Mit Größe und Gewicht ist diese Kamera auch empfehlenswert als ständiger Begleiter. An die Haptik, die deutlich auf Funktionalität ausgerichtet ist, gewöhnt sich auch jemand, der sonst eine Spiegelreflexkamera nutzt, erfreulich schnell. Selbst Kamerateile, die erst einmal sehr filigran wirken, wie der Sperrriegel des Akkus, der Sucher, der nach dem Ausklappen noch nach hinten ausgezogen werden muss, der ausklappbare Blitz oder die Kippmechanik des Touchscreens, erweisen sich im Einsatz doch als eher robust. Warum keine Nut oder Ähnliches von vornherein verhindert, dass der Akku versehentlich falsch in den Schacht eingeführt wird, sollten die Canon-Konstrukteure überdenken. Gerade in abgedunkelten Räumen und unter Zeitdruck ist das eine ärgerliche Kleinigkeit.
Die Bedienelemente der Kamera sind wie gewohnt übersichtlich platziert. Das legendäre Drehrad auf der Rückseite hat einen großen Bruder bekommen. Wo an den Objektiven früher den Blendenring residierte, gibt es zusätzlich ein Einstellrad. Sehr praktisch auch der Schnellschalter für dieBluetooth-Verbindung an der rechten Seite, denn die G5X ist mit WiFi und Bluetooth sehr kommunikationsfreudig. Sie schickt auf Wunsch die aufgenommenen Bilder zum Handy und holt sich von dort die GPS-Daten zur Standortbestimmung ab. Dabei läuft die Canon-App auf dem Smartphoneflüssig und ist ebenfalls intuitiv zu bedienen.
Wer die Kamera auf den Programm- oder Automatikmodus einstellt, kann sofort loslegen. Aber natürlich lässt die Kamera eine Vielzahl von Einstellungen zu, die dem Motiv angemessen sind, und hält darüber hinaus eine Reihe von Feintunings und Effekten bereit – mehr, als Fotografen üblicherweise nutzen und in etwas rasanteren Situationen auswählen können. Der Informationsumfang des Bildschirms und des Suchers lässt sich den eigenen Bedürfnissen anpassen. Informationen und Einstellungen sind durchweg schnell verfügbar. Der Nachtmodus erlaubt auch bei Veranstaltungen beispielsweise ein sicheres Agieren, ohne andere Personen zu stören.

Verlässlich gute Bilder

Bei normalen Lichtverhältnissen liefert die G5X durchweg verlässlich sehr gute Bilder im gewünschten Aufnahmeformat. In der Schärfentiefe spielt das Objektiv seine Stärken aus, unterstützt vom sehr schnellen Autofokus, der auch noch mit Restlicht gut zurecht kommt und sich, wenn dies nicht mehr reicht, immer noch auf manuelle Einrichtung umschalten lässt. Auch Innenaufnahmen sind von hoher Farbtreue, Weißabgleich vorausgesetzt. Morgen- und Abenddämmerung locken eine Brillanz hervor, die keine Wünsche offenlässt. Da die Kamera optional auch im RAW-Format speichert, stehen dem Fotografen alle Möglichkeiten professioneller Nachbearbeitung offen.
Auch die G5X bietet eine Vielzahl von Szenenvoreinstellungen an. Auf die "Nacht ohne Blitzlicht" sollte man sich nicht verlassen, wenn man nicht in einer Straßenumgebung oder ähnlichem fotografiert. In diesem Falle bietet das Ausweichen auf selbstgewählte Empfindlichkeit und entsprechend kurze Belichtung besseren Schutz vor Wackelbildern. Dafür hält die Kamera zwei Szenenmöglichkeiten bereit, die für den Amateur hoch erfreulich und für den Profi arbeitssparend sind: Die G5X hat ein Herz für den Sternenhimmel – als Momentaufnahme ebenso, wie als Langzeitbelichtung mit Stativ, bei der die Sternenspur bis zu zwei Stunden lang aufgezeichnet wird. Das führt zu spektakulären Erinnerungen, die allemal vorzeigbar sind. Auch für die Makrofotografie – der Fokus lässt sich blitzschnell anpassen – ist die fesche Canon ein Gewinn.Hier, wie auch bei anderen Gelegenheiten erweist sich der Touchscreen als ein guter Helfer für den Fokuspunkt. Man kann über den Bildschirm auch den Auslöser betätigen. Aber das passiert dann unterwegs so ungewollt oft, dass der Tester schnell wieder darauf verzichtet hat.
Auch für größere Fototouren ist der Akku gewappnet. Wer sich auf reine Fotografie beschränkt, kann mit gut 300Aufnahmen bei einer Akkuladung rechnen. Wer die Videofunktion nutzen will, sollte einen Reserve-Akku zukaufen. Das gilt auch bei automatischer Bluetoothverbindung zum Smartphone. Die Grenzen beim Filmen sind leider auf andere Weise gesetzt. Die G5X hat zwar HDMI- und USB-Anschluss an Bord, bietet aber keine Möglichkeit, ein externes Mikrophon anzuschließen. Auch ein Aufsteckschuh für externe Geräte ist nicht vorhanden, sondern müsste mit Schiene und Adapter angeschraubt werden. Wer also mehr als seinen - qualitativ ansonsten hochwertigen - Urlaubs- und Freizeitclipdrehen will, wird vermutlich ein anderes Modell wählen. Das ärgerlichste Manko, gerade wenn man sich an die guten Aufnahmen der Kamera gewähnt hat, ist der magere optische Fünffach-Zoom. Damit ist die G5X nicht auf der Höhe der Zeit.

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Bei den spiegelfreien Systemkameras – nicht nur von Canon - hat der Anwender es mit einer Übergangstechnologie zu tun. Zum einen findet sich ein innovativer Kern, der einerseits den Vorsprung gegenüber aktuellen Handys manifestieren und andererseits die Möglichkeiten der Spiegelreflexkameras adäquat generieren soll. Zugleich dürfen die Erwartungen und liebgewordenen Gewohnheiten der Nutzer nicht vernachlässigt werden. Was eine solche Kamera schließlich braucht und was nicht, bleibt ein Diskussionsthema. Braucht sie einen Sucher? Braucht sie einen Blitz und wie stark muss der sein? Braucht sie wirklich noch das Sammelsurium von Nachberarbeitungseffekten in der Kamera? Welche elektronischen Filter sind sinnvoll? Mutiges Aufräumen kann nach hinten losgehen. Die benutzerunfreundliche Anhäufung von immer mehr Variablen kann aber ebenfalls abschreckend wirken.
Die G5X wagt den Spagat. Er gelingt ihr recht gut. Im Preis-Leistungs-Verhältnis schneidet die Kamera annehmbar ab. Sie ist schnell einsatzbereit, leicht und intuitiv bedienbar, liefert sehr gute Ergebnisse und kommt mit schwierigen Belichtungsverhältnissen gut zurecht. Damit empfiehlt sie sich für die ambitionierte Fotografie in jedem Genre von der Landschaft bis zum Sport, von der Produktfotografie bis zum nächtlichen Sternenhimmel, und für die Hobby- und Clip-Filmerei im außerprofessionellen Bereich.
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