Einen offenen Brief haben Pflegeeltern des Landkreises an den Landrat und den Kreistagsvorsitzenden geschickt. Darin äußern sie ihre Sorge über die Auflösung des Pflegekinderdienstes im Jugendamt. Ihre größte Befürchtung: Ein Qualitätsverlust, fehlende Ansprechpartner im Krisenfall, Fehlentscheidungen.
Tatsächlich wird das Jugendamt gerade umstrukturiert. Die sogenannten Spezialdienste entfallen künftig. Dafür wird die Arbeit auf eine größere Zahl von Mitarbeitern verteilt. Die Neuorganisation ist nach Angaben von Behördenchef Matthias Genschow durch Überlastung der betroffenen Kollegen notwendig geworden. So hätte sich die Zahl der gemeldeten Kindswohlgefährdungen fast verdoppelt. Mehr als 400 liegen auf dem Tisch des Jugendamtes. Genschow spricht von "unangemessenen Bearbeitungszeiten" und von "Belastungsanzeigen" der Mitarbeiter. "Brandstellenbekämpfung" sei an der Tagesordnung gewesen.
Um eine Entlastung herbeizuführen und die Gesundheit der Mitarbeiter sowie deren psychische Stabilität zu schonen, sei mit der Neuorganisation im Jugendamt begonnen worden. Statt der bisher über 40 Fälle pro Person würden nun nur noch knapp 32 auftreten. Eine Steuerungsgruppe wurde eingerichtet. Die neue Struktur soll nach einer Übergangsphase bis zum 31. August aufgebaut sein.
Doch die betroffenen Pflegeeltern sind da ganz anderer Meinung. Sie nehmen im Auftrag des Jugendamtes Kinder auf, wenn die aus verschiedensten Gründen nicht mehr in der eigenen Familie leben können. Bei ersatzloser Auflösung des Pflegekinderdienstes würden Pflegefamilien im eventuellen Krisenfall keinen zuständigen Ansprechpartner im Jugendamt finden, der mit der spezifischen Geschichte des Einzelfalles vertraut ist. Eine Entspezialisierung würde einen Qualitätsverlust nach sich ziehen, so die Befürchtung der Pflegefamilien. Sie fordern die Beibehaltung des Fachdienstes.
Auch die Mitglieder im Jugendhilfeausschuss sind angesichts der anhaltenden Diskussion und des zahlreichen Erscheinens von Pflegeeltern im Kreistag verunsichert. Die Uckermark sei der einzige Landkreis in Brandenburg mit einer solchen Regelung, informiert die CDU-Kreistagsabgeordnete Sylvia Steinhauser. Dass damit eine Qualitätsverbesserung eintrete, könne sie nicht erkennen.
Inzwischen haben Pflegeeltern sogar angedroht, ihre Tätigkeit angesichts der Situation aufgeben zu wollen. Und das bei wachsendem Bedarf an solchen Stellen.
"Mit nur zwei Mitarbeitern im Spezialdienst konnten wir aber so nicht weitermachen", verteidigt der Landratsbeigeordnete Frank Fillbrunn (FDP) die Neuregelung. Außerdem würde Fachkompetenz ja nicht verloren gehen, sondern weiter im Amt bleiben.
Allerdings bleibt das Jugendamt die Frage schuldig, wie die Fallzahlen pro Person sinken, wenn gar keine neuen Mitarbeiter eingestellt werden. Denn auch die bisher damit nicht beschäftigten Kollegen hatten immerhin andere Aufgaben zu erledigen.
"Enttäuscht von der Verwaltung" stellte nun der Abgeordnete Gernot Schwill den Antrag, den Landrat mit der Sache zu beauftragen und eine Lösung herbeizuführen. Schließlich einigte sich der Jugendhilfeausschuss darauf, mit einer kleinen Abordnung unter Leitung von Henryk Wichmann (CDU) und dem Landrat nach einem Ausweg aus der Situation zu suchen.