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Zwei Wochen fast jeden Tag Programm beim Festival der Heinrich-Böll-Stiftung auf dem Kirchplatz in Neuruppin

Kultur geht auch anders

Normal ist anders: Im Wirklichen Leben hätte der Hund eine Nase. Die Porzellanfigur kommt auch ohne aus, um den Garten zu zieren.
Normal ist anders: Im Wirklichen Leben hätte der Hund eine Nase. Die Porzellanfigur kommt auch ohne aus, um den Garten zu zieren. © Foto: Andreas Herzau
Petra Waschescio / 06.08.2011, 16:00 Uhr - Aktualisiert 07.09.2011, 16:26
Neuruppin (MZV) Normalerweise finden Ausstellungen höchsten in der Pfarrkirche und nicht davor statt. Ab 9.September ist das anders.

Dann nämlich beginnt mit der Vernissage einer Ausstellung mit plakatgroßen Bildern des Fotografen Andreas Herzau das zweiwöchige Open-Air-Kulturfestival „Normal ist anders“, organisiert von der Heinrich-Böll-Stiftung. Das heißt: bis zum 24.September fast jeden Tag Programm in der Innenstadt – von Konzerten über ein musikalisches Kaffeetrinken bis hin zu Improvisationstheater, Lesungen und Kino.

250 mal 350 Zentimeter groß sind die Fotografien, die ab 9. September auf dem Kirchplatz zu sehen sein werden. Sie zeigen Alltagssituationen im öffentlichen Leben der Fontanestadt. Aufgenommen hatte Andreas Herzau die Szenen bei einem Arbeitsaufenthalt in Neuruppin. Keine der Fotografien ist gestellt. Das würde sich fürs Thema verbieten. Denn in den Bildern sollen sich die Menschen wiedererkennen. Sie sollen stutzen über den eigenen Alltag, die Rituale im Tagesablauf. Im Idealfall, hofft Herzau, fühlen sich die Betrachter animiert, die Fotografien zu kommentieren. Dafür hängt vor Ort ein Briefkasten. Im Internet ist dafür ein Blog eingerichtet.

Los geht es am Freitag, 9.September um 18. 30 Uhr mit der Ausstellungseröffnung. Um 20.30 folgt in der Pfarrkirche ein Konzert mit den Gruppen „Strom und Wasser“ und „Die kleine Kapelle“. Der Eintritt kostet acht, ermäßigt fünf Euro.

Am Sonnabend, 10. September, hält Pfarrerin Barbara Eger mit einer Übersetzerin einen Gottesdienst für Hörende und Gehörlose. Beginn ist um 14 Uhr.

Unter der Überschrift „Es ist angerichtet“ sind Interessierte am Montag, 12. September, zu einem musikalischen Kaffeenachmittag eingeladen, den die Neuruppiner Tafel auf die Beine stellt. Einem oft verdrängten Thema wendet sich der Verein Frauen für Frauen am Dienstag, 13. September mit Film und Quiz zu: Es geht um „Häusliche Gewalt – ein ganz normaler Tag“. Beginn ist um 14 und um 15 Uhr. Toleranz in der Neuruppiner Stadtgeschichte ist der Titel einer russisch-deutschen Stadtführung am Mittwoch, 14. September um 16 Uhr.

Am Donnerstag, 15. September macht „normal ist anders“ Pause. Aber keine Sorge, es ist trotzdem was los: Im Rahmen der Interkulturellen Woche in Neuruppin heißt es „An die Töpfe, fertig, los“. Dahinter verbirgt sich ein interkulturelles Familienkochduell im Mehrgenerationenhaus Krümelkiste. Karl Toffel hat andere Mittel als Sitzblockaden gegen Nazis. Er zaubert gegen den rechten Spuk. Die Magie beginnt am Freitag, 16. September, um 15 und um 16 Uhr. Relaxen vor der Leinwand ist angesagt beim Filmabend am Sonnabend, 17. September, 20 Uhr. Gezeigt wird in Anwesenheit von Regisseurin Martina Priessner „Wir sitzen im Süden“.

Der Tag darauf, Sonntag, 18.September, ist der Tag der Kinder und Jugendlichen. Ab 15 Uhr stehen Improvisationstheater und Spiele auf dem Programm. Darüber werden natürlich nicht die Senioren vergessen. Oma und Enkel können sich am Montag, 19. September, treffen – beim Bingo-Nachmittag der Seniorenclubs Ruppiner Land und Klosterblick zwischen 14 und 17 Uhr, zu dem ausdrücklich auch junge Ruppiner eingeladen sind. „Lampenfieber“ grassiert am Dienstag, 20. September, in Neuruppin. Ab 17 Uhr zeigt die gleichnamige Theatergruppe der AWO Ostprignitz-Ruppin das Stück: „Des Kaisers neue Kleider“. Ein ungewöhnlicher Film ist am Mittwoch, 21. September, ab 20Uhr zu sehen: „Raum 4070“ zeigt Menschen mit psychischen Erkrankungen, hört ihnen zu, wenn sie über ihre Ohnmacht, Hoffnung und Verzweiflung erzählen. Der Film stellt die Frage des Festivals: Was ist normal, was ist krankhaft, wer bestimmt das?

„Menschenbilder – The dream of life“ heißt der Titel einer Ausstellung des Jugendkunstsommers Flecken-Zechlin. Beginn ist am Donnerstag, 22. September, um 14 Uhr. Märchen aus aller Welt gibt es am Freitag, 23.September ab 15 Uhr auf dem Bauspielplatz.

Für Neuruppins Vielfalt werden am Sonnabend, 24. September, von 10 bis 17 Uhr Buttons gegen Rechts gestaltet. Für diesen Tag haben die rechtsradikalen Freien Kräfte Neuruppin einen weiteren Aufmarsch in Neuruppin angekündigt. Um 17 Uhr wird das Festival beendet. Die Publizistin Mely Kiyak liest aus dem „Manifest der Vielen“, das 30Autoren gemeinsam verfasst haben und das als Reaktion auf das Buch Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ entstanden ist. Es will das Gegenteil beweisen: Deutschland erfindet sich neu.

Wer bloggen will, kann das unter der Internetadresse www.normalistanders.org

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