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Dumpf schallt der Knall aus der Forstabteilung 2 über das angrenzende Feld mit den Maisstoppeln. Es herrscht Bombenstimmung. Die Mitarbeiter von Feuerwehr, Polizei, Kampfmittelbergungsdienst Brandenburg (KMBD) und Ordnungsamt auf dem Acker schauen gebannt Richtung Wald. Und wieder donnerst es neunmal hintereinander. Dann ist Ruhe.
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Nur ein paar Rauchschwaden steigen zum Himmel auf. Eine ganze Weile beobachtet Gerhard Schulz, hauptamtlicher Feuerwehrmann aus Schwedt, den Qualm, der in der Luft zu stehen scheint. "Falls was brennt, sind wir gleich vor Ort und müssen nicht erst gerufen werden", erklärt er. Wenn bei der Sprengung glühend heiße Splitter durch die Luft fliegen, könnten sich die Gräser und Zweige im trockenen Geäst leicht entzünden. In dieser Jahreszeit sei das Risiko besonders hoch, weil das Grün noch nicht durch ist. Seit Wochen hat es kaum geregnet, es besteht Waldbrandstufe drei.
Entwarnung. 11.16 Uhr wird der Sperrkreis aufgehoben. Die Feuerwehr rückt ab. "Alles planmäßig ohne größere Zwischenfälle", sagt KMBD-Chef André Vogel. Zwar habe es tatsächlich eine kleine Feuerstelle gegeben, bestätigen seine Mitarbeiter: "Doch wir waren gleich selbst mit ein paar Spaten zur Stelle und haben das Feuer mit unseren Schuhen ausgetreten."
In der Schneise riecht es immer noch nach Rauch und frischer Erde. Neun Krater reihen sich aneinander. Gemessen an der Munition, die bisher schon gefunden wurde, ist der Wald immer noch schwer belastet. Der Holzeinschlag ruht inzwischen. Bevor der Harvester (Bezeichnung für eine spezielle Holz-erntemaschine) wieder durch die Lichtung fahren darf, müssen die Sprengkörper geräumt werden.
Förster Jörg Kabelitz, der eigentlich den Umbau der Kiefernwälder in Mischwälder betreut, sperrte mit seinen Leuten die Waldwege ab, damit sich keine Spaziergänger, Radler oder Jogger in die Gefahrenzone begeben.
Allein im Randbereich der Gartzer Bürgerheide stießen die KMBD-Mitarbeiter bisher auf eine 50-Kilo-Bombe, eine 50-Kilo-Rakete, eine 25-Kilo-Rakete, vier 12-Kilo-Granaten, vier 10-Kilo-Mörsergranaten und drei 0,5-Kilo-Gewehrgranaten. Der Fund stammt vermutlich aus den Tagen um den 20. bis 26. April, dem Angriff der zweiten westrussischen Front.
"Der Zustand der Munition war sehr schlecht", beurteilt Sprengmeister André Vogel das erhöhte Risiko. Die Bomben konnten nicht mehr transportiert werden, weil die Zünder schon zu stark korrodiert waren. "Um die Gefahr einer Detonation auszuschließen, sprengten wir die Bomben vor Ort."
Eine aufwendige Prozedur, denn die Sicherheit ist für den Sprengmeister oberstes Gebot: "Niemand soll zu Schaden kommen", betont er. Verschiedene Sicherheitsmaßnahmen wurden getroffen. Um die Druckwelle zu minimieren, schaufelten Bagger zuvor zwei Meter hohe Kegel aus Erde auf die Sprengstellen. Auch Evakuierungsmaßnahmen wurden getroffen. Die etwa 50 Anwohner mussten im Zeitraum von 9 und 11.30 Uhr ihre Häuser verlassen, die Fenster sollten offen bleiben.
Nur ein paar Hühner in der Nachbarschaft und die 600 Kühe der Milgeta Agrargesellschaft Vierraden blieben. Gemeinsam mit ihren Kollegen war Milchhof-Angestellte Kerstin Bernau früher als üblich da, um alles rechtzeitig zu schaffen: "Für die Kühe wäre es eine Qual, wenn sie nicht gemolken werden und die Milch im Euter drückt." Früher als sonst war die Arbeit getan. Die Mitarbeiter ließen die schwarz-weiß gescheckten Tiere allein und bombensicher zurück.
Viel Pulver verschossen: Für einen kurzen Moment bebt die Erde im Gatower Forst. Insgesamt fünf Kilogramm Sprengstoff fliegen zusammen mit der Fundmunition in die Luft und hinterlassen massive Rauchschwaden. Fotos (2): MOZ/Oliver Voigt
Niemand zu Hause: Die Mitarbeiter von Polizei und Feuerwehr kontrollieren, ob sich die Anwohner in Sicherheit gebracht haben.
Sprengarbeiten in Gartzer Bürgerheide verlaufen planmäßig / 50 Personen evakuiert