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Bernauer Volksvertreter streiten sich mit der Verwaltung um kostenlosen Internetzugang in der Bibliothek

Rathaus als Gralshüter der Tugenden

Recherche im World-Wide-Web: Bislang kostet der Blick ins Internet in der Bernauer Bibliothek noch etwas. Nach dem Willen der Stadtverordneten soll sich das aber ändern.
Recherche im World-Wide-Web: Bislang kostet der Blick ins Internet in der Bernauer Bibliothek noch etwas. Nach dem Willen der Stadtverordneten soll sich das aber ändern. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 07.09.2011, 21:25 Uhr
Bernau (MOZ) Die Satzung zur Benutzung der Bernauer Stadtbibliothek ist mehr als zehn Jahre alt. Inzwischen ist die Stadt um mehrere Ortsteile erweitert worden, der Euro wurde eingeführt, und auch der Medienmarkt hat Änderungen erfahren. Gründe genug, die Bibliothekssatzung zu überarbeiten.

Als Stadtverordneter Pèter Vida für die Fraktion der Unabhängigen im Februar dieses Jahres den Antrag einbrachte, die Internetnutzung in der Bernauer Stadtbibliothek künftig kostenlos zu gestalten, war die allgemeine Zustimmung im Ausschuss für Bildung, Jugend, Kultur, Soziales und Sport groß. Dennoch wurde über den Antrag nicht abgestimmt – auf Wunsch des zuständigen Dezernenten Eckhard Illge. Die Verwaltung arbeite ohnehin gerade an einer neuen Bibliothekssatzung, erklärte dieser. Die kostenlose Internetnutzung gehöre in die Satzung. Vida zog deshalb seinen Antrag zurück.

Um so erstaunter waren der Unabhängige und seine Stadtverordnetenkollegen im Ausschuss, als sie jetzt den neuen Satzungsentwurf auf den Tisch bekamen. „Dem Vorschlag der Unabhängigen Fraktion zur kostenlosen Internetnutzung wurde nicht gefolgt“, lasen sie in der dazugehörigen Beschlussvorlage der Verwaltung. Man habe einen Alternativvorschlag erarbeitet. „Die Internetnutzung soll eine Stunde am Tag kostenfrei erfolgen und darüber hinaus kostenpflichtig sein.“

Zur Begründung führte Eckhard Illge vor dem Ausschuss aus, man könne so vermeiden, dass das Internet missbräuchlich genutzt werde, insbesondere von Kindern und Jugendlichen: „Eine Stunde kostenlos pro Tag ist nach unserer Ansicht ausreichend, um zu recherchieren.“ Für jede weitere Stunde Internet will die Stadtbibliothek zwei Euro von den Nutzern verlangen.

Pèter Vida war außer sich. „Lächerlich und peinlich, geradezu provinziell“ sei das, bemerkte er. „Das darf man nirgendwo erzählen, dass in der Bernauer Stadtbibliothek höhere Stundensätze erhoben werden als in jedem kommerziellen Internet-Cafè.“

Auch Klaus Geißler (Freie Wähler) sprach sich gegen den Alternativvorschlag der Verwaltung aus. „Wer nutzt denn den Internetzugang in einer Bibliothek?“, fragte er. „Doch wohl nur Familien, die keinen eigenen Computer haben und bei denen der Brotkorb ohnehin höher hängt“, antwortete der Schönower gleich selbst. Deshalb würden, folge man der Verwaltung, genau die Falschen zur Kasse gebeten. Und Birgit Lembke-Steinkopf, sachkundige Einwohnerin, wandte ein, dass eine Stunde für Internetrecherchen viel zu gering bemessen sei.

Dezernent Illge versuchte noch einmal, die Ausschussmitglieder auf seine Seite zu ziehen. Den Internetzugang eben nicht kostenfrei zuzulassen sei der Versuch, „eine grenzenlose Nutzung „durch Kinder und Jugendliche zu verhindern“, erklärte er. „Das ist Unsinn“, erwiderte ihm Carsten Schmidt (Linke). „Eine Steuerungswirkung erreichen Sie damit keinesfalls.“ Im Übrigen sei in der Satzung ja auch ein Nutzungszweck für die Bibliothek festgeschrieben, bemerkte Pèter Vida. „Das ist doch ganz einfach: Wer gegen den verstößt, dem wird das Nutzungsrecht entzogen.“

„Es geht darum, den guten Ruf, den die Bernauer Stadtbibliothek hat, zu erhalten“, meinteschließlich Ausschussvorsitzende Christine Poppitz (Linke). So war es keine Überraschung, dass die Mitglieder des Gremiums am Ende einstimmig für eine kostenlose Internetnutzung in der Bernauer Bibliothek votierten.

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