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Leichenschau in Posen

Eine polnische Polizistin untersucht die in einem Wald gefunden Särge aus Deutschland
Eine polnische Polizistin untersucht die in einem Wald gefunden Särge aus Deutschland © Foto: Polizei Poznan
Dietrich Schröder / 24.10.2012, 20:41 Uhr - Aktualisiert 24.10.2012, 23:50
Posen (MOZ) Bevor die zwölf in Hoppegarten bei Berlin gestohlenen und am Dienstag in Polen wieder entdeckten Leichen nach Deutschland zurück gebracht werden können, müssen sie in Polen zweifelsfrei identifiziert werden. Gestern begann die dafür nötige Prozedur.

"Wir wollen die Leichen so schnell wie möglich wieder an die deutsche Seite zurückgeben, damit dieses Drama bald ein Ende findet. Vorher muss aber deren Identität festgestellt werden." So beschrieb der Sprecher der Posener Polizei, Andrzej Borowiak, den Stand der Dinge.

Eigentlich sieht das polnische Recht vor, dass vor der Öffnung von Särgen die Angehörigen befragt werden, ob sie dabei sein wollen. Zumindest von dieser Regelung konnte gestern eine Ausnahme gemacht werden, weil zwei Mitarbeiter der Kriminalpolizei aus Strausberg (Märkisch-Oderland) mit zwölf Identifizierungprotokollen zu den Posener Behörden gefahren waren. "Diese Unterlagen über die Leichen waren bereits für eine Suche in Deutschland vorbereitet worden", erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), Michael Neff.

Am Nachmittag begannen dann die Gerichtsmediziner mit der Leichenschau, die sich bis in die Nachtstunden hinziehen sollte. "Die Identität der ersten Toten konnte bereits zweifelsfrei festgestellt werden", sagte Staatsanwalt Neff am Abend.

Unklar war dagegen noch, wann und auf wessen Kosten die Leichen zurückgeführt werden. Ursprünglich waren dafür die deutschen Bestattungsinstitute informiert worden, doch möglicherweise werden damit auch polnische Unternehmen beauftragt. Zudem deutet sich an, dass Anklagen und ein möglicher Prozess gegen die bereits verhafteten drei Tatverdächtigen - allesamt Polen - wohl im Nachbarland erhoben und durchgeführt werden. "Diebstahl und Störung der Totenruhe sind bei uns genau solche Delikte wie in Deutschland", erklärte die Sprecherin der Posener Staatsanwaltschaft, Magdalena Prus, dazu.

Rüdiger Kußerow von der Bestatter-Innung Berlin und Brandenburg erneuerte seine Kritik an den Umständen des Leichentransports in Deutschland. Es sei "unfassbar", dass gleich zwölf Leichen in dem gestohlenen Wagen lagen. "Das bringt unsere Branche in Verruf." Der Geschäftsführer des betroffenen Bestattungsfahrdienstes, Mirko Wiedermann, betonte dagegen: "Das ist ein zugelassenes Auto für zwölf Verstorbene."

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Klemens Handlauf 25.10.2012 - 07:58:11

Wer wehrt sich dagegen?

R. Kußerow sagt: Es sei "unfassbar", dass gleich zwölf Leichen in dem gestohlenen Wagen lagen. "Das bringt unsere Branche in Verruf." Herr Mirko Wiedermann betonte dagegen: "Das ist ein zugelassenes Auto für zwölf Verstorbene." Und weil das der "preiswerte!" Bestatter so sagt, können die 12 Verstorbenen selbstverständlich mit seinem wieder aufgefundenenTransporter zurück transportiert werden. Es sind seine zwölf Aufträge der Angehörigen und mit neuen und dichten Plastetüten kann er sie einäschern lassen, wo er es will. Ohh je, einfach pietätlos!!! Vielleicht werden jetzt zwölf polnische Bestatter für die Rücküberführung beauftragt. Abwarten ......

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