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Die katholische Kirche in Schönfließ wurde 1994 eingeweiht / Auf einer der Glocken steht noch Stalinstadt

Ein Neubau ersetzte die baufällige Baracke

Stefan Lötsch / 03.12.2011, 07:32 Uhr
Schönfließ (MOZ) Im Advent werden Türen geöffnet. Das Oder-Spree Journal schaut in diesem Jahr in kleine Stadt- und Dorfkirchen und stellt Menschen vor, die sich um die sakralen Gebäude kümmern und sie mit Leben erfüllen. Heute: Schönfließ

Sie liegt etwas abseits, in einer Nebenstraße von Schönfließ. Und doch ist sie nicht zu übersehen, wenn man mit dem Auto auf der B112 nach Eisenhüttenstadt fährt. Dann ragt rechts der hölzerne Kirchturm der katholischen Kirche Heilig Kreuz hervor. Drei Glocken hängen in der hölzernen Konstruktion. Dass auf einer von ihr Stalinstadt steht, deutet darauf hin, dass der Kirchenstandort eine bewegte Geschichte hat.

Mit dem Aufbau von Stalinstadt und dem Werk zogen auch viele Katholiken in die neu entstehende Stadt, weiß Winfried Pohl, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde in Eisenhüttenstadt. Neben dem Gotteshaus in der Wilhelmstraße in Fürstenberg wird ein weiteres Gebäude für die Gottesdienste und Messen in der "Neustadt" notwendig. "1954 wurde der erste Gottesdienst auf einem Grundstück an der Diehloer Straße in der noch nicht fertig gebauten Kirche gefeiert", sagt Winfried Pohl. Doch der Standort wurde wenig später für Wohnbebauung beansprucht. "Nach langen Verhandlungen wurde dann das Grundstück in der Friedensstraße zugewiesen", erzählt der Pfarrer.

Dort stand zunächst jahrelang eine Kirchenbaracke. Im Wendejahr 1990 wurde diese für baufällig erklärt, und es wurde ein Neubau in Angriff genommen. Winfried Pohl, der 1991 nach Eisenhüttenstadt kam, hat den Bau größtenteils miterlebt und mitgestaltet. "Ich habe den Bauauftrag damals übernommen und umgesetzt", erinnert er sich.

Es entstand ein Gotteshaus, das in seinem Inneren durch große Fenster eine helle und warme Atmosphäre verströmt. Dazu trägt auch die Decke bei, die mit hellem Holz verkleidet ist.

Besonders fallen im Altarraum und an den Seitenwänden die Holzarbeiten auf. Sie hat der Eisenhüttenstädter Künstler Karl-Heinz Scharf entworfen und gestaltet. Der Unterbau des Altars zum Beispiel zeigt, geschnitzt in Holz, Weinreben und Ähren als Symbol für Brot und Wein. Beides ist Bestandteil der Eucharistiefeier bzw. des Abendmahls, mit dem nicht nur an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern erinnert, sondern auch die besondere Nähe von Christus zu den Gläubigen vergegenwärtigt wird.

Eindrücklich ist auch der Kreuzweg an den beiden Seitenwänden des Gotteshauses. In 14 Szenen wird der Leidensweg von Jesus von der Verurteilung durch Pontius Pilatus bis zur Kreuzigung dargestellt. In der Gestaltung der Szenen, die aus Buchenholz gearbeitet sind, hat Karl-Heinz Scharf auch immer wieder kritische Zeitbezüge mit eingearbeitet.

Aus der Vorgängerkirche stammen noch die drei Glocken. "Sie wurden schon 1954 angeschafft", weiß Winfried Pohl. "Sie waren ein Geschenk des Bischofs von Eichstädt." Noch heute läuten sie zu Gottesdiensten. Wahrscheinlich auch aus Eichstädt und aus der alten Kirchenbaracke stammt der sogenannte Corpus, der gekreuzigte Christus, des Kreuzes über dem Altar. "Es ist schwierig, die genaue Herkunft zu sagen", erklärt der Pfarrer. Auch wer den emaillierten Hintergrund geschaffen hat, ist nicht bekannt.

Im Dunkeln, was die Herkunft angeht, ist auch die Skulptur, die Maria mit dem Jesuskind zeigt. Sie stand in jedem Fall schon in der Kirchenbaracke. Auf der Empore befindet sich eine elektronische Orgel.

Heute würde man solch einen Kirchenneubau wahrscheinlich nicht mehr in Angriff nehmen. Die Hoffnung, dass mit der Wende das kirchliche und geistliche Leben einen Aufschwung nehmen würde, hat sich nicht nur in der katholischen Kirchengemeinde Eisenhüttenstadt nicht erfüllt. Seit 2007 gehören die beiden katholischen Kirchen in Eisenhüttenstadt zu einer Gemeinde. Das Pfarrhaus in der Friedensstraße wird inzwischen vom Floriansstift genutzt. 750 Katholiken gibt es in Eisenhüttenstadt, für die Winfried Pohl zuständig ist. Gottesdienst und Messen finden in der Friedensstraße nur noch werktags statt. "Zweimal in der Woche haben wir hier Gottesdienst", sagt der Pfarrer.

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