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In der Lieberoser Heide sollen auf Hunderten Hektar Bäume für Solaranlagen gerodet werden

Zoff in der Heide: Wald gegen Sonnenenergie

Blick aus einem Leichtflugzeug auf ein Photovoltaik-Kraftwerk aus Dünnschicht-Solarmodulen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose bei Cottbus.
Blick aus einem Leichtflugzeug auf ein Photovoltaik-Kraftwerk aus Dünnschicht-Solarmodulen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose bei Cottbus. © Foto: dpa
Ulrich Thiessen / 27.09.2011, 20:09 Uhr
Potsdam (MOZ) Windräder sind seit langem umstritten, und auch gegen Biogasanlagen regt sich Widerstand. Am Beispiel der Lieberoser Heide (Spree-Neiße) wird nun über eine weitere regenerative Energie kontrovers diskutiert. Die Frage lautet, ob für Solarparks Hunderte Hektar Wald gerodet werden sollen.

Als 2009 der Solarpark Turnow-Preilack in der Lieberoser Heide in Betrieb ging, kannte die Begeisterung kaum Grenzen. Auf rund 150 Hektar waren Photovoltaikanlagen errichtet worden. Der Investor hatte nicht nur in Brandenburg hergestellte Solaranlagen installiert, sondern zuvor auch ein ehemaliges Chemielager der sowjetischen Armee auf dem früheren Truppenübungsplatz beräumen lassen. Zukunftsenergien verknüpft mit Konversion – das gab Anlass zur Freude.

Zurzeit wird der Solarpark I um weitere 65 Hektar (Solarpark II) erweitert. Das Projekt steht kurz vor der Fertigstellung. Aber die Solarenergie soll in der Region in ganz neue Dimensionen geführt werden. Die Gemeinde Schenkendöbern, zu der ein Teil der Lieberoser Heide gehört, stellt gerade einen Bebauungsplan auf, für einen Solarpark III. Der soll letztlich rund 700 Hektar umfassen. Der Investor juwi solar, der die Solarparks I und II betreibt, hat Interesse an der Ausweitung der Aktivitäten signalisiert. 650 Hektar des potentiellen Solarparks III gehören zum Landesforstbetrieb und müssten einer Waldumwandlung unterzogen – sprich: abgeholzt werden.

Bei den Förstern der Region wird von der größten Waldvernichtung in Mitteleuropa seit Jahrhunderten gesprochen. Die Befürworter erklären, dass es sich um nicht sehr wertvollen Kiefernwald handelt und mit dem Abholzen auf dieser Fläche Munition entsorgt werden könne. Nach 25 Jahren Nutzung soll außerdem neuer Wald entstehen. Für die Erweiterung der Solarparks spreche zudem, dass die Infrastruktur, also die Strom-?trassen, schon vorhanden sind.

In einer Stellungnahme des Infrastrukturministeriums wird darauf hingewiesen, dass schon für die Munitionsräumung auf dem Gelände des jetzigen Solarpark II die Waldbeseitigung nicht nötig gewesen wäre. Schon in den vergangenen Jahren hätte die Forstverwaltung aus den Erlösen der Waldbewirtschaftung Munitionsbergungen finanziert. Es sei ein Fehler, wenn die gesamte Lieberoser Heide immer noch komplett als Konversionsfläche betrachtet wird. Die Einstufung als Konversionsfläche sichert jedoch Fördermittel.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat in einer mehrseitigen Stellungnahme darauf hingewiesen, dass die gesetzlich vorgesehenen Ersatzaufforstungen für eine so große Fläche gar nicht möglich seien, da die Areale nicht zur Verfügung stehen. Außerdem würde mit der Solaranlage mitten in einem sensiblen Naturraum eine riesige, umzäunte und abgesperrte Industrieanlage entstehen.

Auch mehrere Professoren der Eberswalder Fachhochschule für nachhaltige Entwicklung haben sich zusammengeschlossen und in einem Gutachten vor einer irreversiblen Beschädigung der Ökosysteme gewarnt, die auch durch eine spätere Wiederbepflanzung nicht rückgängig gemacht werden könne. Die sechs Professoren kommen in ihrem Gutachten vom 30. August zu der Schlussfolgerung, dass mit der Umwandlung von Waldflächen in Offenland zum Zwecke der Stromerzeugung ein nicht vertretbarer Präzedenzfall geschaffen werde. Auch seitens der Landesförster wird darauf verwiesen, dass jeder Privatwaldbesitzer sich auf Lieberose berufen und eine Waldumwandlung beantragen könnte, wenn das für ihn lukrativer wäre.

