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Peter Rossa appelliert bei Erörterungstermin zu Broilermastanlage an Landwirt Leupelt, Vorhaben zu überdenken

„Verantwortungslosigkeit der Politik“

© Foto: ddp
Sabine Steinbeiß / 29.11.2011, 19:17 Uhr
Wriezen (MOZ) Die Einwendungen gegen die geplante Broilermastanlage mit insgesamt 84 000 Tierplätzen in Altwriezen sind am Dienstag im Rathaus erörtert worden. Dazu kamen Anwohner, Behörden und Landwirt Christian Leupelt zusammen. Um die Baupläne gibt es seit Monaten Diskussionen.

Bis auf den letzten Platz füllt sich gestern Vormittag der Rathaussaal. Die Stühle sind mit Zetteln belegt: Einwender, Behörden, Antragstellerin, Öffentlichkeit. Es geht um den geplanten Bau der Broilermastanlage auf der Gemarkung von Altwriezen. Dies sorgt schon seit Monaten für heftige Diskussionen.

„Der Erörterungstermin ist Bestandteil der Sachverhaltsermittlung der Behörde“, erklärt Kerstin Tschiedel den Grund des Zusammentreffens. Die Referatsleiterin der Genehmigungsverfahrensstelle Ost des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, agiert als Verhandlungsführerin. Der Sinn eines Erörterungstermins bestehe jedoch nicht darin, abschließende Entscheidungen zu treffen. „Es muss auch keine Einigung über kontroverse Auffassungen erzielt werden“, betont die Moderatorin.

Die Beteiligten müssen sich mit 77 Einwendungen auseinandersetzen. „Darüber hinaus gab es 13 weitere Einwendungen, die nicht in der vorgegebenen Frist eingereicht wurden und somit unbeachtlich sind“, sagt Bertram Kahlisch, Mitarbeiter der Genehmigungsverfahrensstelle Ost. Bei der Vorbereitung der Marathonsitzung wurden die Einwendungen zu neun thematischen Blöcken zusammengefasst, die nacheinander abgearbeitet werden.

Axel Klahn, stellvertretender Leiter des Ingenieurbüros Wilfried Eckhof aus Ahrensfelde, erläutert das Vorhaben des Landwirtes Christian Leupelt. „Geplant sind zwei Ställe mit den Ausmaßen 90 mal 20 Meter, und einem Verbinderbau. Hinzu kommen vier Futtermischsilos und ein Kadaverplatz. Die Anlage wird vom Investor verkehrstechnisch erschlossen“, sagte der Leiter Fachbereich Tierhaltung.

Peter Rossa aus Altmädewitz appelliert anschließend an den Antragsteller. „Wir wissen, dass der Verhandlungsversuch wenig Erfolg haben wird, aber überdenken Sie Ihren Antrag.“ Kerstin Tschiedel verweist darauf, dass sich niemand moralisch äußern müsse, wenn er das nicht möchte. Christian Leupelt schüttelt verneinend mit dem Kopf.

Die Erörterung beginnt mit dem Thema Genehmigungsverfahren. Während die Einwender auf ein Raumordnungsverfahren und damit eine Betrachtung in Gesamtheit pochen, verweisen Helmar Hentschke, Rechtsanwalt von Christian Leupelt, und Bertram Kahlisch auf die bestehenden Gesetzlichkeiten.

„Die Häufung von Massentierhaltung ist doch auffällig“, sagt Regine Kühmstedt aus Alt­wriezen. Sie zählt 60 000 Enten, 6000 Schweine, 1700 Rinder rund um den Wriezener Ortsteil auf. „Jetzt sollen noch 150 000 Hähnchen in Neumädewitz und 84 000 in Altwriezen dazukommen.“ Regine Kühmstedt fühlt sich von der Stadt Wriezen im Stich gelassen. „Uns wird einfach die nächste Anlage vor die Nase gesetzt“, so die Altwriezenerin.

Rechtsanwalt Hentschke verweist darauf, dass die Stadt steuernd eingreifen könnte, aber für die Anlage seines Mandanten gebe es eine Zustimmung. Axel Persiel fordert mehr von der Oderbruchstadt. „Die Gemeinde unterschätzt ihre Mittel“, betont der Altwriezener.

Die Bewohner aus Mädewitz, Altwriezen, Altwustrow und Altreetz verweisen auch auf die Hochwassergefahr in diesem Gebiet. „Das Oderbruch ist kein ausgewiesenes Hochwassergebiet. Die Risikogebiete sollen bis Ende 2013 ausgewiesen werden“, sagt Gabriele Menzel, Mitarbeiterin der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Märkisch-Oderland. „Dann warten wir halt so lange“, rutscht es Peter Rossa heraus. Er spricht von der „Verantwortungslosigkeit der Politik“.

