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Zeitzeugen rufen zur Vereinsgründung auf / Stadtmuseum bietet öffentliche Führung an / Ausstellung und Gedenktafel geplant

Einblicke in 22 Jahre NVA-Justiz

Michael Dietrich / 13.03.2013, 21:35 Uhr
Schwedt (MOZ) 23 Jahre nach Schließung des Militärstrafgefängnisses und der Disziplinarstrafeinheit wollen Zeitzeugen und Forscher einen Verein zur Aufarbeitung und Erinnerung an diesen Ort der NVA-Geschichte gründen. Inzwischen sind viele Zeugnisse dieser Zeit bereits verschwunden.

Anke Grodon kann sich vor Anfragen zum ehemaligen Militärgefängnis kaum retten. Die Leiterin der städtischen Museen arbeitet mit in der Arbeitsgruppe Militärstrafgefängnis und hält den Kontakt zu einer Reihe von Zeitzeugen, ehemaligen Insassen des NVA-Gefängnisses und der Disziplinareinheit sowie deren früherer Mitarbeiter. "Als sich jetzt Initiatoren für eine Vereinsgründung meldeten, lag es nahe, wieder eine öffentliche Führung anzubieten. Das Interesse ist einfach so groß, dass wir dem gern nachkommen möchten", so Anke Grodon. Sie zeigt den Besuchern am Sonnabend das Gebäude der Disziplinarstrafeinheit, in der neben den Arrestzellen auch Schulungs- und Produktionsräume zu besichtigen sind. Dafür jedoch sollten die Besucher Taschenlampen mitbringen, da im Gebäude schon lange der Strom abgeschaltet ist.

23 Jahre dauerte es, bis sich ein Kreis von ehemals Inhaftierten, aber auch eines Bediensteten, zusammenfand, um dem bisher eher von außerhalb vorgetragenen Interesses an Aufarbeitung Kraft und Stimme zu verleihen. Die Stadt Schwedt zierte sich lange, selbst die Aufarbeitung anzustoßen. Den "Mythos Schwedt" hatte die Nationale Volksarmee und ihre Militärjustiz erzeugt und absichtlich mit dem Ziel der Drohung, Abschreckung und Disziplinierung wach gehalten. Dort, beim Militär, sah man deshalb auch die Verpflichtung, sich um Aufarbeitung zu kümmern. Der "Armeeknast", wie die Schwedter die abgeschirmte Einrichtung nannten, hatte Schwedt republikweit zum Synonym für unmenschliche Haftbedingungen gemacht. Das Interesse der Stadt diesen Ruf zu erinnern, hielt sich verständlichermaßen in Grenzen.

Zeit und Umstände haben inzwischen den größten Teil dieser wichtigen Stätte der DDR-Militärjustiz zerstört. Die Gebäude des Militärstrafvollzugs sind abgerissen, Dokumente verschollen. Teile des Geländes sind von Firmen genutzt, andere bieten einem Solarpark Platz. Lediglich dem guten Willen eines angesiedelten Gewerbebetriebes ist es zu verdanken, dass Teile der Gefängnismauer und ein Wachturm noch erhalten sind und regelmäßig besichtigt werden können. Die meisten der heute noch vorhandenen Reste der Einrichtung wurden erst 2012 denkmalgeschützt.

"Es muss Schluss sein, Unrecht zu verdrängen oder zu beschönigen. Die erlebte Realität war für viele Inhaftierte zu grausam!" wenden sich jetzt ehemalige Insassen an die Öffentlichkeit und rufen auf, die angemessene Erinnerung an das Militärgefängnis der DDR wach zu halten.

Seit 2011 setzt sich nun auch die Stadt aktiv für die historische Aufarbeitung ein, arbeitet an Büchern mit, plant eine Ausstellung und eine Gedenk- und Aufklärungstafel am historischen Ort. "Auch solche öffentlichen Führungen sind für das Wachhalten von Erinnerung wichtig", sagt Anke Grodon und freut sich schon auf weitere wissenschaftliche Arbeiten und hoffentlich viele neue Kontakte am Sonnabend.

n Gründung eines Vereins zur Aufarbeitung der Geschichte und Erinnerung an das ehemalige Militärgefängniss in Schwedt durch Zeitzeugen, Historiker und Interessierte am Sonnabend, 16. März; Treff: 12 Uhr vor den Arrestzellen im ehemaligen Gebäude der Disziplinarstrafeinheit, Breite Allee 31-33

n Öffentliche Führung durch das Gebäude der Disziplinareinheit und über das Gelände des Militärstrafgefängnisses durch Museumsleiterin Anke Grodon am Sonnabend, 16. März, Treff: 13 Uhr,. bitte Taschenlampen mitbringen.

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hare 14.03.2013 - 17:39:27

Danke fuer diese Initiative

Diese Initiative wird wohl so richtig viele Investoren und somit Arbeitsplätze nach Schwert holen, eine super Imagepflege. Wann werden die großen Medien wieder "positiv" über Schwedt berichten, bei der Vereinsgründung im Beisein von sogenannten Unschuldigen, die hier eisassen.

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