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Neue Odeg-Flotte ausgebremst

Ein Doppelstocktriebzug mit dem neuen Triebfahrzeug "KISS".
Ein Doppelstocktriebzug mit dem neuen Triebfahrzeug "KISS". © Foto: dpa
Andreas Wendt / 23.10.2012, 19:19 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) wird bei der Übernahme der RE-Strecken 2 und 4 zum Fahrplanwechsel im Dezember auf Fahrzeuge des Konkurrenten Deutsche Bahn zurückgreifen müssen. Den eigenen 16 bei Stadler-Pankow bestellten Doppelstockzügen fehlt die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt.

Der bislang größte Coup der Odeg - die Übernahme von zwei Regionalexpress-Linien in Brandenburg - beginnt mit einem Rückschlag: Zum Fahrplanwechsel Anfang Dezember wird die nunmehr größte Privatbahn Ostdeutschlands nicht auf ihren eigenen Fuhrpark zurückgreifen können, sondern muss Züge und Personal bei der Deutschen Bahn anmieten - ausgerechnet jenem Unternehmen, der die Odeg bei der Ausschreibung des Nahverkehrs auf der Schiene die zwei lukrativen Strecken RE 2 (Cottbus - Berlin - Wittenberge) und RE 4 (Rathenow - Berlin - Jüterbog) abgeluchst hatte. "Das ist nicht gerade ein optimaler Start", sagt Arnulf Schuchmann, Sprecher der OdegGeschäftsführung.

Bislang kann keiner der grün-gelben Kiss-Doppelstockzüge die Produktionshallen von Stadler-Pankow verlassen, weil das Eisenbahnbundesamt (EBA) noch kein grünes Licht gegeben hat. "Wir sind mitten im Zulassungsprozess", sagt Katrin Block, Sprecherin des Fahrzeugherstellers Stadler-Pankow in Berlin. Zum Zeitplan will sie keine Aussagen treffen. Bei der Odeg spricht man von Auslegungsfragen zu einzelnen Normen und Testreihen wie Bremsfahrten beim EBA. Das erinnert an das zweite Drama im Brandenburger Nahverkehr auf der Schiene - die auch mit der EBA-Zulassung im Zusammenhang stehenden Lieferschwierigkeiten bei Bombardier in Hennigsdorf (Oberhavel). Sie führten dazu, dass die zweite große Nummer im Regionalverkehr, die Deutsche Bahn, ihren "Talent2" noch nicht auf allen Strecken einsetzen kann.

Dass im Fall Stadler/Odeg der Bundesbehörde der Schwarze Peter wegen Unklarheiten bei der Auslegung von Normen zugeschoben wird, überrascht EBA-Sprecher Moritz Huckebrink. Alle Fragen zur Normenauslegung würden in den Gremien, in denen auch die Hersteller maßgeblich vertreten sind, fachlich erörtert. Mit dem Fahrzeughersteller hat die Behörde Huckebrink zufolge einen Zeitplan für die Vorlage noch ausstehender Sicherheitsnachweise vereinbart und hält entsprechende Kapazitäten für die Prüfung bereit. "Sobald die Unterlagen entscheidungsreif vorliegen, wird auch das EBA seinen Beitrag leisten, damit die neuen Züge wie geplant eingesetzt werden können", versichert der Behördensprecher. Die Sicherheit von Fahrgästen, Bahnbeschäftigten und übrigen Verkehrsteilnehmern sei dabei oberstes Kriterium.

Beim Hersteller in Berlin tut man sich schwer mit Prognosen. Man sei zwar in einem regulären Ablauf, die Zulassung selbst könne sich aber verzögern, räumt Stadler-Sprecherin Block ein. Bei der Odeg rechnet man ohnehin erst im Frühjahr mit der Auslieferung der kompletten Fahrzeugflotte. Sollte die Zulassung vom Eisenbahnbundesamt in Bonn noch bis zum Fahrplanwechsel vorliegen, könnte Schuchmann auf der RE4-Strecke einen Teil der neuen Kiss-Züge einsetzen.

Wenn nicht, muss wie auch zwischen Wismar und Cottbus (RE2) DB Regio einspringen, die die Strecke eh am besten kennt. Mit dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) ist gestern ein entsprechendes Ersatzkonzept zwischen allen Beteiligten abgestimmt. Zähneknirschend, denn "der VBB bedauert sehr, dass es der Odeg nicht gelungen ist, die vertraglich vereinbarten Qualitätsstandards zeitgerecht umzusetzen", sagt VBB-Sprecherin Elke Krokowski. VBB-Chef Hans-Werner Franz fordert den Fahrzeughersteller Stadler Pankow auf, "alle Maßnahmen zu ergreifen, um zum Fahrplanwechsel so viele Kiss-Fahrzeuge wie möglich auszuliefern".

Ohne Zulassung aus Bonn aber geht das nicht. Die Dauer des Zulassungsprozesses hänge vor allem von der Entwicklungsreife des Fahrzeugs und der Qualität der gesetzlich geforderten Sicherheitsnachweise ab, betont das Eisenbahnbundesamt.

Arnulf Schuchmann von der Odeg hat das Drama um die neuen Doppelstockzüge kommen sehen. "Nach meinen Erfahrungen in der Branche habe ich schon vor eineinhalb Jahren über Alternativen nachgedacht", sagt der Sprecher der Geschäftsführung. Mit dem Ersatzkonzept könne er leben. Mit Zugausfällen sei nicht zu rechnen. "Damit haben wir Schlimmeres verhindert und im Interesse der Fahrgäste entschieden."

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