Orangefarbene Buchenblätter weisen Wanderern den Weg. Der führt mitten hinein in den uckermärkischen Dschungel, wölbt sich über Eiszeitmoränen unter einem dichten Blätterdach, schlängelt sich dicht an verwunschenen Mooren vorbei und öffnet die Tür zu einer verzaubert wirkenden, ursprünglichen, stillen Naturlandschaft, die einlädt, mit allen Sinnen entdeckt und erlebt zu werden. Vorausgesetzt, man scheut weder Stock noch Stein und ist gut zu Fuß.
Immerhin 10,5 Kilometer lang ist der neue Urwaldpfad, der nördlich um die Kernzone des Weltnaturerbegebietes von Altkünkendorf über Louisenhof, vorbei am höchstgelegenen See Brandenburgs führt. Er bietet hautnah Einblicke in einen Buchenwald, der seit vielen Jahren nicht mehr genutzt wird und wo sich Natur ungestört entfalten kann.
Im leuchtenden Rot locken die Buchenblätter-Piktogramme am Wegesrand des neu eingeweihten 22 Kilometer langen Wanderweges Buchenwald Grumsin 1. Dieser beginnt in Schmargendorf am Plunzsee, umrundet das Welterbe bis an das südliche Ufer des Wolletzsees und besticht vor allem durch das abwechslungsreiche, von der Eiszeit geformte Relief der Landschaft.
42 000 Euro wurden in die Infrastruktur der neuen Wege für Informationstafeln, Wegweiser, Bänke und eine nagelneue Schutzhütte in Schmargendorf investiert. Davon kommen rund 23 000 Euro aus dem Mauerfonds und 18 800 Euro aus der ILE-Förderung, informierte Bürgermeister Wolfgang Krakow, der am Mittwochnachmittag mit vielen Beteiligten und Gästen die Wege offiziell mit dem traditionellen Scherenschnitt freigab.
Der strömende Regen hielt echte Wanderfreunde nicht ab, als erste auf den neuen Pfaden zu wandeln. Gudrun und Karl Kozempel aus Angermünde machten sich in regenfester Wanderausrüstung auf den Weg. "Wir sind viel in der Region unterwegs, machen gern Nordic Walking. Aber obwohl wir Angermünder sind, kennen wir diesen Flecken bei Schmargendorf noch gar nicht", erklärt Gudrun Kozempel ihre Neugier. HansJürgen Bewer kam wasserdicht verpackt sogar aus Altkünkendorf mit dem Fahrrad, um der Einweihung beizuwohnen und neue Touren zu entdecken.
Dass hinter so einem simpel wirkenden, naturbelassenen Waldwanderweg im Hintergrund viele Akteure emsig wirkten, wurde deutlich, als Wolfgang Krakow die Vorbereitungen beschrieb. Insgesamt 61 Zielwegweiser, 360 Piktogramme an Bäumen, sechs Informationstafeln und fünf Bänke wurden installiert und säumen nun den Weg. Auch Grundstücksfragen waren zu klären. Für den neuen Rastplatz mit überdachter Schutzhütte am Schmargendorfer Plunzsee stellte beispielsweise Gunnar Hemme sein Grundstück zur Verfügung.
Doch nicht immer bestehe Einigkeit bei solchen Projekten. So gibt es mit einigen Waldeigentümern noch Konflikte, die nicht einverstanden sind mit der sanften touristischen Erschließung des Grumsin. Ihr Widerstand reiche mitunter sogar bis zur Demontage und Zerstörung von Schildern und Wegweisern.
Martin Flade, Leiter des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, versicherte, noch im Juni persönliche Gespräche mit betroffenen Waldeigentümern zu führen. Seiner Freude über ein weiteres Mosaiksteinchen zur touristischen Erschließung des weltweit anerkannten Naturkleinods tat das dennoch keinen Abbruch. Mit beiden neuen Routen ist das Wanderwegenetz rund um den Grumsin inzwischen auf vier unterschiedlich lange Touren angewachsen.
"Wir haben inzwischen ein ganzes Orchester vieler kleiner Einzelmaßnahmen in den umliegenden Ortschaften, die den Grumsin erlebbar machen. Jetzt tüfteln wir gerade an der Route für einen Stichweg, der sozusagen mitten ins Herz des Welterbegebietes führen soll", erklärte Martin Flade. In der Blumberger Mühle ist eine neue Ausstellung über das Weltnaturerbe im Aufbau, Altkünkendorf habe den Ausbau des Kirchturms als Aussichtsplattform im Visier. Auch das Fotoprojekt "Mein Grumsin" laufe begeistert an. "Es rundet sich", freute sich Martin Flade.
Die Angermünder Tourismuschefin Johanna Henschel rechnet sich derweil gute Chancen aus, dass das Gebiet bald als "Wanderbare Region" vom Deutschen Wanderverband zertifiziert werden könnte. "Wir haben alle Standards des Deutschen Wanderverbandes erfüllt", betont sie. Wandern sei ein wachsender Tourismusmarkt, auf den sich auch der Angermünder Tourismusverein einstelle. "Es gibt bei uns bereits Wanderkarten und Wegbeschreibungen für den Grumsin aber wir wollen uns noch moderner aufstellen und Wanderwege auch über GPS mit dem Handy abrufbar machen", berichtet Johanna Henschel.