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Hollywood-Star dreht in Finowfurt / TU 134 vom Luftfahrtmuseum hebt für Bestseller-Adaption „Wolkenatlas“ ab

Als Tom Hanks im Flugzeug saß

Ellen Werner / 24.11.2011, 05:17 Uhr
Finowfurt (MOZ) Nur ein paar Stunden war der Superstar da. Und die Gastgeber hielten vertragsgemäß dicht. So verpassten Schaulustige den Finowfurter Drehtag für den teuersten deutschen Kinofilm „Cloud Atlas“. Und natürlich Oscar-Preisträger Tom Hanks, der die Hauptrolle spielt.

Es ist der 38. Drehtag. Aufgebaut hat das Filmteam schon ein paar Tage lang. Montag, 17 Uhr dann: Tom Hanks fährt vor. „Mit einem großen amerikanischen Schlitten“, sagt Gastgeber Klaus-Peter Kobbe.

Hanks steigt aus, verschwindet in einem luxuriösen Wohnwagen. Der 55-Jährige wird geschminkt. Bodyguards passen auf, dass niemand dem Raum für die Maske zu nahe kommt. Danach steigt der Hollywood-Schauspieler um: in eine Tupolew TU 134. Das Museumsstück war ursprünglich eine Maschine der DDR-Fluggesellschaft Interflug.

Im Film, ist zu vermuten, ?hebt sie ab. Was später in Finowfurt passiert, bleibt aber weitgehend im Dunkeln. Fotos des Weltstars dürfen auf dem Gelände des Luftfahrtmuseums nicht geschossen werden.

„Ich habe ihn nur draußen kurz auf dem Monitor gesehen“, sagt selbst Museumschef Kobbe. „Er war also da. Das war schon ein tolles Erlebnis“, bleibt ihm noch an Begeisterung über die Stippvisite von Tom Hanks.Nachts um drei ist am Flugplatz alles wieder vorbei. „Cloud Atlas“ („Wolkenatlas“) heißt das Werk, das bereits im Oktober 2012 in die Kinos kommen soll. Regie führt Tom Tykwer („Das Parfüm“) – gemeinsam mit den Erfindern der „Matrix“-Trilogie Andy und Lana Wachowski. Die Geschwister haben übrigens schon einmal in der Region die Kamera draufgehalten. Als einer der vielen „Matrix“-Drehorte hielt kurz das Kloster Chorin her.

Dort wie jetzt auch in Finowfurt waren die Dreharbeiten strengster Geheimhaltung unterworfen. „Wir haben unterschrieben, dass wir vorher nicht darüber reden“, sagt Klaus-Peter Kobbe.

Bekannt ist die Vorlage. „Der Wolkenatlas“ von David Mitchell ist ein Bestseller. Weit in die Zukunft, bis 2500, reicht die Geschichte. Im Jahr 1820 nimmt sie ihren Anfang. Im Mittelpunkt des Films, so wird der Inhalt gern zusammengefasst, steht eine Kettenreaktion, die von einer menschlichen Entscheidung im 19. Jahrhundert auf dem Pazifischen Ozean ausgelöst wird – mit ungeahnten Folgen.

Hochehrgeizig ist das ganze Projekt, nicht nur, weil es Geschichten aus sieben Jahrhunderten ineinander verschachtelt. Es wird der teuerste deutsche Film, den es bisher gab. Mit 100 Millionen Euro werden die Produktionskosten veranschlagt. Trotz Hollywoodstar-Aufgebot – neben Hanks stehen allen voran Halle Berry, aber auch Hugh Grant, Susan Sarandon und Jim Sturgess vor der Kamera – ist es eine rein deutsche Produktion. Gedreht wurde bisher unter anderem in Schottland, auf Mallorca und in der Sächsischen Schweiz und in Berlin. Zu 80 Prozent soll der Film aber in der Region Berlin-Brandenburg entstehen.

Ein Mörder erweist sich als Retter der Menschheit. Tom Hanks? In Finowfurt, so gehen die Erzählungen, war er kaum zu erkennen, trug offenbar eine Perücke. Wer aus dem Starensemble ihn ans Set begleitet hat, soll unbekannt bleiben. Darauf, dass keine „Drumheruminfos“ nach draußen dringen, achtet auch die Presseagentur, die die Filmer betreut. Sie bittet um Verständnis aufgrund des engen Drehplans sowie „der besonderen Drehverhältnisse“. Bemerkenswert, meint Museumsleiter Kobbe, war schon die Entourage. Die Lkw-Züge, die am einstigen Flugplatz mit Energieblöcken, Toilettenwagen, Filmimbiss anrollten, dazu Komparsen im Bus. Alle zusammen 250 Leute, schätzt Kobbe. „Und das war hier wohl noch ein kleineres Team.“

Erste Zeichen, dass der große Dreh das Luftfahrtmuseum streifen könnte, erhielt er bereits im Frühjahr. Im Laufe der Monate gingen die Verhandlungen hin und her. „Vor vier Wochen kam auf einmal das Signal.“

Die TU 134, die außen noch vom Film „Westflug“ den Schriftzug „Polish Airlines“ trägt und schon mehrfach für Filmzwecke genutzt wurde, bekam innen neue Teppiche und neue Lätzchen an den Kopfstützen. Das alles könnte, wie man hört, im Film in die Luft gehen.

Erstmals hatte die Filmbranche vor einigen Jahren für den Film „Stalingrad“ Interesse am Luftfahrtmuseum gezeigt. Damals wurden Filmobjekte außer Haus geschafft. Inzwischen sind aber auch der Drehort und die Fachberatung der Museumsleute gefragt. Erst im August drehte ein junger Regisseur für einen Film mit dem Arbeitstitel „Kunduz“. Und auch der Leander-Haußmann-Streifen „Hotel Lux“ ist teilweise auf dem Museumsgelände entstanden. „Dafür haben wir einen neuen Rumpf für ein Flugzeug der 40er Jahre gebaut“, so Kobbe.

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Murdi 24.11.2011 - 17:52:33

falsch recherchiert!

... Die Geschwister haben übrigens schon einmal in der Region die Kamera draufgehalten. Als einer der vielen „Matrix“-Drehorte hielt kurz das Kloster Chorin her. ... Das Kloster Chorin war für den Film "V wie Vendetta" in einer Einstellung zu sehen. Und das Drehbuch dafür stammte von den Wachowski-Brüdern. In den Matrix Filmen ist nix vom Kloster Chorin zu sehen!

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