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moderne Straßenbahn fährt von Deutschland nach Polen, von Frankfurt über die Oder nach Slubice.

der / 19.07.2011, 06:13 Uhr - Aktualisiert 19.07.2011, 06:13
frankfurt (der) Frankfurt (Oder) - Die Geschichte ist an sich gut zehn Jahre alt - doch dämmert jetzt Licht am Ende des Tunnels. Seit etwa 2000 wird in Frankfurt (Oder) und der polnischen Partnerstadt Slubice über einen gemeinsamen Öffentlichen Personennahverkehr diskutiert. Von Steffi Prutean

Am Montagabend erhielt die Debatte einen neuen Schub: Abgeordneten beider Städte wurde eine Studie vorgestellt, die eine Straßenbahn von Deutschland nach Polen für machbar hält. Die Gutachter raten, das Projekt als europäisches Fördervorhaben anzulegen.

Vergleichbare Vorhaben gibt es zwischen Basel (Schweiz) und Weil am Rhein sowie zwischen Strasbourg (Frankreich) und Kehl. Die Frankfurter Straßenbahn braucht mehr Fahrgäste. Die Gutachter vergleichen eine Ausweitung des Netzes innerhalb der Stadt mit einem Schlenker über die Brücke nach Slubice. Nach Prüfung verschiedener Faktoren kommen sie zu dem Schluss, dass es nicht nur kostengünstiger ist, die Gleise über die Stadtbrücke nach Polen zu legen.

Slubice könnte so einen öffentlichen Nahverkehr erhalten, den es bisher nicht hatte, sagt Gerald Schröter von der Planung Transport Verkehr AG Dresden, die mit drei anderen Büros die Studie erstellte. „Technisch ist das gut lösbar, der Aufwand verhältnismäßig gering.“ Gerechnet wird mit rund 3200 Fahrgästen pro Tag bei einheitlichem Tarif für Deutsche und Polen.

Slubice sollte in das Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg eingebunden werden. Die Baukosten für die 1,7 Kilometer lange zweispurige Trasse gibt das Gutachten mit rund 10,5 Millionen Euro an. Die Kommunen sollten sich um Fördergelder bemühen. Wenn es keine Zuschüsse von mindestens 85 Prozent der Investitionskosten gebe, wäre das Projekt in seiner Umsetzung gefährdet, sagt der Frankfurter Beigeordnete Markus Derling (CDU).

Er rechnet mit EU-Fördermittel erst ab 2014. Stadtverordneter Frank Hammer (Linke) will mit Mitstreitern in Brüssel recherchieren, ob es nicht schon eher Geld geben könnte. Derling schlägt eine Doppelstrategie vor: Von diesem Herbst an sollte zunächst ein Bus über die Grenze rollen und testen, wie die Verbindung angenommen wird. Die Tram als Angebot für beide Städte sollte währenddessen konzipiert und umgesetzt werden.

Die Straßenbahn in Frankfurt (Oder) hat Tradition seit 1898. Bis 1945 pendelte sie in die Dammvorstadt ans östliche Oderufer, dem heutigen Slubice. Laut Gutachten sind keine zusätzlichen städtischen Zuschüsse für die grenzüberschreitende Straßenbahn nötig. Dennoch bleibe ein Restrisiko, meint Derling, der einst zu den Skeptikern des Tram-Projektes gehörte.

Wie er will der Bürgermeister von Slubice, Tomasz Ciszewicz, nichts überstürzen. „Wir sind bereit, die nächsten Schritte zu gehen, doch ist die Entscheidung nicht einfach“, sagt das Stadtoberhaupt. Slubice hoffe auf Fördergelder, am liebsten 100 Prozent. Den Bus sieht die Kommune als Alternative, für ein bis zwei Jahre.

„Wenn die Busse aber leer bleiben, dann müssen wir uns zurückziehen“, meint Ciszewicz. „Die Studie zeigt Befürwortern und Gegner, dass die Möglichkeit besteht, die Stadtverwaltungen sind bereit, die Zeit ist reif“ In Slubice sollen - wie 2006 in Frankfurt - die Einwohner um ihr Votum gebeten werden. „Ich möchte die Bürger fragen, ob sie interessiert sind“, betont der Bürgermeister. Die damals ablehnende Haltung der Frankfurter, die das Projekt Jahre zurückwarf, schreckt ihn nicht. „Trotzdem hat Frankfurt das Thema weiterverfolgt. So werden wir es auf polnischer Seite auch machen.“ Es bleibt das Licht am Ende des Tunnels.

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