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Schinkels Grabstätte sieht wieder aus wie vor 170 Jahren

Das restaurierte Grab: Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof sind viele bedeutende Persönlichkeiten begraben.
Das restaurierte Grab: Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof sind viele bedeutende Persönlichkeiten begraben. © Foto: dpa
Harriet Stürmer / 20.10.2011, 23:30 Uhr
Berlin (MOZ) Als bescheiden und zurückhaltend galt Karl Friedrich Schinkel (1781 bis 1841). Und so passt es gut zum Wesen des berühmten preußischen Baumeisters, dass auch sein klassizistisches Grabmal schlicht gestaltet ist. Ihm zu Ehren wurde kein prachtvolles Mausoleum errichtet, wie es sie in der Nachbarschaft auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Mitte für viele Persönlichkeiten gibt. Im Gegenteil. Eine schmale und 2,60 Meter hohe Stele nach antikem Vorbild steht über der Gruft, ein gusseiserner Gitterzaun mit kunstvollen Ornamenten fasst die rechteckig angelegte Grabstätte ein.

In den vergangenen sechs Monaten wurde das stark beschädigte Grabmal vor dem Verfall gerettet und wieder annähernd in den Zustand versetzt, wie es einst Schinkels Freunde zwei Jahre nach dessen Tod für ihn errichten ließen. Die Kosten damals: 2138 Taler, 27 Groschen und zwei Pfennige. Die originalgetreue Restaurierung anlässlich des 230. Geburtstages und 170. Todestages Schinkels kostete 50 000 Euro. Dank Spenden gelang es der Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft, die Hälfte der Kosten zu tragen. Den anderen Teil übernahm das Landesdenkmalamt.

Bevor die Arbeiten an der letzten Ruhestätte des gebürtigen Neuruppiners im April beginnen konnten, waren intensive Forschungen zum Originalzustand der Anlage notwendig, erklärte Architekt Diether Kinzel gestern bei der feierlichen Übergabe der Grabstätte. Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Hinweise auf Verluste etwa durch Diebstahl und Vandalismus gegeben. Restauratoren hinterließen ihrerseits Spuren.

Eine Bauakte aber, die über die Pläne und frühere Gestaltung hätte Auskunft geben können, war nicht auffindbar. „Was und wie viel noch originalgetreu erhalten geblieben war, war vor drei Jahren bei Beginn meiner Forschungen völlig offen“, erklärte Kinzel. Dem Mitglied der Schinkel-Gesellschaft gelang es schließlich, die originalen Entwürfe für das Denkmal und die Gruft ausfindig zu machen. Mithilfe alter Dokumente und Fotografien entstand nach und nach ein Bild des Originals.

Lange Zeit war etwa die Frage offen, welche Farbe der Zaun ursprünglich hatte. Winzige Farbspuren, die trotz früherer Überarbeitungen erhalten geblieben waren, gaben schließlich Aufschluss.

Während ihrer Recherchen förderte die Schinkel-Gesellschaft noch weitere unbekannte Details zutage. Laut dem Vereinsvorsitzenden Peter Möbius deutete zum Beispiel jahrzehntelang nichts darauf hin, dass Susanne Schinkel, die Frau des Baumeisters, vor 150 Jahren neben ihrem Mann beerdigt wurde. An sie erinnert nun ein Liegestein mit goldener Beschriftung, der aus demselben Bornholmer Granit gemetzt wurde wie die Stele für Schinkel.

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