarland, verdiente sich dort seine beruflichen Sporen. Wie es dazu kam? Martin Pieper erinnert sich: "Ich war im Winter zum Skiurlaub in Sölden." Abseits der Piste nahm der Althüttendorfer Kontakt zu einer Tischlerei vor Ort auf, einem Familienbetrieb. Und schon hatte der damals 19-Jährige ein Jobangebot im Reisegepäck. "Ich fuhr nur noch mal kurz nach Hause, um Sachen zu packen." Wenig später fing er in dem kleinen Unternehmen in Tirol an. "In Österreich baut der Zimmerer ganze Häuser. Dort wird ja traditionell viel mehr mit Holz gearbeitet." Große Dachüberstände oder Balkone mit reichen Verzierungen - das lernte Martin Pieper bei seinem "Auslandseinsatz".

Und mit dem dort verdienten Geld setzte sich Pieper, zurück in Deutschland, sofort wieder auf die Schulbank. "Ich wollte gleich meinen Meister machen." Was ihm mit Bravour gelang. "Das Praktische war überhaupt kein Problem." Schon nach der Facharbeiterprüfung hatte er bei Leistungsvergleichen des Handwerks in Brandenburg und auf Bundesebene sehr gut abgeschnitten. Der theoretische Teil der Ausbildung indes verlangte ihm einiges ab. "Ins Rechnungswesen und in die Buchführung musste ich mich schon reinknien", sagt Martin Pieper, der mit 21 Jahren zu Brandenburgs jüngsten Jungmeistern gehört.

Heute profitiert er von den Kenntnissen. Martin Pieper hat sich nach der Meisterprüfung zwar nicht selbstständig gemacht, "obwohl mir durchaus Kollegen oder Bekannte dazu geraten haben", wie er verrät. Nein, Martin Pieper ist nach wie vor angestellt - jetzt im väterlichen Dachdecker-Betrieb. Vater Wilfried ist der Chef. Probleme? "Eigentlich nicht, auch wenn wir hin und wieder unterschiedlicher Meinung sind." Es gebe eine klare Arbeitsteilung. Der Senior deckt die Dächer, der Junior ist für das Drunter zuständig. Und zwar eigenständig. Von der Auftragsakquise bis hin zur Abrechnung. "Mein Vater lässt mich machen", sagt Martin Pieper etwas salopp. Irgendwann werde er sicher den Betrieb übernehmen, aber das habe Zeit.

Eigentlich sei für ihn von Anfang an klar gewesen, dass er in den Betrieb des Vaters einsteigen will. "Allerdings wollte ich etwas mit Holz machen." Die Holzbearbeitung sei einfach sein Metier. Martin Pieper hat u. a. am kleinen Festplatz Neugrimnitz mitgewirkt oder am Anbau des Sportlerheims in seinem Heimatdorf. Sein Auftragsbuch weist neben Eigenheimen auch landwirtschaftliche Hallen und die Beseitigung von Sturmschäden in der Region aus. "Gerade jetzt macht es richtig Spaß", sagt der junge Mann in der Zimmermannskluft.

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