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Vergangenheit der Eisenspalterei

Projektbetreuer mit Hund: Patrick Meinhardt (34) ist zuständig für Projekte der Arbeitsförderung und Integration im Jugend- und Kulturzentrum Exil in Eberswalde (Eisenspalterei).
Projektbetreuer mit Hund: Patrick Meinhardt (34) ist zuständig für Projekte der Arbeitsförderung und Integration im Jugend- und Kulturzentrum Exil in Eberswalde (Eisenspalterei). © Foto: Sophie Peschke
Sophie Peschke / 18.02.2013, 13:12 Uhr
Eberswalde (MOZ) Das "Exil Eberswalde" ist vielen Jugendlichen als Adresse für lange Partynächte bekannt. Doch kaum einer ist sich über die Vergangenheit des Geländes der Eisenspalterei bewusst, die so viel mehr bietet, als Alkohol und dumpfe Bässe.

In der Zeit des Zweiten Weltkrieges gehörten die Baracken des "Exils" zu einem Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück bei Fürstenberg/Havel, in dem während der letzten Kriegsjahre über 600 Zwangsarbeiterinnen für die Firma Ardelt Rüstungsgüter herstellen mussten. Im Ausstellungsraum der unter Denkmalschutz stehenden Gebäude erinnern Aufsteller und Gedenktafeln an die geschichtliche Vergangenheit des "Exils". Wer Lust hat, kann einfach vorbeischauen.

"Fast täglich kommen Besucher zu uns und schauen sich die Ausstellung an, vielen ist gar nicht bewusst, dass dies ein so wichtiger, geschichtsträchtiger Ort ist", so der 34- jährige Patrick Meinhardt, Projektbetreuer für Arbeitsförderung und Integration beim Verein Exil. "Besonders interessant sind die Interviews, die wir mit drei polnischen Frauen geführt haben, die damals selber hier gearbeitet haben", berichtet er. Um die vorzubereiten und zu organisieren, reiste Patrick selber nach Warschau.

Was er dort fand, war weder Hass noch Wut, sondern große Gastfreundschaft: "Sie waren nur sehr verwundert, dass ich den Wodka zum Mittagessen ablehnte.", sagt er selber.

Mit dem Projekt "Stärkung von Kompetenz für Arbeit am Erinnerungsort Eisenspalterei", in dem Meinhardt arbeitet und das aus dem Europäischen Sozialfonds und vom Land Brandenburg gefördert wird, soll Jugendlichen nun vor allem unsere heimatliche Geschichte bewusst gemacht werden. Getreu dem Motto "Do it yourself" hilft man sich gegenseitig, was so viel bedeutet, wie Hilfe für junge Menschen auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt zu leisten. Die Jugendlichen helfen dann im Gegenzug im "Exil" aus.

In der Praxis sieht das folgendermaßen aus: man kann sich im "Exil" melden und ein Profil anlegen, das neben persönlichen Angaben auch die Wünsche und Ziele für die Zukunft enthält. Daraufhin kümmert sich Patrick Meinhardt um offene Stellen und sucht nach Firmen, die dem Profil des Suchenden entsprechen. Wenn es um die Bewerbung geht, hilft er beim Layout. "Die Wünsche der Firmen ändern sich ja ständig, deswegen ist es wichtig, immer auf dem neuesten Stand zu sein", so der 34- Jährige. Durch seine Arbeit vermittelte er schon eine Lehrstelle als Eventmanager in Berlin und als Kfz- Mechaniker nach Werneuchen. Im Gegenzug arbeiten die Interessenten dann ehrenamtlich bei Veranstaltungen hinter der Bar oder am Einlass mit.

Schon früher arbeitete Patrick Meinhardt mit jungen Menschen zusammen, denn er half Schul- und Lehrabbrechern eine Tagesstruktur zu finden. Dafür gab es ein gemeinsames Projekt mit der ibis prima GmbH. Das Aufgabengebiet von Patrick Meinhardt lässt sich am Besten so zusammenfassen: Vermittlung von Arbeit für das persönliche Glück, Ermöglichung von Selbsthilfe und bewusster Umgang mit der deutschen Geschichte. Das "Exil" ist in jedem Falle einen Besuch wert - auch aus Interesse an Geschichte.

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