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Barni-Begeisterte suchen Nachschub

Frank Rusche (l.) und Gerd Mante, Barni-Sammler der ersten Stunde, organisieren die Tauschbörse.
Frank Rusche (l.) und Gerd Mante, Barni-Sammler der ersten Stunde, organisieren die Tauschbörse. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Sven Klamann / 23.03.2015, 07:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) Der Barni war vor elf Jahren eingeführt worden, um die Kundschaft dafür zu belohnen, dass sie in Eberswalde einkauft. Doch statt die Treuetaler gegen Prämien einzuwechseln, erweitern mehr und mehr Besitzer lieber ihre Sammlungen. Und halten dazu Tauschbörsen ab.

Zweimal im Jahr trifft sich die eingeschworene Gemeinschaft der Barni-Freunde im Saal des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses an der Potsdamer Allee 35 im Brandenburgischen Viertel. Die Tauschbörsen werden jedes Mal von den Eberswaldern Gerd Mante und Frank Rusche organisiert. Beide zeichneten auch für die 29. Ausgabe am Sonnabend verantwortlich, sind Sammler der ersten Stunde und schätzen die Zahl der Gleichgesinnten auf 300 bis 500. "Das sind Verrückte wie wir, die jeden Barni haben wollen", sagt Gerd Mante. Seit 2004 seien 442 unterschiedliche Treuetaler herausgekommen, die 308 Motive zeigen. Die Differenz ergebe sich daraus, dass immer wieder mehrere Herausgeber ein gemeinsames Motiv auf den Markt bringen würden. "Diese Taler verfügen dann über die gleiche Vorderseite und unterscheiden sich durch die Rückseite, auf denen der Name des jeweiligen Geschäftes zu lesen ist", erklärt Frank Rusche.

Nicht nur in ihrer Sammelleidenschaft sind sich die Organisatoren der Tauschbörse einig. Beide halten überdies den Treuetaler für den gelungensten, der an die 1910 errichtete und 2004 abgerissene Stahlbogenkonstruktion über der Eisenbahnbrücke erinnert. "Wenigstens auf dem vom Schuhhaus Grimm und vom Juwelier- und Goldschmiede-Geschäft Lanowski veröffentlichten Barni bleibt dieses Eberswalder Wahrzeichen erhalten", findet Gerd Mante. Genau dies mache den Reiz der Treuetaler aus, ergänzt Frank Rusche: Durch sie werde Lokalhistorie begreifbar.

Für Barbara Pampel aus Finow, die sich als Gelegenheitssammlerin bezeichnet, sind die Barnis "wahre Augenöffner". Sie verschafften alten Gebäuden, an denen Passanten sonst achtlos vorübergehen würden, die ihnen gebührende Aufmerksamkeit. "Schade finde ich nur, dass mittlerweile einige Geschäfte mit viel Laufkundschaft keine neuen Treuetaler mehr fertigen lassen", sagt Barbara Pampel. Zuletzt war zum Ende des vorigen Jahres die Privatbäckerei Wiese ausgestiegen - mit der Begründung, dass sie Kundentreue fortan auf eigenem Wege würdigen wolle.

"Nicht nur mich stört, dass es den beteiligten Unternehmen freigestellt ist, die Wertgrenze und die Bedingungen für die Abgabe von Barnis an die Kunden nach Gutdünken festzulegen", sagt Eberhard Wühle, aktives Mitglied des Vereins für Heimatkunde zu Eberswalde. So werde den Sammlern der Zugang zu den Treuetalern erschwert. Das sei niemals beabsichtigt gewesen, als er gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Apotheker Dirk Amelung die Idee zu dieser neuen Form des Kaufanreizes geboren habe. Noch heute aber unterstütze er das Barni-System, indem er selbst Motive entwerfe und aus seinem 800 Ansichtskarten umfassenden Privatarchiv Anregungen für weitere Barnis beisteuere.

Für Rudi Knaack und Harry Lorenz aus Schwedt wird es wohl das letzte Mal gewesen sein, dass sie an einer Barni-Tauschbörse teilgenommen haben. "Es gibt inzwischen inflationär viele dieser Treuetaler. Und der Weg nach Eberswalde ist zu weit, um jedem Barni nachzujagen", sagt Rudi Knaak, der wie sein Kumpel beim Kulturbund Schwedt in der Fachgruppe Numismatik mitwirkt, die für die 2008 und 2009 in Barnim und Uckermark getestete Alternativwährung Oderblüten die Entwürfe gezeichnet hatte. "Leider waren diese Scheine längst nicht so erfolgreich wie der Barni", bedauert Harry Lorenz.

Dass Unternehmen aus dem Treuetaler-System ausgestiegen seien, bedauere er auch, gibt Gerd Mante zu. Dafür kämen aber auch immer wieder neue Anbieter hinzu. "Ich finde es richtig, dass die Unternehmen selbst entscheiden, welchen Einsatz Kunden leisten müssen, um Barnis zu bekommen", sagt Frank Rusche. Und beide Organisatoren der Tauschbörse halten gerade die Vielfalt der Treuetaler für einen großen Trumpf. Dies zeige auch der Andrang im Saal.

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