Dem Gutachten der sechs Professoren steht eine gegenteilige wissenschaftliche Untersuchung aus dem gleichen Hause entgegen, die für den bisherigen Lieberoser Investor juwi solar erstellt wurde. Diese sieht die geplante Waldumwandlung unter dem Gesichtspunkt der Energiewende als sinnvoll an.

Bernd Broschan, Amtsdirektor von Lieberose/Oberspreewald, sieht in den Plänen der Nachbargemeinde Schenkendöbern einen Angriff auf die Zukunft der ganzen Region. Die sollte nämlich in der Internationalen Naturausstellung (INA) liegen. Vertreter der umliegenden Kommunen und des Landkreises hatten sich mit Unterstützung des Umweltministeriums auf ein Umwelt- und Tourismuskonzept verständigt, das mit einer der größten unzerschnittenen Wald- und Heidelandschaften Deutschlands wuchern wollte. Broschan als Sprecher der Initiative verweist darauf, dass die jetzigen und nun geplanten Solarparks die Lieberose Heide in der Mitte zerschneiden und quasi abriegeln. Auch der geplante Wildkorridor von Polen bis nach Sachsen-Anhalt wäre beeinträchtigt.

In ersten Stellungnahmen hat sich das Umweltministerium gegen die Bereitstellung von Schutzgebieten für die geplanten Solarparks ausgesprochen. Das Infrastrukturressort kann sich die Nutzung von 260 Hektar ohne Schutzstatus vorstellen.

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Peter Wielandt 19.10.2011 - 15:14:51

Saubere Stromerzeugung ohne Opfer zu bringen, wie soll das Gehen ?!

Also ich persönlich kann den Protest gegen den geplanten Solarpark, absolut nicht verstehen. In Perspektive sollen sämtliche Atomkraftwerke abgeschalten werden, wenn auf diesen Fakt nicht mit Alternativen reagiert wird, gibt es wohl nur 2. Möglichkeiten, 1. Möglichkeit: wir müssen den Strom aus den Nachbarstaaten zu exorbitanten Preisen importieren oder 2. Möglichkeit: wir sitzen wohl alle irgendwann im Dunkeln! Was erschreckend ist, die öffentliche Meinung der Gegner dieses Projektes, gibt den Anschein als wäre die besagte Waldfläche unwiederbringlich verloren. Doch soll ja eine Waldumwandlung erfolgen, die auch eine Entmunitionierung in diesem Gebiet beinhaltet. Sicherlich besser als alles brach liegen zu lassen ? Komisch ist bei allem auch, Atomkraft finden alle schrecklich, Kohlekraftwerke zu unsauber, Windenergie zerstört das Landschaftsbild...doch ohne Strom da sitzen will auch niemand! Ich persönlich hoffe und wünsche mir, dass sich dieses Projekt durchsetzt, denn es haben sich meines Erachtens, Stellen Gedanken gemacht die wirklich an einer sauberen Energiewende in der Region interessiert sind.

D. Wolf 29.09.2011 - 07:28:54

D. Wolf

Danke K. Baumann, endlich mal eine realistische Meinung zum Wahnsinn Energieversorgung. Mann kann also nicht beides haben, gesicherte Energieversorgung (die von Natur aus nicht gegeben ist) und einer unberührten Natur (die sich verändert, wenn Wetter und Mensch in Ihr agieren). Was tun sprach der Mensch? Es gelingt uns nur schwer unser Leben im Einklang mit der Natur zu bringen. Ohne Einwirkung in die Natur werden wir nicht existieren können, da auch die Natur die Natur verändert, z. B. Vulkanausbrüche, Stürme, Hochwasser usw. Wobei mir sich die Frage auftut, was ist eigendlich eine unberührte Natur? Wir müssen begreifen, dass wir ein Teil der Natur sind und uns mit Ihr in Einklang bringen müssen. Und das ist schwer. Aber wir können es versuchen und uns nicht von Ökoaktivisten in eine Ecke drücken lassen zu müssen.

