Aufatmen in der Bürgerinitiative gegen die Erweiterung der Milchviehanlage Schmargendorf, Enttäuschung bei den Befürwortern und Angestellten. Das Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz hat vorerst die Investitionspläne gestoppt. Das geht aus der Antwort von Umweltministerin Anita Tack auf eine kleine Anfrage des Bündnis 90/Grünen-Abgeordneten Axel Vogel im Landtag hervor. Im Genehmigungsverfahren habe der Landkreis Uckermark schwerwiegende Fehler gemacht. Die Verwaltung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, in dessen Bereich sich die Milchviehanlage befindet, wurde nicht beteiligt. Außerdem sei nicht geprüft worden, ob das Vorhaben gegen Auflagen der EU für europaweite Schutzgebiete verstößt. Das Ministerium hat deshalb die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Uckermark angewiesen, die im immissionsschutzrechtlichen Verfahren abgegebene befürwortende Stellungnahme zurückzunehmen. Denn dieser Stellungnahme ging eine unzureichende Beteiligung der Biosphärenreservatsverwaltung voraus. Eine erneute Stellungnahme setze diese ordnungsgemäße Beteiligung voraus.
Der Schmargendorfer Landwirt Wim Dobbe plant die Erweiterung der Milchviehanlage um das Fünffache. Genehmigt wurde die Anlage für 240 Rinder und 60 Kälber. Gegenwärtig sollen dort rund 560 Kühe stehen. Der Betreiber hatte beantragt, die Kapazitäten auf 1324 Rinder und 198 Kälbermastplätze zu erweitern sowie eine Biogasanlage zu errichten. „Die Ausbaupläne halte ich an diesem Standort für problematisch. Das Biosphärenreservat gehört zu den wichtigsten Schutzgebieten des Landes. Der Grumsiner Forst, der zum Unesco-Weltnaturerbe ernannt werden soll und bereits als Natura 2000 geschützt ist, grenzt unmittelbar an die Milchviehanlage an“, erklärt Axel Vogel und begrüßt den Stopp der Investitionspläne durch das Ministerium.
Das Genehmigungsverfahren läuft seit nunmehr drei Jahren.Umweltverbände, Ortsbeirat und eine Bürgerinitiative lehnen das Vorhaben ab, weil sie befürchten, dass durch eine Intensivierung der Landnutzung und Tierhaltung in so großem Maßstab erhebliche Umweltbelastungen für die Region und das angrenzende Schutzgebiet entstehen. Das Vorhaben verstoße gegen die Verordnung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, wonach neues Bauen im Außenbereich verboten ist. Spitzfindig gefeilscht wurde deshalb auch, ob es sich um einen Neubau oder nur eine Erweiterung handele. Die Stadt Angermünde hatte sich gegen das Projekt ausgesprochen, weil es im Widerspruch zu den Entwicklungszielen als anerkannter Erholungsort stehe. Die Biosphärenreservatsverwaltung lehnt die Pläne ab und fürchtet um die Anerkennung des Grumsiner Forstes als Weltnaturerbe.
Monatelang hat die Bürgerinitiative und der sich daraus entwickelnde Verein Zukunft Biosphäre Argumente zusammengetragen, Gewässerproben der Sölle und des Plunzsees analysieren lassen, Akten in der Kreisverwaltung und im Landesumweltamt eingesehen, Protestaktionen organisiert und offene Briefe geschrieben. Stickstoffeinträge, wie sie bei einer solchen Anlage unvermeidbar wären, würden sensible Lebensräume schädigen. „Wir sehen nun unsere Bemühungen bestätigt. Es ist ein erster Schritt zum Erfolg“, wertete Dieter Prollius von der Bürgerinitiative den vorläufigen Stopp. „Wir haben überhaupt nichts gegen Landwirtschaft im Dorf, aber gerade in einem Biosphärenreservat müsse dies mit Augenmaß geschehen. Wir dürfen die Umwelt nicht dem Profit opfern. Was wir heute einrühren, müssen unsere Enkel auslöffeln“, so Prollius.
Die Kreisverwaltung unterstützt unterdessen Investitionen, die Arbeitsplätze sichern und neu schaffen. Sowohl der ehemalige Landrat Klemens Schmitz als auch Amtsnachfolger Dietmar Schulze befürworteten die Erweiterung. Eine erneute Stellungnahme steht dem Kreis offen.
Im benachbarten Klein Ziethen hatte das Landesumweltamt die geplante Ferkelmastanlage nicht genehmigt. Das umstrittene Verfahren um den Ausbau der Schweinemastanlage Haßleben läuft seit nunmehr über sechs Jahren.