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Besuche auf jüdischem Friedhof in Wriezen und im Berliner Museum geplant / Kontakt mit Künstler Gunter Demnig

Schule startet Projekt Stolpersteine

Sabine Steinbeiß / 09.12.2011, 07:40 Uhr
Wriezen (MOZ) An der Grund- und Oberschule "Salvador Allende" wird ein neues Projekt gestartet. Die Achtklässler wollen sich fächerübergreifend mit der Aktion "Stolpersteine" beschäftigen. Diese soll in einer Verlegung von Gedenktafeln vor den Häusern von Opfern der NS-Zeit münden.

Der Künstler Gunter Demnig aus Frechen (Nordrhein-Westfalen) erinnert seit 2000 an die Opfer der NS-Zeit. Er lässt vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg ein. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas.

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern werde die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst dort wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: "Hier wohnte ..." Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Seine erste Aktion startete der Kunstpädagoge schon zehn Jahre zuvor - zur Erinnerung an die Deportation 1940 von Sinti und Roma aus Köln. Der Entwurf zum Projekt "Stolperstein" folgte drei Jahre später. Im Jahr 1996 verlegte er die ersten Steine in Berlin-Kreuzberg. Die Aktion war damals nicht genehmigt, wurde aber später legalisiert.

Dagmar Bergmann will so etwas auch für Wriezen initiieren. "Hier gab es früher auch jüdisches Leben", betont sie. Die Sozialarbeiterin der Wriezener Allende-Schule stieß mit ihrer Idee auf offene Ohren. Gemeinsam mit Schulleiterin Sybille Fuhge und Lehrerin Marlies Schmeißer wurde ein Projekt erarbeitet. "Das Thema soll fächerübergreifend behandelt werden: in Geschichte, Deutsch und Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, kurz LER genannt", erklärt sie.

Unterstützung bekommen die drei von Erdmute Sasse. Die ehemalige Lehrerin für Geschichte besitzt sehr viel Material über das alte Wriezen und hält auch persönliche Kontakte zu Nachkommen von Überlebenden. "Wir wollen versuchen, mit einigen Kontakt aufzunehmen, ebenso wie zum Stolperstein-Künstler", sagt Dagmar Bergmann. Vielleicht besucht uns jemand hier in Wriezen, hofft das Vorbereitungsteam.

Die Schüler sollen jedoch auch selbst Material über die Opfer der Zeit der Nationalsozialisten sammeln. Dabei soll es auch Besuche im Seniorentreff "Plauderstübchen" geben. "Einige Senioren können sich bestimmt noch an diese Zeit erinnern", sagt die Schulsozialarbeiterin. Außerdem steht ein Besuch auf dem jüdischen Friedhof in Wriezen auf dem Unterrichtsplan. Dieser ist einer der besterhaltenen im Land Brandenburg.

Seit 1677 haben in Wriezen Juden gelebt. Der Friedhof wurde 1730 eingerichtet. Die letzte Beisetzung fand 1940 statt. 131 Grabsteine sind noch heute erhalten. Sie wurden in den 1980er-Jahren sorgfältig renoviert. Diese Informationen haben die Vorbereiterinnen aus dem Buch von Brigitte Heidenhain "Juden in Wriezen - Ihr Leben in der Stadt von 1677 bis 1940". Auch die Buchautorin soll gefragt werden, ob sie an dem Projekt in Wriezen teilnehmen kann.

Da die Achtklässler im Unterricht eigentlich noch nicht den Zweiten Weltkrieg behandeln, werde in das Thema verschiedenartig eingeführt: aber nicht nur mit trockenen Buchseiten, sondern auch mit dem Oscar-prämierten Spielfilm "Schindlers Liste" von Steven Spielberg.

"Wir organisieren auch eine Fahrt ins jüdische Museum nach Berlin", zeigt Dagmar Bergmann auf. Die Achtklässler aus Wriezen werden dort jüdische Lebensgeschichten kennenlernen und die Situation der deutschen Juden in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Das Projekt soll in die Verlegung von Stolpersteinen münden. Die Organisatoren knüpfen derzeit den Kontakt zu Gunter Demnig. Der Bürgermeister der Stadt Wriezen, Uwe Siebert, unterstützt die ganze Aktion. Die Projektbetreuer hoffen, dass im nächsten Jahr die ersten Messingtafeln vor Häusern in der Wilhelmstraße eingelassen werden können.

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