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Bruderkuss im Pferde-Arsch: Schweriner Denkmal birgt Geheimnis

Der Künstler: Bildhauer Peter Lenk provoziert gern.
Der Künstler: Bildhauer Peter Lenk provoziert gern. © Foto: dpa
Iris Leithold / 06.04.2014, 08:52 Uhr
Schwerin (dpa) Die Skulpturen von Peter Lenk sind immer eine Provokation - etwa das Kai-Diekmann-Relief mit Riesen-Penis an der Fassade der "taz" in Berlin. Lenks nördlichstes Werk steht in Schwerin, und birgt ein Geheimnis, das jemand zum Mauerfall-Jubiläum gerne lüften würde.

An den prallen Brüsten der Europa saugen die Politiker. Kanzlerin Merkel spielt zu ihren Füßen mit Panzern, der Stier aus der Sage liegt plattgemacht seitab. Das jüngste Werk des Bildhauers Peter Lenk, im Sommer vorigen Jahres aufgestellt in Radolfzell am Bodensee, ist ein ironischer Blick auf den Zustand des Kontinents und eine Provokation, wie alle seine Arbeiten.

Vorrangig in Süddeutschland gibt es Skulpturen des 66-jährigen Künstlers, auch in Berlin finden sich einige. Für Schlagzeilen sorgte vor einigen Jahren etwa ein Relief an der Fassade des "taz"-Verlagshauses, das den "Bild"-Chef Kai Diekmann mit Riesen-Penis zeigt.

Die nördlichste Lenk-Skulptur im öffentlichen Raum steht in Schwerin. Das Denkmal "Die Spur des Löwen" für den Stadtgründer Heinrich den Löwen (1129-1195) wurde 1995 auf dem Marktplatz enthüllt. Es birgt ein Geheimnis, das mancher gerne lüften würde. Allein - der Künstler blockt ab.

Lange Zeit umstritten, gehört der Löwe auf hohem Sockel heute zu den beliebtesten Treffpunkten in der Stadt. Keine Touristengruppe kann an dem frechen Werk vorbei, ohne vom Stadtführer einen Vortrag zu hören. Das Denkmal zeigt Heinrichs mecklenburgische Eroberung auf Reliefs rund um den Sockel in wenig romantischen Szenen. Protzen, Metzeln, Verklären, so sieht Lenk die Geschichte. Die Untertanen äußern ihre Meinung über den siegreichen Feldherrn auf dem Denkmal eindeutig: Sie zeigen ihm ihre blanken Hintern.

Im Innern des Denkmals hat Lenk eine bislang nicht zu sehende Anspielung auf die jüngere Zeitgeschichte versteckt. Durch ein Loch im Hinterteil von Heinrichs stolzem Pferd könnte man hineinschauen - wenn es nicht verschlossen wäre. Drinnen hat Lenk auf einem Relief den DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker und seinen sowjetischen Zeit- und Amtsgenossen Leonid Breschnew beim berühmt-berüchtigten Bruderkuss dargestellt. Oben ist das Löwendenkmal mit einer vier Zentimeter dicken Panzerglasplatte verschlossen, durch die Licht auf das Relief fällt. "Die Zärtlichkeit der Macht", nennt Lenk es. "Die Macht wird immer von den gleichen Charakteren ausgeübt", sagt er. Das sei unabhängig vom politischen System.

Rudolf Conrades würde zu gerne dieses letzte Geheimnis für die Öffentlichkeit gelüftet sehen. Er war Projektleiter für die 1000-Jahr-Feier Mecklenburgs 1995 in Schwerin und überzeugte seinerzeit die Stadtoberen, Lenk den Auftrag für das Löwendenkmal zu geben. "Das Jahr 25 nach dem Mauerfall wäre ein perfekter Anlass", sagt der 73-Jährige.

Doch der Künstler lehnt ab. Er wolle nicht einseitig Partei ergreifen, sagt er. "Ich hätte auch Helmut Kohl und die damalige Treuhand-Chefin Birgit Breuel nehmen können." Die Treuhand habe in der ostdeutschen Wirtschaft in beispielloser Manier gewildert und die beiden hätten gut ins Löwendenkmal gepasst, meint Lenk. Er habe sich letztlich für Honecker und Breschnew entschieden, weil damals überall im Osten die Denkmäler für die sozialistischen Granden abgerissen wurden. "Ich wollte eine Erinnerung an dieses Stück Geschichte bewahren."

Conrades versucht, den Bildhauer umzustimmen. Doch der bleibt hart: "Der Arsch der deutschen Geschichte bleibt zu." Doch wer sucht, der kann den Schweriner Bruderkuss im Internet finden. Lenk zeigt eine Abbildung des Reliefs auf seiner Seite.

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