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In der Polizei-Doku "Kommissare Südwest" zeigt das SWR Fernsehen das Tagesgeschäft der Kripo

Hackfleisch-Eintopf statt Prügelbeulen und Schusswunden

SWR-Fernsehen dokumentiert in "Kommissare Südwest" die Arbeit der Polizei
SWR-Fernsehen dokumentiert in "Kommissare Südwest" die Arbeit der Polizei © Foto: dapd
dapd / 30.03.2013, 12:15 Uhr
Stuttgart/Berlin (dapd) Ein Toter liegt an einer Haltestelle der Heidelberger Straßenbahn. Ein grausamer Mord, ein tragischer Suizid oder doch nur ein furchtbarer Unfall? Die Lage ist unübersichtlich und die Kommissare Arne Erhardt und Marco Hufnagel nehmen die Ermittlungen auf. Es ist ein ernüchternder Einstieg in einen halbstündigen TV-Einblick in echte Polizeiarbeit. Kein Blaulicht blitzt, keine Spurensicherung stöbert. Nur vorbeilaufende Passanten begaffen die Szene.

In zehn Folgen einer Dokureihe bildet das SWR Fernsehen ab Dienstag (2. April, 22.00 Uhr) den Alltag von Kriminalpolizisten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ab. Morde, Einbrüche, Drogengeschäfte - das Drehbuch für "Kommissare Südwest" schrieb kein Autor, sondern das Leben. Immer dienstags setzt die Doku-Reihe damit ein Gegengewicht zum großen fiktionalen Bruder "Tatort", der Sonntag für Sonntag Millionen vor die Bildschirme lockt und die Sicht eines ganzen Volks auf ihre Polizei prägt.

Kontrastprogramm zum ARD-"Tatort"

Nicht spektakuläre Morde stehen im Mittelpunkt der Reihe, sondern die vielen kleinen Dramen des Alltags. Ein 83-jähriger Mann ist von einer Reise nicht zurückgekehrt, die Angehörigen können ihn einfach nicht erreichen - die Kriminalpolizisten ermitteln und sammeln Hinweise auf den Verbleib des Mannes. Sie schauen sich in dessen Wohnung um, doch wirklich schlau werden sie zunächst nicht.

Schnitt. Ein Haus steht in Flammen, die Kommissare Erhardt und Hufnagel müssen erste Hinweise sammeln, ob jemand gezündelt hat. Sie schießen Beweisfotos. In Folge zwei verschlägt es Kommissare in eine frisch durchwühlte Wohnung - Einbrecher haben Schränke und Schubladen der Besitzer durchsucht. Auch hier müssen Spuren gesichert und verschreckte Bürger beruhigt werden.

Die "Kommissare Südwest" holen Krimifans nach durchgeballerten 90 Minuten Til-Schweiger-"Tatort" zurück auf den Boden der Tatsachen. Die Reportagefilmer zeigen Polizisten ohne Prügelbeulen im Gesicht oder durchsuppende Streifschusswunden am Arm, sondern Familienväter, die sich vor der Nachtschicht noch einmal einen deftigen Hackfleisch-Eintopf kochen. Wenn sie unterwegs sind, sprechen die Beamten ganz ernsthaft und ohne zu lachen statt vom Mordfall von einer "Leichensachbearbeitung". Ein Wort wie kalte Füße.

Doch kleine und große Jungs werden ganz weite Augen kriegen, während die Kamera mit dabei ist, wenn die Polizisten mit Blaulicht und Sirene durch dichten Verkehr zum Schauplatz eines Verbrechens preschen. Dennoch ist die Serie einen Makel - die Macher haben sich nicht konsequent entschieden, ob sie nun die Sache oder die Personen in den Mittelpunkt stellen. Viele Fälle werden kaum ausführlich erzählt.

Zu wenig Fokus auf die Persönlichkeiten

Und auch zu den Kommissaren will beim Zuschauen keine echte Bindung entstehen, obwohl der Sender in seiner Ankündigung "Charakterköpfe" verspricht. Ein wenig mehr Inszenierung der Persönlichkeit hätte da gut getan. So bleiben bei den "Kommissaren Südwest" letztlich Schlaglichter übrig, die die Polizeiarbeit beleuchten, aber nicht wirklich erklären können. Ein wenig mehr Story wie im Film hätte auch der Reportage gut getan, denn die Menschen, um die es in den Reportagen geht, bleiben angesichts dieser Collagen aus Alltäglichkeiten blass.

Dabei waren sogar Filmkünstler mit "Tatort"-Erfahrung am Werk. Der Kameramann Andreas Schäfauer zeichnet für einige Bilder verantwortlich. Nach vier inszenierten "Tatorten" verschlug es Schäfauer zu echten Kommissaren, was eine Herausforderung für ihn war: "Bei szenischen Produktionen überlegt man sich mit dem Regisseur zusammen, wie man es gerne hätte. Bei der Reportage musst du nehmen, wie es kommt", beschreibt er den größten Unterschied. Nach einigen Einsätzen mit der echten Polizei, weiß der 49-jährige Stuttgarter: "Im Fernsehen werden jeden Tag mehr Leute umgebracht als in der Realität in Deutschland."

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