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Wolletzer Fachtagung zu zehn Jahren Naturschutzstiftung Schorfheide-Chorin / Umweltschutz im Praxistest

Forschungslabor Wald

Daniela Windolff / 17.09.2011, 07:40 Uhr
Wolletz (MOZ) Von Daniela Windolff

Wolletz (MOZ) Wie wirtschaftliche Waldnutzung mit Umweltschutz verbunden werden kann und Klimaforschung vor der Haustür passiert, das beweist seit zehn Jahren die Naturschutzstiftung Schorfheide-Chorin, die ihr Jubiläum am Freitag mit einer Fachtagung in Wolletz feierte.

Bäume zählen kann eine höchst wissenschaftliche Angelegenheit sein. Im Wald rund um Wolletz und Redernswalde wurden in Kooperation mit der Humboldt-Universität Berlin alte Bäume kartiert. Das gehört zu einem Forschungsprojekt, mit dem der Altbaumbestand analysiert, dessen Bedeutung für das Ökosystem erforscht und praktische Schlussfolgerungen für die Waldentwicklung gezogen wurden. Finanziert wurde das Projekt aus Erlösen der Naturschutzstiftung Schorfheide-Chorin. Die Altbaumkartierung ist nur eines von zahlreichen Forschungs- und Praxisprojekten dieser Stiftung.

Sie wurde vor zehn Jahren von Lisa und Hugo Fiege gegründet. Das Unternehmerpaar aus Nordrhein-Westfalen hatte sich 1997 in Wolletz niedergelassen und das Gut Wolletz gekauft. „Wir sind eigentlich der Jagd wegen gekommen. Aber daraus ist viel mehr geworden. Das Jagen ist in den Hintergrund getreten. Dafür haben wir sehr viel gelernt über Naturschutz und wertvolle Menschen kennengelernt“, erinnert sich Hugo Fiege.

Als ein großer Teil der BVVG-Waldflächen auf Beschluss der Landesregierung an Naturschutzinstitutionen übertragen werden sollte, sahen Fieges darin die Chance, gemeinsam mit drei regionalen Naturschutzvereinen eine Stiftung zu gründen. Fieges statteten die Stiftung mit privatem Grundkapital in Höhe von ?365?000 Euro aus. Das Land übertrug rund 670 Hektar Wald an die Stiftung. Diese Flächen sind zu Lernorten, Forschungslaboren, Experimentierflächen geworden, auf denen in unterschiedlicher Weise die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie durch eine nachhaltige Waldwirtschaft erprobt wird, naturbelassene und bewirtschaftete Flächen verglichen, verträglicher Wildbestand untersucht und Kiefermonokulturen zu Mischwäldern umgewandelt werden, was sowohl der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes als Holzlieferant als auch seiner Bedeutung für Klima, Artenvielfalt, Wasserhaushalt und Erholung gerecht wird. So wurden 16 Hektar reiner Kiefernforst mit zwölf heimischen Laubbaumarten, darunter Rotbuche, Winter-Linde, Hainbuche, Spitz-Ahorn und Vogelkirsche, ergänzt.

Untersucht wird dabei auch die Auswirkung des Klimawandels. Welche Arten kommen damit gut zurecht? Welchen Einfluss haben welche Baumarten auf Klima und Wasserhaushalt? In ein solches Projekte waren auch Schüler des Biologiekurses des Einsteingymnasiums Angermünde einbezogen. Finanziert werden die Projekte ausschließlich aus Erlösen der Stiftung, Spenden und selbst erwirtschaften Erträgen.

Rund 300 Hektar Wald am Redernswalder See wurden zum Naturentwicklungsgebiet erklärt, das heißt, hier darf sich der Wald frei entfalten. Der Mensch ist nur Beobachter. Zuvor wurden hier viele Eichen gefällt, die vor mehr als 100 Jahren zur Holzgewinnung angepflanzt wurden und dem natürlichen Buchenbestand Licht und Raum nahmen. Das sorgte für einige Irritationen in der Öffentlichkeit. Heute fühlen sich Fieges trotz einiger Anfeindungen in ihrem Tun akzeptiert. Das bestätigten auch zahlreiche Gäste, Wegbegleiter, Forschungspartner, die gestern zur großen Fachtagung nach Wolletz gekommen waren.

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