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Henry Maske: Schmerzvoller Abschied von der Box-Bühne

© Foto: Winfried Mausolf
Jürgen Leibner / 22.11.2011, 23:08 Uhr
Köln (MOZ) Es sollte die Krönung seiner großartigen Karriere werden – doch es wurde seine größte Enttäuschung. Heute vor genau 15 Jahren, am 23. November 1996, verlor Henry Maske in der Münchner Olympiahalle gegen den?US-Amerikaner Virgil Hill nicht nur den Titel als Box-Welt-?meister. Es war zugleich die erste Niederlage des Olympiasiegers als Profi – und das in seinem letzten Kampf.

Die Szenerie wirkte irgendwie unwirklich. Henry Maske, in elf WM-Kämpfen zuvor stets der umjubelte Triumphator, hockte zusammengekauert in der Ringmitte. Sein eigens für dieses finale Duell von Playboy Gunter Sachs entworfener Mantel bedeckte den Boden. Der Blick des „Gentleman“ ging ins Leere, mit den Fingerspitzen berührte er zum vorerst letzten Mal die Bretter, die sein Leben bis dahin beherrscht hatten.

Henry Maske hatte den vermeintlich letzten Kampf seiner Karriere gegen Virgil Hill verloren. Der Plan, als ungeschlagener Champion in die Annalen einzugehen, hatte sich für den Schützling des Frankfurter Trainers Manfred Wolke in den zwölf Runden zuvor in Luft aufgelöst. 17,5 Millionen Zuschauer an den Bildschirmen litten in dieser Nacht mit ihrem Idol, Tränen flossen reichlich.

„Ich kann gar nicht glauben, dass das alles schon 15 Jahre her sein soll“, sagt Henry Maske. Die Ereignisse von damals, der ganz Hype um den Kampf haben sich tief ins Gedächtnis eingebrannt, sind immer noch gegenwärtig. „Das werde ich nie vergessen.“ Die Niederlage, auch wenn sie mit 1:2-Richterstimmen denkbar knapp ausfiel, ebenfalls nicht. Für Maske, den Perfektionisten im Ring, wird sie stets als ein Makel auf seiner Karriere lasten. „Eine Niederlage ist eine Niederlage. Da gibt es nichts zu beschönigen.“

Trotzdem möchte er keinen Tag seiner 26 Jahre im Boxring missen. „Die Zeit hat mich unwahrscheinlich geprägt. Als?Boxer wirst du tagtäglich gefordert“, blickt Maske zurück. „Entschlossenheit, Durchsetzungs-?vermögen, Kampfkraft, positives Denken, der Drang, immer besser zu werden, für sich selbst Verantwortung übernehmen – das sind Eigenschaften, die man auch im Leben nach dem Sport braucht.“

Als Betreiber von zehn McDonalds-Filialen in Leverkusen, Bergisch Gladbach und Köln hat sich der mittlerweile 47-Jährige – etwas respektlos gesagt – zum „Boulettenkönig vom Rhein“ entwickelt, ist für 400 Mitarbeiter verantwortlich.Darüber hinaus engagiert sich der Ex-Profi seit zwölf Jahren mit dem von ihm gegründeten „Henry Maske Fonds“ für benachteiligte Jugendliche. Sein Projekt in Mötzow am Beetzsee bei Brandenburg ist deutschlandweit bekannt. „In diesem Jahr haben wir in der Ferienzeit?380 Jugendliche betreut. Im nächsten werden es 500 sein“, berichtet der gebürtige Brandenburger nicht ohne Stolz.

Dass er 2006, allen Kritikern zum Trotz, noch einmal die Boxhandschuhe – zur siegreichen, sportlich allerdings bedeutungslosen – Revanche gegen Virgil Hill überstreifte, hat Maske nie bereut. „Das war eine richtig geile Nummer“, sagt er ungewohnt euphorisch. Irgendwann wird der Ex-Boxer, der mit seiner zweiten Ehefrau Manuela und den Töchtern Lina (21) und Sara (18) in Overath bei Köln zu Hause ist, seinen Enkeln davon erzählen. Und ganz gewiss auch von jener Nacht im November 1996 in München.

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