K. Baumann 28.09.2011 - 20:27:07

Vorschlag

Habe keinen Vorschlag, der bezahlbar erscheint. Selbst die Errichtung von Windparks in der Nordsee oder Ostsee wird wohl gigantische finanzielle Mittel verschlingen. Ich erlaube mir da eine Meinung zu haben, da ich beruflich gerade mit in die Untersuchung eines zukünftigen Feldes für WIndenergieanlagen in der Nordsee eingebunden bin. Was alleine die Voruntersuchungen kosten, ist kaum zu glauben. Dann müssen die Dinger ganz nebenbei noch errichtet werden, zum Land verkabelt werden und laufend gewartet und repariert werden. Bei starker See ist selbst die Wartung oder gar eine Reparatur kaum denkbar. Ich glaube kaum, dass die Energieversorger uns den Strom aus derartigen Windkraftanlagen schenken werden. Egal ob subventioniert oder nicht, bezahlen müssen wir das immer. Die einfachste und kostengünstigste Lösung erscheint mir da der Import von (Atom-)Strom von unseren Nachbarn. Wir können ja vorsichtshalber unsere Windräder an den Grenzen zu den Atomstrom produzierenden Ländern aufstellen, also z.B. den Rhein lang. Sollte es in einem der Nachbarländer zu einem Atomgau kommen, dann drehen wir die WIndräder einfach um und betreiben sie als Ventilator. So können wir die Atom-Staubwolke wieder in das Herkunftsland zurückblasen. Den Strom für den Betrieb der WIndräder als Ventilator bekommen wir natürlich kostengünstig aus einem anderen Atomstrom produzierenden Land. Was besseres fällt mir leider auch nicht ein.

D. Wolf 28.09.2011 - 18:32:28

D. Wolf

K. Baumann, danke für die Auflistung, aber am Thema vorbei. Welche Alternative sehen Sie? Wollen wir die Kohlekraftwerke behaltemn, wollen wir die Atomkraftwerke behalten oder wollen wir am Lagerfeuer unser Leben fristen. Oder ist der Aufbau der neuen Energie nur eine Etappe, um später (zu unseren Kosten) alles wieder ab zu bauen und in der Sahara EINE Anlage für Europa bauen? Rechenbeispiele und Technologien sind im Ansatz fertig und nutzbar. Nur bleibt ein grosses Problem: der Weg der Energieleitungen (hier Gleichstrom) führt durch nicht unter unserer Kontrolle befindliche Gebiete. Also, bei Abschaltung unserer Energoieerzeugung zu Gunsten der erneuerbaren Energie, was kommt dann raus. Die Atomkraftgegner u. weitere Verhinderer sind gefordert. Welche Vorschläge sind realistisch in der Umsetzung und im Betreiben mit Nachhaltigkeit. Das ist die zentrale Frage. Bitte vorschläge. Bin ganz Ohr

K. Baumann 28.09.2011 - 17:32:35

Zur Beantwortung der Frage von D. Wolf

Richtig müsste die Frage lauten: „ Wo bekommen wir zukünftig bezahlbare Energie her?“. Sonnenenergie kann für unsere Breiten da wohl kaum die Lösung sein. Das ist für mich nur eine gigantische Abzocke von Subventionen (sprich Geld der Bürger), die teilweise noch an die Hersteller der Solarmodule nach China fließen. Wenn für die Aufstellung der Module noch Wald abgeholzt werden muss, ist das einem normal begabten Bürger wohl kaum noch zu vermitteln. Da die Bürger auch gegen CCS sind, klappt das mit der Braunkohle auch nicht so richtig. Die Windräder verschandeln die Umgebung. Zugegebenermaßen möchte ich so ein Ding auch nicht gerade vor der Haustür haben. Ich glaube auch kaum, dass man sich darüber im klaren ist, welche Flächen mit Windrädern wir brauchen, um nur alleine die Atomkraftwerke zu substituieren. Professor Sinn (Münchener Ifo-Institut) hatte in einer Talkshow mal die Fläche von NRW genannt. Da ich ihn für seriös halte, mag ich das wohl glauben. Auf ähnliche Zahlen kann man auch schnell selber kommen, wenn man sich mal überlegt, dass alleine für die Substitution eines 3.000 MW Kraftwerkes, z.B. Jänschwalde, etwa 1.000 der z.Z. größten Windräder nötig wären + eine entsprechende Anzahl von Gasturbinenkraftwerken, für die Zeit wenn kein Wind bläst. Wenn wir also die Kohlekraftwerke auch noch abschalten, brauchen wir mindesten 2 X NRW als Fläche. Der weitestgehend entvölkerte Osten Deutschlands würde sich ja dafür anbieten. Die paar Leute, die nach der Wende hier geblieben sind, haben ihr biologisches Alter bald erreicht oder könnten auch noch umgesiedelt werden und die Wölfe gewöhnen sich bestimmt schnell an die Windräder. Fazit: Eine Lösung hat wohl, außer den Grünen, keiner so richtig, aber die versprechen meist sowieso das Blaue vom Himmel.

