Seit 1992 feilschen Ämter und Behörden um das größte Giftloch der Uckermark. Es liegt direkt an der B 166 zwischen Passow und Zichow. Dort lagern Chemikalien, Öle und sonstige unbrauchbare Reste aus der Industrie der untergegangenen DDR-Volkswirtschaft. Sie stellen eine immense Gefahr für die Umwelt, für Tiere und auch für Menschen dar.
Jetzt hat der Landkreis Uckermark nach jahrelangen Vorplanungen und Bodenerkundungen die Entscheidung getroffen, die Große Hölle zu einem Anteil von rund 80 Prozent zu beseitigen. Eine zuvor diskutierte technische Minimalvariante lehnte die Uckermark ab. Mit der jetzigen Lösung kostet die Entsorgung des etwa 10 000 Quadratmeter großen Giftsees und der umliegenden Randbereiche voraussichtlich rund acht Millionen Euro.
Das unter freiem Himmel liegende schwarze Loch enthält eine mehrere Meter tiefe Chemikalienbrühe, die immer wieder für den Tod von Vögeln und Kleintieren verantwortlich ist. Sie soll abgepumpt und anschließend verbrannt werden. Im gleichen Moment erfolgt auch eine Wasseraufbereitung.
Das gleiche betrifft den tiefer liegenden Schlamm. Hier stecken zahlreiche Schadstoffe und Öle aus früheren Betrieben der Uckermark wie auch des gesamten Oderraums. Viele stammen aus Havariefällen. Bei anderen Altlasten hatte man damals keine Aufbereitungsmöglichkeiten. So wurde die Große Hölle zum Endlager, wenngleich schon in den 80er Jahren von einer Entsorgung des gefährlichen Areals die Rede war.
Die hoch belasteten Bereiche – die sogenannten Hotspots – werden nach Angaben der Kreisverwaltung ausgekoffert. Die um den eigentlichen See liegenden und ebenfalls kontaminierten Randbereiche gelangen teilweise in eine Entsorgungsanlage. Der Rest wird abgedichtet.
„Wir wollen die Fläche so wieder herstellen, wie sie in den 60er Jahren existiert hat – als Toteisloch in der Landschaft“, erklärt Jörg Schubert, der für Altlasten zuständige Sachgebietsleiter in der Kreisverwaltung.
Bei der jahrelangen Diskussion um technische Lösungen gab es auch Ideen, den See abzudecken, teilweise auszuheben und mit Beton zu versiegeln. Doch diese Minimal- bzw. Billigvariante lehnten die Umweltexperten im Kreis als zu unsicher ab. Eine zehn Millionen Euro teure Maximalvariante, bei der kein einziger belasteter Quadratmeter übrig bleiben würde, scheitert nicht nur am Geld, sondern auch an der Umsetzbarkeit. Es gibt schlichtweg keine Entsorgungsanlage für solchen Extremfall.
Die Kosten teilen sich Bund und Land. „Am liebsten würden wir sofort mit der Entsorgung beginnen“, sagt Jörg Schubert. Doch so schnell geht auch das nicht. Derzeit laufen die Planungen für die Beseitigung der Großen Hölle. Ein Sanierungsplan soll im September vorliegen. Er wird dann von allen Beteiligten geprüft und möglicherweise sogar öffentlich ausgelegt. Wenn das Verfahren genehmigt wird, beginnen die Ausschreibungen.
Die belasteten Grundwasserleiter im Bereich des Giftsees könnten sich später durch einlaufendes Regenwasser allmählich selbst regenerieren. Durch die Sauerstoffzufuhr werden Reaktionen ausgelöst, die den Abbau der Substanzen beschleunigen. Das gesamte Verfahren überwachen die eingebauten Grundwasserpegel.