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Traum vom Eigenheim bekommt Risse

Neue Freizeitmöglichkeit? Die Regenentwässerung im Wohngebiet soll einwandfrei funktionieren. Trotzdem bilden sich Pfützen.
Neue Freizeitmöglichkeit? Die Regenentwässerung im Wohngebiet soll einwandfrei funktionieren. Trotzdem bilden sich Pfützen. © Foto: MZV/privat
Judith Melzer-Voigt / 12.09.2014, 17:16 Uhr
Fehrbellin (MZV) Im Wohngebiet am Weißdornring in Fehrbellin haben sich viele Familien den lang gehegten - und teuren - Traum vom eigenen Häuschen erfüllt. Doch so richtig zufrieden sind viele Anwohner mit dieser scheinbaren Idylle nicht.

Andreas Amberg war einer der ersten, der dem Wunsch nach einem Zuhause am Weißdornring nachgab. 1996 war das. Ein schickes Haus sollte es sein, mit eigenem Garten, einem kleinen Zaun, einer Auffahrt, einem Gehweg vor der Tür und ein paar Parkbuchten entlang der Straße. Soweit die Vorstellung, denn von Ausfahrten, Gehwegen und Parkbuchten ist bis heute nichts zu sehen - und das, obwohl sowohl Amberg als auch andere Anwohner der Straße davon ausgehen, dass sie schon für den Bau dieser Infrastruktur gezahlt haben. Sie fürchten nun, dass es diese Gehwege und Parkbuchten - ebenso wie eine funktionierende Entwässerung - nie geben wird. Ihre Angst ist, dass sie zweimal für die Vorhaben zahlen müssen, sollte die Gemeinde Fehrbellin das Gebiet sang- und klanglos übernehmen.

Derzeit gehört das Wohngebiet der NIC Immobilien GmbH aus Neuruppin, doch das Gelände hat schon anderen Eigentümern wenig Glück gebracht. Für Planung, Erschließung und Vermarktung war seit 1994 die Brandenburgische Landgesellschaft mbH (BLG) zuständig, die 1996 pleite ging. Es folgten zwei weitere Eigentümer, bevor 2004 die NIC das Areal übernahm - und damit auch "die Verpflichtung gegenüber der Gemeinde Fehrbellin zum Endausbau", wie Rasmus Krebs, Fachgebietsleiter Planung und Entwicklung in der Verwaltung, erklärt. Er stellt aber auch klar, dass im Erschließungsvertrag für das Wohngebiet keine Gehwege und Parkbuchten entlang des Weißdornrings enthalten sind. "Im Übrigen entzieht es sich meiner Kenntnis, für welche Anlagen die Anwohner bereits bezahlt haben", so Krebs. "Dies ergibt sich unter Umständen aus den jeweiligen Grundstückskaufverträgen."

Die Anwohner indes sind überzeugt davon, die Kosten für diese Leistungen bereits übernommen zu haben. Das machte auch ein Dutzend von ihnen während der jüngsten Sitzung der Fehrbelliner Gemeindevertreter deutlich. Sie fürchten, dass die Gemeinde das Areal übernimmt, irgendwann plant, doch noch Gehwege zu bauen, und sie alle zweimal zur Kasse gebeten werden. "Und wenn der Zustand so bleibt, wie er jetzt ist, müssten wir doch eigentlich unser bereits gezahltes Geld zurückbekommen", überlegt Andreas Amberg. "Ich möchte nicht betrogen werden." Daher wollen er und die anderen Anwohner wissen, ob und wann die Gemeinde das Areal übernehmen will.

"Die Übernahme (...) steht noch aus", so Rasmus Krebs. "Einen Termin dafür gibt es nicht." Bevor diese ansteht, werde es aber noch eine Abnahme der Bauleistungen geben - laut Erschließungsvertrag mit der BLG beziehungsweise jetzt der NIC, der Gemeinde, den beteiligten Firmen und den zuständigen Fachbehörden. Die Anwohner hoffen nun, dass dann auch die Schäden auffallen, die sie ausgemacht haben - zum Beispiel bei der Regenentwässerung. Diese sei mangelhaft ausgeführt, so Andreas Amberg. Direkt vor seiner Haustür - dort, wo er eigentlich einen Gehweg haben wollte - hören die Betonmuldensteine, die dazu dienen, dass sich kein Wasser auf der Straße sammelt, plötzlich auf. Irgendwann rückte ein Bagger an und grub Vertiefungen in die Erde dort. Genau dort entsteht nun immer ein kleiner See, wenn es regnet. Wer zu Ambergs Gartenpforte gelangen will, schafft das nicht trockenen Fußes. Trotzdem meint Rasmus Krebs: "Die Bauleistungen zur Verbesserung der Fahrbahnentwässerung am Weißdornring sind im August 2014 technisch einwandfrei ausgeführt und ohne Mängel abgenommen worden. Die Ansicht der Anwohner über ,fehlerhafte Ausführung' teile ich nicht."

Andreas Amberg und die anderen Anwohner des Weißdornrings bemühen sich um Humor: Amberg hat sich in einem ironischen Schreiben bei der Gemeinde und der NIC für die neuen Freizeitmöglichkeiten direkt vor seiner Haustür bedankt - vom Schwimmbadbetrieb bis hin zu Schlamm-Catch-Meisterschaften könne er sich alles vorstellen.

In einem weit ernster gemeinten Brief an die Gemeinde Fehrbellin fordert Amberg, die Übernahme des Weißdornrings seitens der Gemeinde zu stoppen und vom jetzigen Eigentümer eine Erstellung der fehlenden Bauleistungen einzufordern. Die Gemeinde hat ihm geantwortet: Es wird noch einmal eine Anwohnerversammlung zum Thema geben. Ein Termin steht noch nicht fest.

Wie die NIC Immobiliengesellschaft zu diesem Thema steht, war in dieser Woche trotz mehrmaliger Bitten um ein Statement zum Weißdornring nicht in Erfahrung zu bringen.

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