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Eintracht-Boxtrainer Dietrich Bleck feiert heute 70. Geburtstag / Jubilar befürwortet neues AIBA-Punktsystem

Loslassen will er längst noch nicht

© Foto: Michael Benk
Hans Eberhard / 18.10.2011, 07:45 Uhr
Frankfurt (MOZ) Mit Dietrich Bleck feiert heute ein verdienstvoller Frankfurter Boxtrainer seinen?70. Geburtstag. Als ASK-Athlet waren ihm in 98 Kämpfen – zuletzt als Halbschwergewichtler – die größeren Erfolge verwehrt geblieben. Doch als Nachwuchs-Trainer bereitete er den Boden vor für EM- und WM-Medaillen solcher Spitzenboxer wie Torsten Koch, Andreas Otto oder Henry Maske, war an ihren internationalen Meriten aber auch direkt beteiligt.

Im hinterpommerschen Nowograd (deutsch: Naugard)geboren, hatte er 1960 sein Abitur in Anklam gemacht, studierte danach in Greifswald und war ab 1966 Trainer – damals noch beim ASK in Strausberg, ab 1973 in der Oderstadt.

Spitzentrainer war Manfred Wolke. Im Mai 1985 wurde er „aus gesundheitlichen und disziplinarischen Gründen“ abgelöst, vom Oberstleutnant zum Major degradiert. Bis 1987 übernahm Dietrich Bleck das Kommando, betreute u. a. mit Maske den Weltmeister und zweifachen Europameister und mit Koch den Vize-Europameister. „Das waren meine Sternstunden“, sagt der Coach. Auf Intervention von Maske bei der obersten NVA-Heeresführung kam Wolke mit Blick auf Olympia 1988 in Seoul?wieder ans Ruder. „Das war natürlich mein Tiefpunkt“, gibt Bleck den unerwarteten Rollentausch unumwunden zu.

Von 1988 bis 1990hatte er im Rahmen der „olympischen Solidarität“ einige Auslandseinsätze. In Tunesien, Ruanda, Äquatorial-Guinea, Madagaskar, Algerien und im Libanon leitete der Experte einige Trainer-Lehrgänge nach den Richtlinien der AIBA.

Nach der politischen Wende war er fast zehn Jahre lang Geschäftsführer einer Elektrotechnik GmbH. Klar, ganz vom Boxen konnte und kann der jetzt 70-Jährige nicht lassen. „Ich kann nicht einfach die Hände in den Schoß legen, will daheim in Markendorf nicht versauern“, sagt er – trotz der engen Familienbande mit Ehefrau Hannelore, den Kindern Thomas und Grit und den mittlerweile vier Enkeln.

Erst war er Übungsleiter beim ESV, seit drei Jahren nun ist er der mehr ehrenamtliche Chef der Frankfurter Filiale vom Berliner Boxring Eintracht mit Harald Lange an der Spitze. „Boxen statt Gewalt“ heißt das Projekt in einer Wowi-Plattenhalle an der Havemannstraße. Der Verein hat sich stabilisiert. Rund?50 Athleten (auch weiblich), darunter Polen, Ukrainer und Franzosen, trainieren regelmäßig, unterstützt von Bleck sowie Erik Zörner und Karl-Heinz Brummack. „Ziel ist es, Jungs von der Straße zu holen und ihnen eine sinnvolle Freizeit zu bieten“, macht Bleck die Hauptrichtung deutlich. „Der Breitensport, das Fitnessprogramm hat Vorrang.“ Gut entwickelt habe sich die „zwölf Mann starke Gruppe mit Angestellten von Sparkasse und First Solar, die alle um die 30 Jahre alt sind“.

Klar, zum Profi-Abend mit denWM-Titelverteidigerinnen Susi Kentikian und Christina Hammer am Freitag in der Brandenburg-Halle wird er als Zuschauer dabei sein. „Solch einen Höhepunkt in der Stadt darf man sich als Boxtrainer nicht entgehen lassen, zumal man sicher viele alte Bekannte aus dem Metier trifft. Ich möchte live sehen, was die Damen und Herren im Ring anzubieten haben. Besonders gespannt bin ich auf die schnelle, explosive Killer-Queen Kentikian.“

Obwohl nicht mehr eng mit dem leistungsorientierten Boxen verbandelt, verfolgt Bleck natürlich auch interessiert die Amateur-Szenerie. Gespannt ist er auf die Reaktionen des DBV und der Vereine hinsichtlich des neuen AIBA-Punktsystems. Danach wird es keine so genannten Fußball-Ergebnisse von 2:1 oder 3:2 mehr geben. Demnach wird der Kämpfer von den Punktrichtern belohnt, der viel schlägt, viele Aktionen bringt.

„Schon bei der EM in Ankara und bei der jüngsten WM in Baku hat man aus diesem Grunde attraktives, spektakuläres Amateurboxen erlebt“, urteilt der Fachmann. „Nicht mehr allein die klaren Treffer sind entscheidend“, schlussfolgert Bleck. „Das größere Risiko, mehr Aktionsdichte und eine höhere Schlagfrequenz sind also gefordert und werden gegenüber dem abwartenden, zögerlichen und lange in Doppeldeckung stehenden Athleten ein klares Punkte-Plus ergeben.“ Auch darüber lohne der Disput mit Trainerkollegen, zumaldas deutsche olympische Boxen im Mittelmaß zu versinken drohe. „Schwarz-Rot-Gold spielt im internationalen Konzert nur noch die graue Maus.“

Klar, das ärgert ihn – auch heute am 70. Geburtstag.

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Ring 18.10.2011 - 17:03:01

Glückwunsch

Dem Trainer Bleck kann man nur zum 70.gratulieren. Eine tolle Arbeit im Sport und auch besonders im Boxssport. Die Zeilen zu Manfred Wolke hätte man sich im Artikel sparen können. Keine feine Art des Umgangs!

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