D. Wolf 28.09.2011 - 10:42:59

D. Wolf

Das waren also wiedermal die Gegner, die dagegen sind, weil Sie dagegen sein wollen. Warum geht keiner auf meine (unten) gemachten Fragen ein? Das wäre Konstruktiv und wir gemeinsam können das Problem lösen. Nicht nur mit dagegen sein, das bringt uns nicht weiter. Die Frage der Versorgung der Weltbevölkerung kann Deutschland nicht lösen, darf es auch nicht. Damit würden wir die (hungernde) Bevölkerung noch mehr entmündigen. Spruch. "Gib einem Hungrigen einen Fisch und er wird heute satt. Zeig Ihm wie man Fische fängt und er wird nie mehr hungern"

Silvanus 28.09.2011 - 10:27:43

Weshalb es einen Solarpark III in diesem Ausmaß nicht geben sollte:

- die Solarparks I und II auf einer Gesamtfläche von ca. 220 ha haben schon eine beachtliche Größe in Anbetracht der Lage im Einflussbereich eines FFH-Gebietes, unmittelbar benachbart von Naturschutzgebieten - ein größerer Solarpark in Deutschland entsteht zur Zeit nur im Raum Senftenberg in einer ohnehin vom Tagebau schon zerstörten Landschaft - in der Lieberoser Heide müssten enorme Waldflächen gerodet werden, der Eingriff in das Ökosystem wäre immens, die Folgen nicht absehbar - die Flora und Fauna der Lieberoser Heide ist gerade erst dabei das Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes sich wieder zurückzuerobern (siehe Wolf, Wiedehopf, Gastbesuche von Elchen !!,...) - die unzerschnittene Landschaft von rund 250 km² hat großen Seltenheitswert in Deutschland - mit der Ausweisung von Wildnisflächen in diesem riesigen Gebiet kann das Ziel der Bundesregierung unterstützt werden bis 2020 ZWEI % der Gesamtfläche Deutschlands als Wildnisflächen auszuweisen - das innovative Konzept einer Internationalen Naturausstellung wurde bereits 2009 in einem mit allen betroffenen Ämtern und Institutionen der Umgebung ausgearbeitetem Masterplan als DAS ökologische, nachhaltige, touristische Zukunftskonzept der Region ausgearbeitet und beschlossen - eine Nutzung der geplanten und dann gerodeten 700 ha für 25 Jahre muss wohl doch als sehr kurzfristige, profitorientierte Planung verstanden werden, wenn man die Möglichkeit hat eine Wildnis entstehen zu lassen, die über Generationen hinweg bestehen und nachhaltige Effekte generieren wird Wer sich diesen Gründen verschließt, sollte dringend über sein Verständnis von gemeinschaftlichem, verantwortungsvollem Handeln für einen nachhaltigen Umgang mit den regional existierenden ökologischen Ressourcen nachdenken.

K. Baumann 28.09.2011 - 10:15:19

CO2-Einsparung

Da sollen 700 ha Wald abgeholzt werden, der nachweislich CO2 bindet, um Solaranlagen zur CO2-Verminderung dort hinzustellen. Da kann man wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Ich glaub so was bekommen auch nur die Deutschen in ihrem überzogenen Klimawahn hin. Wir nutzen ja auch schon Nahrungsmittel zur Energiegewinnung, z.B. Mais in Biogasanlagen, obwohl 1 Mrd. Menschen auf der Erde nicht ausreichend ernährt werden können. Das ist nach meiner Auffassung eine Form von schlimmer Ignoranz und Dekadenz.

D. Wolf 28.09.2011 - 07:59:57

D. Wolf

Wer "A" sagt, muss auch "B" sagen. Man kann nicht Atomkraftwerke abschalten und erneuerbare Energien verlangen (was ja Sinn macht) und gegen Solarfelder sein. Wer gegen Solarflächen ist und gegen Atomkraftwerke, und gegen Windräder und gegen Kohlekraftwerke und gegen Wasserkraftwerke, sollte bitte mal sagen, wo der Strom herkommt, mit dem wir leben (müsse). Zum kochen, zum Bahnfahren, zum Fernsehen usw. Also Vorschläge auf den Tisch und dann Strom marsch.

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