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Ausstellung erweckt DDR-Kultwerbefigur Minol-Pirol zu neuem Leben

Die Figur Minol Pirol aus der Werbeserie "Minol Pirol" (1960-1970)
Die Figur Minol Pirol aus der Werbeserie "Minol Pirol" (1960-1970) © Foto: dapd
21.10.2011, 15:12 Uhr
Dresden (dapd) "Stets dienstbereit zu Ihrem Wohl, ist immer der Minol-Pirol" - Dieser Spruch verhalf einer kleinen lustigen Werbefigur in der DDR zu Kultstatus. Von 1960 bis 1970 flimmerte der Minol-Pirol für den staatlichen Benzin- und Gas-Versorger Minol über die ostdeutschen Bildschirme. Jetzt zeigt eine Sonderausstellung in Dresden die skurrile Puppe sowie knapp 100 weitere Exponate, die vom Trickfilmregisseur Peter Blümel in Szene gesetzt wurden oder eng mit ihm verknüpft sind.

Die Schau in den Technischen Sammlungen Dresden weckt lustige Erinnerungen. Hinter Glasvitrinen sind Szenen des Minol-Pirol, des Sandmännchens oder der "Spielzeugkiste" mit Heiner dem Bären oder Kaspar nachgestellt. "Als 1974 die Werbung im Fernsehen weitgehend abgeschafft wurde, kam ich zum Kinderprogramm", sagt Peter Blümel. Dass viele Figuren populär wurden, er aber stets im Hintergrund blieb, habe ihn nie gestört, schildert der 77-jährige Potsdamer bescheiden.

Die Schau ist Blümel gewidmet. Neben den Puppen sind auch viele seiner Ideenskizzen, Zeichnungen und Grafiken ausgestellt. Beim Filmunternehmen DEFA hatte Blümel 1957 als Assistent angefangen. Nach einem Grafikstudium stieg er in die unterentwickelte Werbefilm-Branche ein und drehte beispielsweise Spots zum Moped SR2, das schnell als "Hühnerschreck" verspottet wurde. Grund für den Spitznamen war das laute Knattern des Motors, das Tiere und Passanten aufschreckte.

"Damals gab es Informationslücken zwischen Wirtschaft und Kunden", erinnert sich Blümel. Auch der Tankstellenbetreiber Minol suchte neue Werbemöglichkeiten, um seine Produkte besser zu bewerben. Fündig wurde der Staatskonzern beim TV-Format "Tausend Tele Tips", einer Werbereihe im Vorabendprogramm. 30 Episoden drehte Blümel mit dem Minol-Pirol, der halb Vogel und halb Ölkanne war. Blümel schrieb Drehbücher, führte Regie und animierte die Figuren für die 45-Sekunden-Spots, die jedes Mal mit einem gereimten Sprüchlein endeten: "Den Tele Tip, der helfen soll, gab ihnen der Minol-Pirol".

"Die Werbung war kurz, prägnant und sehr beliebt", sagt der Kurator der Ausstellung, Volker Petzold. Blümels spätere Arbeit fürs Kinderfernsehen sei ebenfalls sehr erfolgreich gewesen. "Dennoch stand Peter Blümel eher in der zweiten Reihe der öffentlichen Wahrnehmung." In der ersten Reihe waren Leute wie Gerhard Behrendt, der Erfinder des Sandmännchens. Behrendt holte Blümel an seine Seite. Zusammen verhalfen sie dem Sandmännchen zu großer Beliebtheit. Behrendt drehte die Sandmann-Szenen, Blümel die Filme zwischendrin.

"Spaß gemacht hat mir alles", sagt Blümel, "aber am erfolgreichsten war wohl der Minol-Pirol". Viele der Exponate stammen aus seinem Privatarchiv. Einige Werke bekamen die Kuratoren als Leihgaben vom Deutschen Rundfunkarchiv und der Sandmannstudio Trickfilm GmbH. Initiiert wurde die Schau vom Deutschen Institut für Animationsfilm, das sich unter anderem die wissenschaftliche Aufarbeitung des DDR-Trickfilms zur Aufgabe gemacht hat.

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