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Immer mehr Gegenwind

Einschnitt in die Kulturlandschaft? Die Gegner weiterer Windkraft-Eignungsgebiete argumentieren, dass die Region bereits einen hohen Beitrag zur Energiewende in Deutschland leistet
Einschnitt in die Kulturlandschaft? Die Gegner weiterer Windkraft-Eignungsgebiete argumentieren, dass die Region bereits einen hohen Beitrag zur Energiewende in Deutschland leistet © Foto: MZV/Ellfeldt
Judith Melzer-Voigt / 10.10.2014, 20:08 Uhr
Protzen (MZV) Der Widerstand gegen neue Windräder in Ostprignitz-Ruppin wird immer stärker: Nachdem die Temnitzer bereits eine Bürgerinitiative (BI) gegründet haben, wollen sich nun Menschen in Protzen und Stöffin anschließen.

Obwohl es kaum Werbung für die Einwohnerversammlung gab, war der Raum im Protzener Gutshaus am Donnerstagabend gut gefüllt. Einige Menschen aus Protzen hatten zu einer Info-Veranstaltung zur Windenergie eingeladen. Hintergrund ist, dass ein Windkraft-Eignungsgebiet zwischen Protzen und Stöffin ausgewiesen werden könnte. Zu Gast waren Vertreter der Bürgerinitiative "Keine neuen Windräder in der Temnitz-Region". Auch die Temnitzqueller Gemeindevertreter Charis Riemer und Johannes Oblaski waren nach Protzen gekommen, um über die Hintergründe der Regionalplanung aufzuklären.

Das Areal, das nahe Stöffin entstehen könnte, wäre 251,9 Hektar groß. Bereits jetzt sammeln die Protzener Unterschriften gegen diesen Plan. "Wir sind uns einig: Wir sind für erneuerbare Energien, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen", sagte der Protzener Dieter Sarnow, der auch Gemeindevertreter in Fehrbellin ist. "Als einzelner Bürger kann man aber nichts machen." Sarnow hat bereits Kontakt zum Neuruppiner Modellsportverein aufgenommen. Der Grund: Dieser betreibt genau zwischen Protzen und Stöffin eine Fluganlage, für die es auch eine Dauergenehmigung gibt. Diese legt fest, dass den Fliegern ein Areal von 450 Metern zur Verfügung stehen muss, in das kein Rotorblatt hineinragt. "Darüber sollten wir uns verständigen", sagte Sarnow, der in diesem Fakt eine Chance für die Windrad-Gegner sieht.

Auch mit der Unteren Naturschutzbehörde hat der Gemeindevertreter bereits gesprochen. "Was ebenfalls zählt, sind die Tiere, die in der Gegend leben", sagte er. "Wir haben dort Kleinbiotope und Sölle." Er schlug vor, ein ornithologisches Gutachten anfertigen zu lassen. "Das könnten wir für 2015 vielleicht in den Fehrbelliner Haushaltsplan aufnehmen."

Ziel sei es außerdem, demnächste eine eigene Bürgerinitiative zu gründen, so Sarnow. Ulrich Dressel von der Temnitzer BI schlug vor zusammenzuarbeiten. "Wir wollen die gesamte Region von Dammkrug bis nach Ganzer entlang der Luchkante freihalten von Windrädern", erklärte er. "Das ist eine historische Kulturlandschaft, die erhalten werden muss."

Dass die Bereitschaft bei den Menschen in Protzen und Stöffin da ist, sich gegen neue Windräder zu engagieren, wurde im Laufe des Abends klar. Listen gingen durch die Reihen, auf denen sich potenzielle BI-Mitstreiter eintragen konnten. Außerdem soll die Idee in die einzelnen Dörfer getragen werden, so dass noch mehr Interessierte gewonnen werden. Eine enge Zusammenarbeit mit der BI aus Temnitz wurde ebenfalls befürwortet: "Wir müssen uns später schon irgendwie zusammentun, im ganzen Bereich, von Dorf zu Dorf", sagte beispielsweise Bettina Buran aus Protzen.

Dass die Protzener mit ihrer BI-Gründung nicht allzu lange warten sollten, machte Johannes Oblaski klar. "Die Zeit rennt uns weg", sagte er. Bereits im Frühjahr könnte ein neuer Regionalplan vorgestellt werden, in dem Windkraft-Eignungsgebiete ausgewiesen werden. Oblaski schlug vor, dass in der Gemeinde Fehrbellin ein Windenergie-Ausschuss entsteht, wie es ihn in Temnitzquell bereits gibt. Dort könnten neben Abgeordneten auch BI-Mitglieder vertreten sein.

Auch Fehrbellins Bürgermeisterin Ute Behnicke war am Donnerstag vor Ort. Sie gab bekannt, dass sich die Gemeindevertreter am kommenden Donnerstag, 16. Oktober, ab 19 Uhr während ihrer Sitzung im Ratssaal mit dem Thema Windkraft beschäftigen werden. Regionalplaner Ansgar Kuschel wird dann vor Ort sein und über den Sachstand der Regionalplanung berichten. "Und es wäre prima, wenn wir da etwas Publikum hätten", so Behnicke.

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