"Ich habe 28 Jahre Personal und Organisation gemacht, habe gerade die 50 überschritten, mein Sohn ist beim Studium auf der Zielgeraden, also ist es gerade der richtige Zeitpunkt noch einmal etwas Neues anzufangen", so Vera Leu (parteilos). "Ich fühle mich in der Lage, auch diese viel breiter angelegte Arbeit zu bewältigen. Denn beim Amtsdirektor geht es darum, alles was vor Ort beschlossen wird, zügig umzusetzen." Ihre Entscheidung fiel nicht spontan. Sie hatte schon 2018 mit dem Posten geliebäugelt. Doch wurde damals nicht öffentlich ausgeschrieben.
Insgesamt sind jetzt neun Bewerbungen eingegangen. Darüber informiert Amtsausschussvorsitzender Martin Röthke (CDU). Nach bisheriger Einschätzung erfüllen zwei Kandidaten nicht die geforderten Voraussetzungen für den Posten. Zu Namen und weiteren Details will sich Röthke zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht äußern.
Doch es gibt eine weitere Überraschung: Axel Krumrey (Die Linke), ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Randowtal und Referent der Rosa-Luxemburg-Stiftung, will ebenso Amtsdirektor werden. Bisher hat er im Amtsausschuss mitgewirkt. "Mir ist der Wechsel von der Kommunalpolitik in die Verwaltung durchaus bewusst. Doch kann man mit einem Hauptamt im Rücken ehrlich gesagt noch stärker gestalten." Allerdings müsste der 38-Jährige alle Posten in der Gemeinde niederlegen. Ebenso sein Kreistagsmandat in der Fraktion der Linken, das er seit 2008 innehat. Die Partei würde damit zwar ihren Fraktionschef verlieren, aber einen Amtsdirektor in der Uckermark stellen. Und das ausgerechnet in der bisherigen CDU-Hochburg Gramzow. "Selbstverständlich denkt man über solche politischen Farbenspiele nach, und ich mache aus meiner Weltanschauung keinen Hehl", sagt Krumrey. "Aber ich bilde mir schon ein, auch im Amtsausschuss bisher immer zur Problemlösung beigetragen zu haben."
Entlassungsurkunde
Gerüchten zufolge soll es sogar noch weitere Bewerbungen aus der Kreisverwaltung geben. Doch ist das bisher nicht bestätigt worden. Alle Unterlagen werden jetzt eingehend gesichtet und geprüft. Das Ergebnis erfahren die Mitglieder des Amtsausschusses in geheimer Sitzung am 4. August. An diesem Tag soll der scheidende Amtsdirektor auch seine Entlassungsurkunde erhalten.
Alle Kandidaten, die die Voraussetzungen erfüllen, werden Ende August zu einer Vorstellungsrunde der Personalkommission eingeladen und sollen sich dort vorstellen sowie Fragen beantworten. Die eigentliche Wahl der infrage kommenden Kandidaten findet dann in öffentlicher Sitzung des Amtsausschusses Ende September statt.