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Naturschutzbund ruft alljährlich zur Zählung der Wintervögel in Gärten und Parks auf

Im Vogelparadies der Familie Vogel

Das ist er: Carina Vogel und ihre Tochter Nele (9) haben sich mit Fernglas und Bestimmungsbuch ausgerüstet, um die verschiedenen Vogelarten in ihrem Garten ausfindig zu machen. Die Ergebnisse sammelt die bundesweite Aktion "Stunde der Wintervögel" noch bi
Das ist er: Carina Vogel und ihre Tochter Nele (9) haben sich mit Fernglas und Bestimmungsbuch ausgerüstet, um die verschiedenen Vogelarten in ihrem Garten ausfindig zu machen. Die Ergebnisse sammelt die bundesweite Aktion "Stunde der Wintervögel" noch bi © Foto: U.Winkler
Olav Schröder / 06.01.2013, 19:14 Uhr
Biesenthal (MOZ) Die Finger zweier Hände reichen nicht aus, um die Vogelarten zu zählen, die im Garten von Familie Carina Vogel und Herbert Noll brüten. Noch wesentlich mehr Arten kommen als Nahrungsgäste zu Besuch. Die Familie beteiligte sich an der Naturschutzbund-Aktion "Stunde der Wintervögel".

Bundesweit zählten an diesem Wochenende Naturfreunde jeweils eine Stunde lang die Vögel, die sie in ihrem Garten, auf dem Balkon oder im Park beobachteten. Auf diese Weise erhält der Naturschutzbund (NABU) einen flächendeckender Überblick über die Entwicklung der Vogelwelt.

Eine echte Winterzählung wurde es in diesem Jahr zwar nicht. "Die Temperaturen sind zu mild. Bei Eis und Schnee kommen mehr Vögel in die Gärten und ans Futterhäuschen", sagt Carina Vogel. So wie in den Schnee-Wochen vor Weihnachten. Seidenschwänzchen, die im Winter aus Skandinavien in südlichere Gefilde fliegen, konnte sie beobachten.

Wer allerdings denkt, die milden Januartage sind Ruhetage für die gefiederte Welt, der täuscht sich. Die neunjährige Nele hält eine Bestimmungstafel mit Abbildungen der verschiedenen Vogelarten vor sich. Im Wipfel einer Lärche sind zwei, drei Meisen zu sehen. Anscheinend flattern sie dort nur umher. Doch weit gefehlt. "Das sind Meisenmännchen, die sich bei diesen lauen Temperaturen schon in den ersten Revierkämpfen erproben", sagt Carina Vogel. Im Garten sind einige Meisenkästen aufgehängt worden. "Wir werden in diesem Frühjahr wieder Nachwuchs haben", ist sich die Biesenthalerin sicher.

Auch Amseln und Spatzen brüten dort regelmäßig - allerdings nicht ganz ungefährdet. Elstern - sie sind jetzt bereits in kleinen Schwärmen zu sehen, werden ihre Revieransprüche jedoch voraussichtlich erst im April ausfechten - gehören zu den Feinden. Sie beobachten den Flug der Amseln, machen so deren Nester ausfindig und rauben sie aus. Doch auch Elster oder Nebelkrähe sind nicht ohne Feinde und haben Baummarder oder Eichhörnchen gegen sich. "In der Natur stellt sich immer wieder ein Gleichgewicht ein", sagt die Vogelexpertin.

Bereits als Kind faszinierte es sie immer, wenn ihr Vater Nistkästen aufhängt. "Das macht Opa heute noch", bestätigt Nele. Ihre Mutter brachte sich selbst bei, die verschiedenen Arten zu unterscheiden, und zwar nach ihren Stimmen. Seit 30 Jahren ist sie Mitglied im Naturschutzbund und bietet für die Volkshochschule Vogelstimmenführungen an. In ihrem Garten brüten vor allem Amsel, Nebelkrähe, Blau- und Kohlmeise, Spatz, Mauersegler, Garten- und Hausrotschwanz, Rotkehlchen und vor zwei Jahren sogar eine Waldohreule. Die ersten Flugversuche der Jungen konnten beobachtet werden.

Hinzu kommen die Nahrungsgäste im Garten, ergänzt Herbert Noll: Kleiber, Grün- und Buchfinken, Stieglitz, Elster, Buntspecht, Habicht, Feldspatz, Sommergoldhähnchen, Baumläufer, Hauben- und Schwanzmeisen, Kernbeißer, Trauerfliegenschnäpper und Stare. Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt die Liste nicht. "Überhaupt", sagt Carina Vogel, "sind Vögel ausgesprochen lernfähig und passen sich an ihre Umgebung an." Die Amsel zum Beispiel, ursprünglich ein sehr scheuer Waldvogel, verliere im Garten die Angst vor dem Menschen. "Sie lernt, dass ein Mensch bei der Gartenarbeit ihr nicht gefährlich wird. Im Gegenteil. Sie profitiert von den Würmern und Asseln und anderem Getier, das sie im Rasen findet." Sind auch noch schützende Büsche für den Nestbau im Garten vorhanden, fühlt sich die Amsel wie zu Hause.

Mit der Zählung durch den Naturschutzbund ergeben sich auch Hinweise auf Klimaveränderungen. Werden die Winter milder, verkürzen die Zugvögel ihre Reisen in den Süden, lautet die Faustformel. Bei Biesenthal überwintern Kraniche, die dann tagsüber auf den Äckern in Richtung Grüntal oder Rüdnitz zu sehen sind.

Doch nicht immer brechen alle Angehörigen einer Zugvogelart im Winter gen Süden auf. Einige Männchen der Zaunkönige bleiben zurück. Sie haben dann gegenüber ihren auswandernden Artgenossen den Vorteil, bereits vor deren Rückkehr im Frühjahr ein Revier besetzen zu können. Vor zwei Jahren, erzählt Carina Vogel, war der Winter jedoch zu hart und die Zaunkönige erfroren. "Deshalb hatten wir kaum welche in unserem Garten."

Ein Wintereinbruch könnte den Zaunkönigen auch in diesem Jahr das Leben noch schwer machen. Im Moment setzt die Natur allerdings auf Frühling, und das nicht nur bei den revierkämpfenden Meisen auf den Lärchenästen in luftiger Höhe. "Gestern Abend", sagt Carina Vogel, "habe ich eine Erdkröte gesehen, wie sie die Straße überquert."

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