Nun, so kann man eine Bahnstrecke auch schneller machen: Man lässt den Zug einfach weniger halten. Das denkt sich wohl das Verkehrsministerium über die Verbindung Berlin-Stettin, die wegen ihrer Langsamkeit seit Jahren in der Kritik steht und erst bis zum Jahr 2020 ausgebaut werden soll.
Nach Informationen aus internen Bahn-Kreisen ist geplant, den Haltepunkt Schönow stillzulegen. Der Ortsbürgermeister ist erschrocken: "Das haben wir immer befürchtet", sagt Stefan Hildebrand. Dabei nutzen viele Schönower die Bahn, meint er. "Sie sind auf die Verbindung absolut angewiesen." Darunter Kinder, die mit der Bahn zur Schule fahren, zum Beispiel zum Angermünder Gymnasium. "Wir haben aber auch viele Leute, die die Bahn jeden Tag nutzen, um zur Arbeit nach Eberswalde, Bernau und Berlin zu kommen."
Immerhin 13-mal hält der Zug am Tag in Schönow. Dazu gibt es nur noch einen Schülerbus, der lediglich morgens und abends fährt. Sonst nichts. "Wir wären ohne die Bahn komplett abgeschnitten", sagt der Ortsbürgermeister des 280-Einwohner-Dorfes. "Wenn jemand zum Arzt gehen will, kann er das gar nicht mehr." Gerade für die älteren Leute ohne Auto wäre die Einstellung des Haltepunktes eine Katastrophe.
Hildebrand gibt die Schuld vor allem der Amtsverwaltung. "Wir haben das Amt und den Amtsdirektor Detlef Krause aufgefordert, sich bei den Treffen zwischen Kommunen und Bahn für den Erhalt des Bahnhofes einzusetzen", sagt er sauer. "Wie wir hören, ist das Amt dort seit Jahren nicht einmal erschienen."
Das bestätigt Andreas Schwarze vom Fahrgastverband ProBahn. "Bei allen Treffen mit der Bahn in der Region habe ich in all den Jahren noch nicht einen Vertreter vom Amt Oder-Welse gesehen. Das ist schon merkwürdig. Dabei werden die Amtsdirektoren durch den Verkehrsverbund immer eingeladen." Für ihre Region setzen sich hingegen vorbildlich die Vertreter aus Angermünde und auch der Gartzer Amtsdirektor Frank Gotzmann ein, sagt er.
Das Land habe den Haltepunkt Schönow, wie auch Petershagen, auf eine Beobachtungsliste gesetzt, erzählt Schwarze. Außerdem finden Fahrgastzählungen statt. Sollte es weniger als fünf Ein- und Ausstiege pro Tag geben, wird eine Schließung empfohlen. Nach seiner Erfahrung steigen in Schönow nur drei bis vier Leute zu. Zudem gibt es Probleme mit Vandalismus am Bahnhof. "Als Fahrgastverband sagen wir aber auch, dass jeder Bahnhof zur Daseinsvorsorge gehört", sagt er. "Sollte der Haltepunkt für die Bahn nicht mehr tragbar sein, dann muss für einen vernünftigen Buszubringer ab der Dorfmitte gesorgt werden."
Dabei wollen sich die adligen Gebrüder von der Osten gerade um die Sanierung des völlig maroden Bahnhofs bemühen. Die von der Ostens sind eine alte pommersche Adelslinie, die auf Gut Blumberg wohnt. Hintergrund ist eine hübsche Geschichte: Einer der Brüder von der Osten hatte gehört, wie früher die Menschen einfach die Notbremse zogen, um bei Schönow aus dem Zug zu springen und nach Hause zu kommen. Das faszinierte ihn. Außerdem sei er ein "idyllischer Waldbahnhof", sagt Erimar von der Osten. Sie möchten gerne dem Bahnhof das historische Aussehen wiedergeben, erzählt der Ortsbürgermeister, und suchen dafür noch Mitstreiter.
Andreas Schwarze findet die Idee gut: "Wenn der Bahnhof attraktiver wird, weil er vielleicht auch noch ein Museum hat, dann steigen ja auch die Fahrgastzahlen wieder und der Haltepunkt könnte gerettet werden."
Doch die Zukunft sieht für den Bahnhof nicht gut aus. Spätestens mit dem Ausbau der Strecke Berlin-Stettin werde Schönow aus dem Fahrplan fallen, vermutet der Ortsbürgermeister. Und auch Andreas Schwarze meint: "Wenn der Zug später 160 km/h fahren soll, kann er nicht an jeder Milchkanne halten."