Jeder, der nach Crussow fährt, sieht das große, gelbe Plakat am Ortseingang: "Keine neuen Windkrafträder für Crussow" steht da. Zuerst seien 140 Hektar neue Windeignungsfläche um Crussow geplant gewesen, nun seien es sogar schon 174 Hektar, erzählt Jenner Zimmermann, Sprecher der Bürgerinitiative gegen die Windräder. Das sind umgerechnet 234 Fußballfelder.
13 Leute des 500-Einwohner-Dorfes haben sich zur der Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Die Hälfte von ihnen sind Zugezogene. "Aber wir haben das Dorf hinter uns, 50 Prozent der Erwachsenen Crussows haben gegen die neue Windräder unterschrieben", sagt Jenner Zimmermann. Zudem stehe der Ortsbeirat hinter der Bürgerinitiative.
Den früheren Windrädern habe man in Crussow sogar zugestimmt, damals waren acht geplant, nun stehen 13. Das reicht, sagen die Crussower. Denn es wäre schade, diese schöne Landschaft mit neuen Windrädern völlig zuzustellen, so Jenner Zimmermann.
Es sei ja schon fast ein geschlossenes Windräder-Netz zwischen Parstein, Crussow und Pinnow, argumentiert er. Die Hälfte von Crussow liege zudem im Nationalpark. Man beraube sich des touristischen Potenzials. "Wir befürchten, dass wir kein Landschaftsbild mehr haben, sondern aussehen wie eine Industriezone", sagt er. "Unsere schönen Seen, Hügel, Alleen, was bleibt davon dann?" Die Bürgerinitiative weist zum Beispiel auf den touristischen Aussichtspunkt Fuchsberg hin. Ein Blick von dort auf Windräder würde die Aussicht nicht gerade verschönern.
Die Crussower befürchten darüber hinaus noch mehr Schlagschatten und Lärm. Schon jetzt müssen die vorhandenen Windräder oft abgeschaltet werden. Denn sie stehen im Osten und wenn im Westen die Sonne untergeht, gebe es im Dorf ein "Feuerwerk aus rotierenden Schatten". Jetzt im Sommer sei dies besonders schlimm. Der Lärm erreiche bei Westwind mehr als 45 Dezibel, durch das Brummen der Motoren und das Luftzerteilen der Flügel.
Den Leuten, die ihre Felder für die Windräder zur Verfügung stellen, könne man ja nicht böse sein, so Zimmermann. Der Verdienst sei ja wie ein Lottogewinn.
Die Bürgerinitiative habe bestimmt schon 15 Eingaben eingereicht, alle verhallen beinahe ungehört. "Wir haben uns schon die Finger wund geschrieben", so Zimmermann. Auch von Bürgermeister Wolfgang Krakow wünscht sich die Bürgerinitiative mehr Unterstützung.
Die Windkraftgegner weisen auf den reichen Vogelbestand hin und haben eigene Zählungen von Vogelsichtungen durchgeführt. Martin Flade vom Landesumweltamt, der in Brodowin wohnt, gab eine Beurteilung ab. Er wies auf die vielen rastenden Gänse und auch einige Kranichen in diesem Gebiet hin und regte genauere Untersuchungen an.
"Wir fordern endlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung", so Sprecher Jenner Zimmermann. Auch die neue 1000 Meter Abstandsregelung reiche nicht, die Initiative fordert das Zehnfache der Windradhöhe als Abstand.
Ende des Jahrwes werde der neue Entwurf veröffentlicht, dann werden die Crussower ihre Stellungnahmen gegen das Windgebiet wieder einreichen.