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Air Berlin-Kunden verbünden sich

 Serviceschalter von Air Berlin
Serviceschalter von Air Berlin © Foto: dpa
Andreas Wendt / 05.01.2018, 19:30 Uhr
Berlin (MOZ) Während Billigflieger Easyjet nun nach der Pleite von Air Berlin von Tegel aus auf innerdeutschen Strecken fliegt, können durch die Insolvenz geprellte Air Berlin-Kunden auf Rückerstattung ihrer Flugkosten hoffen. Eine Berliner Anwaltskanzlei bereitet eine Sammelklage vor.

Bis zu 200 000 Geschädigte, die vor dem Insolvenzantrag am 15. August 2017 ihren Flug mit Air Berlin gebucht haben, haben nach Ansicht von Rechtsanwalt Lothar Müller-Güldemeister realistische Chancen, ihren Schaden zumindest teilweise ersetzt zu bekommen. Mit einer Sammelklage will der Erfinder der "Prozessfinanzierung" erreichen, dass die Fluggäste ihre vorausbezahlten Tickets in dreistelliger Millionenhöhe erstattet bekommen.

Seine Hoffnung auf Erfolg zieht der Jurist, der schon im Vorstand der heutigen Bahntochter Barnsdale milliardenschwere Ansprüche Geschädigter des unter Beteiligung der Lufthansa geführten rechtswidrigen Luftfrachtkartells einklagte, aus der Masse von Gläubigern. Geschädigte Fluggäste, so Müller-Gildemeister, müssten ihre Rechte mit denen anderer Fluggäste bündeln. Die einzelnen Ticketpreise zwischen 100 und 3000 Euro einzuklagen, sei aus Sicht der Kanzlei nicht wirtschaftlich.

Bei der Rückzahlung will der Anwalt vor allem deutsche Behörden und den größten Air Berlin-Aktionär Etihad in die Pflicht nehmen, der noch im April 2017 schriftlich zugesagt habe, Air Berlin für mindestens 18 Monate weiter zu finanzieren. Auch das Luftfahrtbundesamt habe wie CSU-Bundesverkehrsminister Dobrindt tatenlos zugeschaut, wie Fluggäste der maroden Firma weiter Vorauszahlungen in Höhe von Hunderten Millionen Euro anvertrauten. "Sechs Wochen vor der Pleite hatten diese Vorauszahlungen eine nie zuvor erreichte Höhe von 856 Millionen Euro - mehr als die Hälfte der Bilanzsumme von Air Berlin", heißt es in einer am Freitag verbreiteten Pressemitteilung.

Schwere Vorwürfe macht Müller-Gildemeister mit seiner eigens gegründeten Airdeal Rechtsdienstleistung GmbH auch der Bundesregierung, die Minuten vor dem Insolvenzantrag noch einen 150 Millionen-Überbrückungskredit bereitgestellt habe. Die geprellten Air Berlin-Kunden würden durch die Sammelklage keinerlei Risiken eingehen und keine Anwaltskosten zahlen müssen, sofern sie bis zum Termin der ersten Gläubigerversammlung am 24. Januar ihre Forderungen online unter www.airberlin-regress.de anmelden. Durch das Modell der Prozessfinanzierung würden die Fluggäste bei einem Erfolg der Sammelklage zwei Drittel der erstrittenen Beträge als Entschädigung erhalten.

Einige innerdeutsche Strecken der insolventen Air Berlin werden ab Sonntag von Billigflieger Easyjet von Tegel aus bedient. (Kommentar Seite 2, Seite 3)

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