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Bedenken gegen ein Endlager bleiben

Henning Kraudzun / 03.08.2009, 18:49 Uhr
In Beeskow Eine Stunde diskutierten die Gegner der unterirdischen CO 2 -Lagerung am Montag mit Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) über die möglichen Folgen der Verpressung von Kohlendioxid in der Erde. Eine Annäherung fand indes nicht statt.

"Es geht uns um die Akzeptanz einer Technologie, die hoch umstritten ist", machte Junghanns die Schwierigkeit künftiger Debatten deutlich. Die Entscheidungsgänge sollten nach seiner Auffassung "transparent" sein, jeder Schritt "gut begründet" werden. Auch bei Widerständen wolle er die Menschen in der Region "mitnehmen". Allerdings, daraus macht der Wirtschaftsminister keinen Hehl, halte er an den Plänen zur unterirdischen Lagerung des Klimakillers unbeirrt fest. "Wir müssen jetzt das Informationsdefizit beseitigen", forderte er.

Dieses Defizit wird von die Gegnern des geplanten CO 2 -Endlagers moniert. "Die Verklappung von Kohlendioxid wird verharmlost, das fördert nicht gerade die Glaubwürdigkeit des Projekts", sagte Rolf Ignaz, Vorsitzender des Vereins "Bruchkultur" aus Neuhardenberg (Märkisch- Oderland). Die Bevölkerung vor Ort sehe sich als "Versuchskaninchen".

Bei dem Projekt gehe es um Entscheidungen, die folgende Generationen betreffen, machte Sabine Niels, Vorstandsmitglied des Vereins "Endlager stoppen", deutlich. Es sei völlig offen, ob das Kohlendioxid irgendwann durch poröses Deckgestein austreten könne und damit in Senken und Kellern tödliche Gefahren mit sich bringe. "Kohlendioxid ist nicht kontrollierbar", sagt Ignaz.

und Neutrebbin (Märkisch-Oderland) will der Energiekonzern Vattenfall Gebiete zur Speicherung von CO 2 erkunden. Das Unternehmen will die sogenannte CCS-Technologie (Carbon capture and storage; Kohlendioxid einfangen und speichern) zur Abscheidung und Speicherung von CO 2 voranbringen. Vattenfall sucht nach geeigneten unterirdischen Lagerstätten. Gegen die Pläne hat sich in den betroffenen Regionen breiter Protest geregt.

Das Landesamt Bergbau, Geologie und Rohstoffe prüft derzeit Anträge zur Erkundung der möglichen beiden Speichergebiete. Zurzeit würden im Verfahren die Träger öffentlicher Belange beteiligt, sagte der Mitarbeiter des Landesamtes, Thomas Höding. Bis zu einer Entscheidung könnten noch Monate vergehen. Nach Angaben von Junghanns würden diese geologischen Erkundungen zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Bis zum Jahr 2015 könne es dauern, bis ein unterirdischer Speicher nutzbar wäre.

Die Pläne hätten jedoch schon in absehbarer Zeit gravierende Auswirkungen auf die Region - hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung, machte der Neutrebbiner Gemeindevertreter Hans-Friedrich Zimmermann deutlich. Unternehmer würden wegen der ungewissen Zukunft kaum noch in ihre Betriebe investieren und keinen Nachfolger suchen. Die Grundstücke würden immer schwerer verkäuflich.

Unterdessen wächst auch innerhalb der märkischen CDU der Unmut über die Haltung von Junghanns, der die CO 2 -Speicherung schon in der Vorwoche als "technisch beherrschbar" bezeichnete. Gestern kritisierte der Ortsverband Beeskow in einem Schreiben die Aussage des Wirtschaftsministers. "Bei den Landespolitikern scheint es noch nicht angekommen sein, dass sie gegen fast 80 Prozent der Bürgermeinung handeln", erklärte der CDU-Bürgermeisterkandidat für Beeskow, Eberhard Birnack.

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