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Gigantischer Besucherstrom bei Woodstock

Etwa 400á000 Besucher zõhlte die 15. Auflage der "Haltestelle Woodstock" in der deutsch-polnischen Grenzstadt K³strin am Wochenende. Foto: Johann M³ller
Etwa 400á000 Besucher zõhlte die 15. Auflage der "Haltestelle Woodstock" in der deutsch-polnischen Grenzstadt K³strin am Wochenende. Foto: Johann M³ller © Foto:
ddp / 02.08.2009, 18:52 Uhr
Küstrin Etwa 400 000 Besucher zählte die 15. Auflage der "Haltestelle Woodstock" in der deutsch-polnischen Grenzstadt Küstrin am Wochenende. 40 Jahre nach dem legendären Konzert rockten zum Teil von weither angereiste Gäste und Künstler drei Tage lang.

Der Weg von ihrem Wohnsitz im rheinischen Neuss nach Polen ist Tomek und Justyna eigentlich zu weit. "Gut gerechnet sind das knapp 700 Kilometer. Oder fast acht Stunden mit dem Auto", sagt Tomek. Wegen der großen Distanz machen sich der 27-Jährige und seine zwei Jahre jüngere Lebensgefährtin auch nur zweimal im Jahr in ihre Heimat auf, die sie wegen drohender Arbeitslosigkeit vor fünf Jahren verlassen haben. "Einmal zu Weihnachten geht es zur Familie nach Oppeln in Südpolen, und im Juli zum Festival Woodstock in Küstrin", sagt der Einzelhandelskaufmann Tomek. Das Rockfestival gehört zu ihrem festen Jahresprogramm. "Man trifft hier alte Freunde und hat eine unglaubliche Menge Spaß. Davon zehrt man über das Jahr", sagt Justyna.

Spaß haben, das bedeutet 40 Jahre nach dem berühmten Original und bei der 15. Auflage der polnischen Variante vor allem eines: Drei Tage Abrocken vor einer 60 Meter langen Bühne, auf der sich polnische und internationale Spitzenbands ebenso wie Newcomer und regionale Folkloregruppen die Ehre geben. Geschlafen wird, wenn überhaupt, in einem wilden Zeltlager in der Größenordnung gleich mehrerer Campingplätze. Zudem dient ein fußballfeldgroßes Schlammbad als beliebter Treff für Überhitzte.

Der Hauptgrund für den gigantischen Zuschauerstrom dürfte sein, dass die Organisatoren um den polnischen Journalisten Jurek Owsiak bis heute an der Ursprungsidee des "Non-Commercial" festhalten. So finanziert sich Woodstock ausschließlich mit Spenden und Sponsoren. Den auftretenden Bands wird ungeachtet ihres Namens lediglich das Benzingeld und ein Essen bezahlt. Besucher bezahlen keinen Eintritt. Geld muss nur ausgeben, wer sich partout an einem Bungy-Seil auf die Zeltstadt stürzt oder eine professionelle Atemmaske gegen den allgegenwärtigen Staub benötigt.

Neben den Zuschauern profitiert die 17 000-Einwohner-Stadt Küstrin vom Megaevent. Dort, wo sonst ein halbes Dutzend Tankstellen und ein Wochenmarkt die Schnäppchen-Touristen aus Brandenburg zum Einkauf locken, belagern an diesem Juliwochenende gleich Zehntausende die Supermärkte und Läden auf der Suche nach etwas Essbarem und Getränke-Nachschub.

Vor allem, wer Bier verkauft, macht ein gutes Geschäft. "Das wird gleich palettenweise gekauft. Manche kommen sogar mit Handwagen, damit sie nicht so oft in die Stadt laufen müssen", sagt Beata Deja, Kassiererin der Küstriner Filiale des polnischen Discount-Marktführers Biedronka. "Natürlich kommt es manchmal zu Rangeleien, weil es einigen zu lange dauert. Ansonsten ist alles friedlich und normal."

"Normal" bei der 15. Auflage von Woodstock ist auch das Miteinander von Deutschen und Polen. Sie erleben Woodstock allerdings auf ganz unterschiedliche Weise: Während polnische Besucher auch nach Musik von Bands tanzen, die sie nicht kennen, zieht sich die Mehrzahl der Deutschen bei sengender Hitze in ihre Zelte im eigenen "Viertel" zurück. Erst am Abend, wenn die Hauptakts Clawfinger, Guano Apes oder Juliette Lewis spielen, vermischen sich die Nachbarn im Staub.

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