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Begleitausschuss lehnt Antrag aus Beeskow ab / Stadt will trotzdem das Millionenprojekt nicht aufgeben

Kunstarchiv erhält kein Fördergeld

Ruth Buder / 20.10.2011, 07:59 Uhr
Beeskow (MOZ) Die Förderung für das neue Kunstarchiv auf der Burg Beeskow ist abgelehnt worden. Das teilte gestern Abend das Potsdamer Wirtschaftsministerium Oder-Spree-Journal mit.

Die Nachricht war zunächst per Telefon durchgesickert – aus Gubin. Dort hatte der Begleitausschuss zur EU Förderung Interreg IV A“ mit Vertretern der Wojewodschaft Lubuski und dem Land Brandenburg bereits seit Dienstag getagt. Mit Spannung war das Ergebnis gestern in Beeskow erwartet worden, bis zum Abend lag allerdings keine schriftliche Erklärung vor. Deshalb ist auch nicht bekannt, warum der Archivneubau „zur nachhaltigen Entwicklung der grenzüberschreitenden Potenziale des Kunstarchivs Beeskow“ ablehnend bewertet wurde und ob es noch Chancen für einen Neuantrag gibt.

Bürgermeiser Frank Steffen wollte aber noch keinen Kommentar abgeben, solange ihm keine schriftliche Stellungnahme des Begleitausschusses vorliegt. Schon im Mai hatte dieser den Förderantrag auf dem Tisch, damals war er aus Zeitgründen nicht behandelt worden.

Mit 390 000 Euro ist die Stadt in Vorleistung gegangen, denn wer Fördermittel haben möchte, muss dies tun und entsprechende Unterlagen einreichen. Steffen findet nicht, dass das Geld in den Sand gesetzt ist: „Wir werden nach anderen Fördermöglichkeiten suchen.“

Rund 23 000 Kunstwerke aus DDR-Zeiten lagern auf der Burg, „in einem unhaltbaren Zustand“, wie es Burgdirektor Tilman Schladebach einmal formulierte. Mit dem Neubau hätte die Sammlung und auch die wissenschaftliche Aufarbeitung erweitert werden können, denn es war geplant die West-Berliner Artothek und das Gorzower Muzeum Lubuskie mit ins Boot zu nehmen. Ein einmaliges länderübergreifendes Projekt, in denen unterschiedliche Kunstauffassungen wissenschaftlich hätten aufgearbeitet werden können, sollte zustande kommen.

Die Stadt Beeskow als Eigentümerin der Burg hat viel Mut und Risikobereitschaft beweisen. Schon vor zwei Jahren hat sie damit begonnen, die Weichen für das neue Kunstarchiv zu stellen. Noch unter Bürgermeister Fritz Taschenberger hatte die Mehrheit der Stadtverordneten dafür votiert, die Planungsleistungen auszuschreiben. Ende 2009 wurde das Berliner Architektenbüro „phase eins“ beauftragt, die öffentliche Auslobung anzuschieben und zu begleiten. Im Februar 2010 erhielten 15 Architekturbüros, die nach einer europaweiten Ausschreibung in die engere Wahl gekommen waren, die konkrete Aufgabenstellung. Die Schwierigkeit bestand darin, eine bauliche Verbindung zwischen Tradition und Moderne, in der die Proportionen nicht gesprengt werden zu schaffen, und für das Kunstarchiv eine Heimstatt aufzubauen, in der die Kunstwerke optimal lagern können, wo wissenschaftliche Arbeit, Ausstellungen und Begegnungen stattfinden können. Ende Mai 2010 hatten die Architekturbüros ihre Arbeiten eingereicht, am 22. Juni wählte das Preisgericht – einstimmig – den Gewinner-Entwurf. Er stammte von dem Berliner Architektenbüro Max Dudler. Der mehrgeschossige Koloss mit dem eine Lücke in der Burgmauer geschlossen werden soll, erfüllt die Vorgabe der Denkmalschützer, den „wehrhaften Charakter“ der Burg zu erhalten. Die Kosten wurden damals auf sieben bis zehn Millionen Euro geschätzt.

Vor einem Jahr hat die Stadt den Förderantrag eingereicht, ihn mehrfach überarbeiten müssen. Soll jetzt alles umsonst gewesen sein?

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