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Bei Bauarbeiten am Fürstenwalder Bischofsschloss wurden eine alte Bastion und bislang unbekannte Mauern freigelegt

Terrassenblick aufs Mittelalter

Uwe Stemmler / 01.12.2011, 20:28 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Zwar ist sie noch eingerüstet, doch die ehemalige Ruine des Bischofsburg-Gebäudes hat längst ihr Äußeres verändert. Im Mai sollen die Wohnungen und gastronomischen Einrichtungen fertiggestellt sein. Bei den Bauarbeiten sind neben dem Gebäude in den vergangenen Tagen spektakuläre Mauerreste freigelegt worden.

"Der Bau hat uns viele Kopfschmerzen gebracht. Aber es gibt immer wieder Neues und Spannendes. Wir wussten, dass es hier ein Weichhaus gibt, aber dass es solche Ausmaße hat, hätten wir nicht gedacht", sagt Jens-Uwe Schmidt. Der neue Eigentümer des Bischofsschlosses steht mit Tochter Saskia vor einem gut vier Meter tiefen Loch, das eingerahmt ist von mittelalterlichem Gemäuer. Unten auf dem Boden liegt ein Gemenge von Steinen und Erde. Die Wand unter der verputzten Schloss-Fassade, ist eine Mischung aus Ziegeln und Feldsteinen und sieht auf den ersten Blick chaotisch zerklüftet aus.

"Dort wird eine große Glastür ins Innere, in den Gewölbekeller, führen. Davor kommt eine kleine Terrasse. Vielleicht wird noch Licht in die Schießscharten installiert", blickt Jens-Uwe Schmidt in die Zukunft. Und bis zu der ist es gar nicht mehr weit. "Wir wollen im Mai fertig sein. Im Sommer kann man auf der Terrasse sitzen", sagt Saskia Schmidt. Geplant haben sie in dem Gebäude neben Wohnungen für die Familie ein Restaurant, das Schmidts Frau Victoria betreiben wird, sowie ein Fotostudio für die Tochter. Der Schlossherr selbst will vorerst bleiben was er ist, Regierungsdirektor beim Bundespresseamt in Berlin.

Das Baugeschehen weckt nicht nur bei den Schmidts Begeisterung. Auch der Archäologe und Stadtchronist Florian Wilke kommt ins Schwärmen. "Es gibt hier so viele interessante und ungewöhnliche Sachen zu entdecken.", sagt er. Das betrifft das auch das Weichhaus, eine einstige Bastion in der Stadtmauer. Zwei Reihen Schießscharten sind zu sehen. Dazwischen gibt es Löcher in der Mauer, offenbar steckten hier früher Balken für eine Zwischendecke. Von den unteren Schießscharten sieht man nur die Bögen, die Nischen selbst sind von Erde verdeckt. "Das geht bestimmt noch zwei, drei Meter tiefer", sagt Wilke. Der Grund: Außen herum verlief der Stadtgraben, der auf Niveau des Spree-Pegels lag.

Von der einstigen Bischofsburg gibt es nur wenig verwertbare Darstellungen. Einen Lageplan aus dem Jahr 1723. Und ein altes vergilbtes Foto, das entstand bevor der Stadtgraben zugeschüttet wurde. Von dem Bild wusste man, das es ein Weichhaus gab, aber nicht in welch gutem Zustand es heute noch ist. "Zudem kamen jetzt Mauern zum Vorschein, die wir nicht kannten", sagt Wilke. Zum Beispiel eine aus großen Feldsteinen quer zum Hausgiebel, die aus dem 15. Jahrhundert stammt oder noch älter ist. "Eine genaue Einordnung wage ich jetzt noch nicht, darüber muss ich mit den Bauforscher vom Denkmalamt noch diskutieren."

Gesichert ist, das 1352 ein Friedrich von Lochen das Recht erhielt, eine Burg zu errichten. "Er wurde verpflichtet, vorhandene Bauten zu nutzen. Das heißt hier stand schon etwas, vielleicht war es auch nur die alte Stadtmauer", sagt Wilke. 1354 wird Lochens Burg an die Bischöfe von Lebus veräußert. 1858 erwarb Braueigner Jacobs die Burg und baute hier die Schlossbrauerei auf. Dafür brauchte er Baufreiheit und ließ den größten Teil der alten Festung einfach wegsprengen. Deren Hauptgebäude waren eigentlich da, wo heute die Kulturfabrik steht.

Vom Abriss verschont blieb das "Bischofsschloss", das eigentlich ein Nebengebäude der Burg war. Es wurde vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts auf viel älteren Fundamenten, Mauern und Kellern gebaut. "Man entdeckt hier im Untergrund so viele verschiedene Bauphasen", staunt Wilke. "Eine Burg war eben immer eine Baustelle." Und ist es wieder.

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