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Wo Biogas zu Strom wird

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annette herold / 06.08.2009, 08:00 Uhr
Elektrische Energie aus Mais und Gülle: Das Lichtenberger Biogas-Kraftwerk speist täglich eine Strommenge von mehr als 17 000 Kilowattstunden ins Netz der Stadtwerke ein. Das entspricht etwa dem Jahresbedarf von vier Vier-Personen-Haushalten. Am Mittwoch sahen sich Mitglieder des Vereins Brandenburgischer Ingenieure die Anlage an.

Sie sind für den Menschen allenfalls unter dem Mikroskop sichtbar und für die Stromgewinnung in einer Biogasanlage dennoch unverzichtbar. Emsig arbeitende Bakterien sorgen dafür, dass in Lichtenberg aus Maissilage und Gülle elektrische Energie werden kann. Beide Stoffe werden von den winzig kleinen Lebewesen verdaut, dabei vergoren und gewissermaßen als Abfall entsteht ein Gasgemisch, das in der Lichtenberger Anlage etwa zur Hälfte aus dem gewünschten Methan besteht. Das Gas wird getrocknet und treibt einen Gasmotor an, der eine Leistung von 716 Kilowatt erzeugt und damit den Generator zur Stromerzeugung zum Laufen bringt.

"Im Prinzip findet hier eine Umformung chemischer in elektrische Energie statt", erläuterte Roland Gimpel, Geschäftsführer der Lichtenberger Agrargesellschaft mbH, seinen etwa 30 Zuhörern. Mit der seit Februar 2008 laufenden Anlage verfolgen die Landwirte nach seinen Worten zwei Ziele. Erstens gehe es darum, den Betrieb in diesen Zeiten mit fallenden Milch- und Getreidepreisen wirtschaftlich zu stärken. "Wir haben etwas gesucht, das uns ein dauerhaftes Auskommen garantiert." Dazu wollten die Lichtenberger Bauern zweitens nutzen, was bei der Milchviehhaltung - im Stall nebenan stehen rund 1300 Kühe - reichlich anfällt, nämlich Gülle. Die Ausscheidungsprodukte enthalten nach Gimpels Worten noch jede Menge organische Stoffe wie Zucker und Stärke und stehen deshalb bei den Bakterien hoch im Kurs. Mit der Beimengung von Silage aus Lichtenberger Mais entstehe das richtige Substrat, aus dem sie innerhalb von jeweils sechs Wochen das zur Stromerzeugung benötigte Gas produzieren. Mit der in dem Prozess entstehenden Wärme werden die Sozialräume des Kuhstalls beheizt, eine Fußbodenheizung im Melkbereich und den Sozialräumen betrieben sowie Wasser für Duschen und zur Melkzeugspülung erwärmt.

Die Lichtenberger haben ihre Entscheidung für den Bau der Anlage nach Worten des Geschäftsführers bis heute nicht bereut. Ganz im Gegenteil. Es gehe darum, innerhalb des Unternehmens einen soweit wie möglich geschlossenen Stoffkreislauf zu erreichen, sagte er. Die staatliche Subventionierung von Strom aus Biomasse habe ihn und die anderen Gesellschafter in ihrem Votum für den Bau bestärkt. Eine Erweiterung solle in Kürze folgen: Noch in diesem Jahr soll dem bestehenden Block einer mit einer Leistung von 600 Kilowatt hinzugefügt werden, so dass die Anlage auf 1,3 Megawatt kommen wird. Die Abstimmungen mit dem Landesumweltamt dazu laufen.

Umweltfragen waren es auch, die die Besucher interessierten. Andere aus dem Kreis wollten technische Feinheiten genauer wissen. Die regelmäßig stattfindenden Exkursionen des Vereins Brandenburgischer Ingenieure und Wirtschaftler sind nach Worten von Horst Kugler, Vorsitzender des Frankfurter Ortsvereins, für alle Interessierten offen. Der rund 60 Mitglieder zählende Ortsverein und der landesweit arbeitende Arbeitskreis Umweltschutz und erneuerbare Energien hatten die Besichtigung organisiert.

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