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Landesämter kontrollierten über 100000 Haushaltsgeräte und Autos - sieben Prozent wurden beanstandet

Energielabel fehlen auf vielen Produkten

Grüne Wäsche: Ein Schild weist in einem Elektronikmarkt auf die Energieeffizienzklasse einer Waschmaschine hin. In den vergangenen Wochen waren bundesweit Behördenmitarbeiter unterwegs, um die EU-weit vorgeschriebenen Label zu überprüfen.
Grüne Wäsche: Ein Schild weist in einem Elektronikmarkt auf die Energieeffizienzklasse einer Waschmaschine hin. In den vergangenen Wochen waren bundesweit Behördenmitarbeiter unterwegs, um die EU-weit vorgeschriebenen Label zu überprüfen. © Foto: Peter Kneffel/dpa
Henning Kraudzun / 27.10.2017, 19:46 Uhr - Aktualisiert 24.11.2017, 15:01
Berlin (MOZ) Mit einer komplizierten Kennzeichnung wird die Strom-Effizienz auf Haushaltsgeräten, Autos und Reifen angegeben. Für die Überwachung dieser Label sind die Bundesländer zuständig. Es kommt immer wieder zu Beanstandungen.

Diese EU-Energielabel, mit denen Geräte oder Fahrzeuge nach Buchstaben klassifiziert werden, waren aufgrund der komplizierten Angaben schon immer umstritten. Weil immer effizientere Produkte auf den Markt kamen, geriet das System an seine Grenzen: So werden der Klasse A bis zu drei Pluszeichen hinzugefügt - verwirrend aus Sicht von Verbraucherschützern. Nunmehr hat die EU eine Vereinfachung des Labels angekündigt. Vor 2019 ist mit einer Umstellung allerdings nicht zu rechnen.

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Änderung der Energieklassen bei Haushaltsgeräten

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Doch längst nicht alle Händler halten sich an die vorgeschriebene Kennzeichnung. Nach den flächendeckenden Kontrollen im September, deren Ergebnisse nunmehr vorliegen, mussten die Behörden rund sieben Prozent der kontrollierten Produkte beanstanden. In Brandenburg waren es nur vier Prozent, wie das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) mitteilt. Vor allem Staubsauger wurden bemängelt - in neun Prozent der Fälle fehlte das Energielabel, oder es war an einer schwer sichtbaren Stelle angebracht. Bei Waschmaschinen oder Wäschetrocknern, beides Stromfresser, waren es indes nur zwei Prozent.

Dabei kontrollieren die Behörden nicht nur Energielabel, sondern fordern Produkte auch stichprobenartig zu technischen Überprüfungen an. "Hier geht es darum, ob die Geräte halten, was die Hersteller versprechen", sagt Michael Meininger, Arbeitsgruppenleiter im LAVG. Da werden in speziellen Laboren die Lautstärke und der Wasserverbrauch von Waschmaschinen gemessen, die Saugkraft von Staubsaugern oder der Rauminhalt von Kühlschränken. Ebenso werden Leuchtmittel einem monatelangen Stresstest unterzogen, bis sie ihren Dienst versagen. Auf diese Weise wird die von der Industrie angegebene "Lebensdauer" kontrolliert.

"Für Verbraucher sind die technischen Angaben - neben dem Design - natürlich die entscheidenden Kriterien, um Produkte miteinander vergleichen zu können", sagt Meininger. Häufige Täuschungen gebe es nicht. "In der Regel stimmen die Angaben." Auch bei der angegebenen Energieeffizienz, die unter Normbedingungen geprüft wird, gebe es nur geringfügige Abweichungen.

Dabei haben sich die Bundesländer einzelne Bereiche untereinander aufgeteilt. Die Prüfung eines einzelnen Warmwasseraufbereiters koste rund 6000 Euro, erklärt der Experte. Meist müssten drei weitere Geräte untersucht werden, um rechtssichere Ergebnisse zu erhalten. Bei Verstößen kann die Behörde ein Bußgeld von bis zu 50000 Euro verhängen. Angesichts des Gesamtaufwands sind die Kapazitäten für Produktprüfungen begrenzt - 70 konnte das Landesamt im vergangenen Jahr leisten.

Verbraucherschützer fordern seit Jahren vor allem die Angaben zum Energieverbrauch stärker zu kontrollieren. In einer aktuellen Erhebung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wurde nur Brandenburg eine umfangreiche Marktüberwachung und konsequente Ahndung attestiert. In drei Bundesländern fanden überhaupt keine Produktprüfungen statt. "Jeder Verkehrsteilnehmer weiß, dass man bei Rechtsverstößen mit Bußgeldern rechnen muss", sagt DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Dagegen würden Handel und Industrie nicht belangt, wenn bei Verbrauchsdaten getrickst worden sei.

Auch die Stiftung Warentest kam bei einer Überprüfung von Waschmaschinen unlängst zu dem Ergebnis, dass viele Modelle zwar das bestmöglich Energielabel "A +++" schmückt, es allerdings nur auf einzelne Waschprogramme bezogen wurde, die von den meisten Kunden nicht benutzt werden. Dabei zählen Geräte mit optimaler Energieeffizienz zu den teuersten auf dem Markt.

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