Auch die angedachte Zufahrt, der Lärm und vieles mehr sorgen für Diskussionen. Während die Einwender ihre Sorgen vortragen, versuchen die Vertreter der Behörde und der Antragstellerin die Fragen zu beantworten. Die Marathonsitzung endete erst am Nachmittag.

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Tigerlilie 03.01.2012 - 23:29:26

verantwortungslosigkeit der Politik

wenn man sich bemüht einen Kommentar zu schreiben, würde ich es als höflich erachten, wenn irgendjemand sich dieser Kommentare annimmt, wozu sollte man ansonsten Kommentare schreiben? Oder steckt dort eine Portion Arroganz dahinter?

Tigerlilie 30.11.2011 - 19:33:43

"verantwortungslosigkeit in der Politik"

Gerne wäre ich zu der Veranstaltung erschienen, erfuhr jedoch erst zur morgendlichen Vorlesung in der Morgenrunde der Seniorenstiftung Bad Freienwalde, von dieser unheilvollen Entwicklung und habe mich gefragt, was die ethische Haltung zu unseren Mitgeschöpfen, mit Politik zu tun hat. Es liegt in unser aller Verantwortung zu verhindern, das wir immer weiter Raubbau auf Kosten von Natur und Umwelt zum Nutzen Einzelner und des Profites, hinnehmen müssen. Die Massentierhaltung ist unethisch und für eine Zivilisation bezeichnend, die verroht und unmenschlich mit den ihnen anvertrauten Mitgeschöpfen umgeht. Was ist mit der Bevölkerung los? Nur 77 Menschen haben sich eingefunden? Sicherlich nicht nur wegen der Hähnchen. Da spreche ich doch einmal mit Alexander von Humboldt, einem deutschen Naturforscher:"...Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes." Massentierhaltung ist grausam, grausamer als die Jagd, denn Rehe und Hirsche sind wenigstens frei geboren und können eine gewisse Zeit ihr Leben genießen, bevor sie dann niedergemetzelt werden, von Menschen die Lust am töten empfinden und mit sich und der Umwelt in ständigem Krieg leben. Die Politiker haben in ihren Reihen bis in höchste politische Ämter jegliches Gefühl und Bezug zu ethischen Werten verloren. Deshalb werden sie sich immer für Profit entscheiden und niemals für Ideale. Wir müssen unsere Welt wieder in Ordnung bringen und vor Menschen schützen, wie diese grausamen Landwirte und deren Helfershelfer! Aber ich entdecke nur eine einzige Person, die einen Kommentar hierzu schreibt und deshalb muß ich jetzt PETA, Die GRÜNEN, etc. alarmieren, denn die engagieren sich gerade in Mecklenburg Vorpommern, da treibt auch ein Landwirt die armen Gemeinden zur Weißglut mit seiner Massentierhaltungsabsicht...

Bianca Witt 30.11.2011 - 09:33:10

Gegen industrielle Tierfabriken

"Geplant sind zwei Ställe mit den Ausmaßen 90 mal 20 Meter, und einem Verbinderbau. Hinzu kommen vier Futtermischsilos und ein Kadaverplatz" Kadaverplatz? Es handelt sich um Lebewesen, nicht um Gegenstände. Was für ein abfälliges, würdeloses Wort. Die Tiere sterben und ihre Leichen werden entsorgt. Unsere Gesellschaft ist so was von empathilos und egoistisch, ich kann es kaum glauben. Wann habt Ihr Euer Mitgefühl verloren? Wie könnt Ihr es ethisch vertreten, Tiere in kürzester Zeit wie Ballons aufzupumpen, so dass ihre Beine das Gewicht nicht mehr tragen können, ihnen betäubungslos die empfindlichen Schnäbel abzuschneiden und sie die sechs kurzen Wochen ihres qualvollen Lebens unter Schmerzen dicht gedrängt in dunklen sticken Ställen einzusperren, bis sie milliardenfach im Akkord geschlachtet werden! Wir haben hierzulande ÜBERPRODUKTION, hier wird nur das Brustfleisch gegessen, exportiert werden "minderwertige" Hähnchenteile, die hier nicht gewünscht werden. In Schwellenländern werden mit dem BILLIGexportfleisch die Existenzen zerstört! Außerdem gilt für unser "Vieh" KEIN Gesetz, nur lächerliche "Mindestanforderungen" . Wacht endlich auf und kämpft gegen dieses selbstzerstörerische System, das nur einen Sinn hat: den Tierquälern die Taschen vollzumachen!

Moldawier 30.11.2011 - 07:49:35

Bauen im Hochwassergebiet

Die Einstufung als Hochwassergebiet gilt dann aber nicht nur für diese Anlage, sondern für die diversen anderen Bauvorhaben wie Biogasanlagen und natürlich private Bauvorhaben. Wassergefährdene Stoffe sollten dort nicht zum Einsatz kommen. Ölheizungen und Tankstellen sollten bei solchen Gefahren auch verboten werden. Ein weiteres Argument zur Entsiedelung des Oderbruchs.

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