Noch nicht absehbare wirtschaftliche Folgen für die Uckermark hat die Einführung der Bundesstraßenmaut ab 1. Juli 2018. IHK und Unternehmen rechnen mit erheblichen Gebührenbelastungen und Preissteigerungen für alle Bürger und Kunden.
Zwischen 8 und 22 Cent pro gefahrenen Kilometer Bundesstraße müssen alle Lastwagen ab 7,5 Tonnen bezahlen. Das trifft weniger den Fernverkehr, weil der ohnehin schon die Autobahnmaut hatte, sondern viele Dienstleister, kleine Betriebe, Ver- und Entsorger auf dem Lande. Die Folgen für die uckermärkische Wirtschaft sind noch gar nicht absehbar. Jeder Laster zwischen Angermünde und Schwedt muss die Gebühr entrichten, jedes Müllauto, jeder Getränkewagen, jeder Bautransporter.
Aufgrund der vielen Bundesstraßen und weiter Wege trifft es den Raum Angermünde und Schwedt besonders hart, denn die Orte sind auf Alternativstrecken nicht zu erreichen. Die Folge: Es drohen Preissteigerungen und Gebührenerhöhungen. Denn weder Getränkelieferant noch Müllabfuhr können diese Mehrbelastung aus eigener Tasche begleichen. „Der kleine Bürger zahlt die Zeche“, schimpft Eberhard Ihlow, Chef des gleichnamigen Containerdienstes. „Der Staat fasst ihm heimlich von hinten in die Tasche. Das ist wie eine schleichende Mehrwertsteuererhöhung.“  
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Beispiel: Muss Ihlow für einen Kunden einen Bauschuttcontainer in Schmiedeberg aufstellen, zahlt er für die rund 15 Kilometer lange Tour viermal Maut von etwa 15 Cent. Der leere Container muss hingebracht werden, der Laster fährt leer nach Angermünde zurück. Bei der Abholung ist es umgekehrt. Der Kunde muss also allein dafür schon zehn Euro mehr bezahlen. Denn Ihlow reicht die Mautgebühr nur weiter.
Jede Fuhre Kies innerhalb der Uckermark wird künftig teurer. Jede Lieferung von Baumaterial ebenso. Jede größere Baustelle muss mit erheblichen Mehrkosten rechnen. Am Ende zahlen fast alle. Denn es trifft Müllautos, Gerüstbauer, Gartenbaubetriebe oder Spediteure gleichermaßen wie Fäkalientransporter. Die Ausmaße sind den Betroffenen offenbar noch gar nicht bekannt. Beim Abwasserzweckverband ZOWA hat man versucht, nähere Auskünfte beim Zoll oder beim Bundesamt für Güterverkehr zu bekommen. „Wir können noch keine Aussage treffen, ob sich die Gebühren erhöhen“, sagt Melanie Lienert vom ZOWA. Am Ende zahlt der Verbraucher die Zeche, weil auf Müll und Abwasser plötzlich Mautgebühr fällt.
Ausgenommen sind Busse, selbstfahrende Arbeitsmaschinen sowie Landwirte, die ihre Produkte eigenständig transportieren, und Behördenfahrzeuge. „Der Bund plant sogar noch eine Verteuerung“, informiert Robert Radzimanowski von der IHK Ostbrandenburg. „Flächenländer wie Brandenburg sind damit doppelt betroffen, weil sie jetzt schon weite Wege haben und nun noch draufzahlen müssen.“ Die IHK versucht, öffentlich Aufklärung zu betreiben. Man befürchtet einen Aufschrei, wenn die allerorts bereits aufgestellten Kontrollsäulen zum bösen Erwachen führen.
Noch ein Problem: Mit den neuen Geräten, die in den Lastern eingebaut werden müssen, kann der Lieferant seinem Kunden keinen Nachweis mehr über die gefahrenen Kilometer erbringen. Auch die Kontrolle für die Betroffenen ist deutlich schwerer, weil die Abrechnungen erst viel später kommen.
„Für den Kleinbürger ist das wie eine Geldentwertung, weil die Kosten überall draufgeschlagen werden“, sagt Eberhard Ihlow. Über seinem Betrieb schwebt auch noch die neue Gewerbeabfallverordnung, wonach Bauschutt besser getrennt werden muss. „Ich müsste jetzt statt einen Container gleich drei oder vier zum Kunden fahren. Das kann sich keiner mehr leisten.“
Ihlows Reaktion: „Wir schaffen ab.“ Weniger große Lkw, weniger Personal, weniger Dienstleistung, weniger Risiko.