Da steht noch eine dünne Kiefer, da noch eine. Und weiter hinten ragt ebenso ein Stamm einsam in die Luft. Das Waldbild - hinterlassen nach einem Holzeinschlag der Forstverwaltung Oettingen-Spielberg in Görlsdorf - hat bei passionierten Wald- und Naturliebhabern einen regelrechten Schock verursacht. Wo eben noch dicke Buchen standen, breitet sich nun eine weite Lichtung aus. Der Boden ist trocken.
Kahlschlag oder normale Waldwirtschaft? "Dieses Bild, das einem Förster geläufig ist, ruft bei Waldbesuchern offenbar andere Emotionen hervor. Das haben wir unterschätzt", gesteht Markus Schlösser, Leiter der Forstverwaltung. Die Reaktion auf die Axt folgt umgehend: Aufgebrachte Bürger aus den Dörfern der Umgebung rannten beim Naturschutzbund Angermünde (Nabu) die Türen ein. Der wiederum organisierte sofort eine öffentliche Waldbesichtigung. Emotionen schlugen hoch. Hermann Hummer und Sebastian Swart vom Nabu wollten es jetzt wissen: Darf im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin so etwas passieren?
Ja. So lautet die eindeutige Antwort der Landesforstverwaltung und des Waldbesitzerverbands Brandenburg. Der Einschlag sei zwar nicht unumstritten und wäre von anderen Waldeigentümern möglicherweise anders vorgenommen worden, entspreche aber den gesetzlichen Vorgaben.
Die fürstliche Forstverwaltung ist regelrecht verdutzt über den plötzlichen Aufruhr. Man wolle die Mischwälder fördern, die alten Bestände in eine neue Generation überführen, ökonomische und ökologische Aspekte unter einen Hut bringen. "Wir betreiben hier ein Familiengeschäft, denken in Generationen, wenn nicht in Jahrhunderten", so Christian Wippermann, Domänenverwalter des fürstlichen Hauses Oettingen-Spielberg, deren verwandte Vorfahren rund um Görlsdorf schon seit Urzeiten riesige Waldbestände besitzen.
Doch der Naturschutzbund hält dagegen: Das Waldklima werde zerstört, die Wasserbilanz ebenso, Bäume seien unter Stress, der Boden leide, eine solche Nutzung schade dem Tourismus. So fasst es Sebastian Swart zusammen und bezieht sich auf eine 20-jährige Forschungsarbeit von Susanne Winter.
Die Meinungen prallen aufeinander. Um es nicht eskalieren zu lassen, sollte nun ein Vor-Ort-Termin mit allen Beteiligten die Sache klären. Die Exkursion von rund 50 Leuten wurde zu einer spontanen und stundenlangen Fachtagung in Sachen Waldbewirtschaftung. Und zwar für alle Seiten. Während die fürstliche Forstverwaltung Fehler einräumte, musste der Nabu eingestehen, dass die Form der Waldwirtschaft eben auch Ansichtssache des Eigentümers ist.
Doch seien die Tieflandbuchenwälder ein hohes Schutzgut, hält Forscherin Susanne Winter dagegen. Ein starker Eingriff in den Wald sei schwierig, wenn auch gesetzlich, aber eben nicht Wesen einer Forstwirtschaft in der Biosphäre. Und dennoch ist die Artenvielfalt im Kulturwald höher, kontert die Forstverwaltung. Zudem probiere man verschiedene Dinge aus, um Einzelbäume zu fördern und Mischwälder aufzubauen. Und schließlich beträfen die Eingriffe überhaupt nur 5 bis 8 Prozent der gesamten Waldfläche des Eigentümers.
"Mich freut, wie weit die Modellregion schon in den Köpfen und Herzen der Menschen angekommen ist", sagt Ulrike Garbe, Chefin des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. "Wir sind mit der Forstverwaltung eng im Gespräch."
Am Ende trennten sich Kritiker, Förster, Vertreter von Verbänden, Bürger und Naturschutzbund einvernehmlich. Jeder mit seiner Position, aber mit mehr Verständnis für die Sicht des anderen.