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Landkreis hat deutlich weniger Einwohner als gedacht

Großer Schock nach dem Zensus

Oliver Schwers / 05.06.2013, 07:16 Uhr
Prenzlau (os) Viel schlimmer als erwartet ist die Bevölkerungsentwicklung der Uckermark. Die jüngsten Zensus-Daten treffen den Landkreis wie ein Schock. Entgegen offizieller Meldungen fehlen rund 3500 Einwohner. Allein in Schwedt muss die Bevölkerungszahl um 1800 korrigiert werden.

Die schlechtesten Szenarien der Bevölkerungsentwicklung sind von der Realität weit überholt worden. Für die Uckermark ein Desaster. Ende 2011 meldeten die Behörden im Landkreis noch 128174 Menschen. Doch das stimmt nicht. Schon im Mai des gleichen Jahres waren es in Wahrheit nur 124682. Das hat die Auswertung des Zensus - der jüngsten deutschlandweiten Bevölkerungserhebung - erbracht. "Wir sind von den Zahlen völlig überrascht worden", sagt Britt Stordeur, Amtsleiterin für Kreisentwicklung. "Es hat sich gezeigt, dass die Melderegister den Bevölkerungsstand nicht zuverlässig erfassen." Das Problem erheblicher Differenzen ist überall in Deutschland aufgetaucht. Daher müssen die Zahlen für die gesamte Bundesrepublik, für Berlin, Brandenburg und viele weitere Städte nach unten korrigiert werden. Fieberhaft sucht man in den Kommunen nach den Fehlerquellen.

Am schlimmsten betroffen ist die Stadt Schwedt. Von den Ende 2011 ursprünglich registrierten 33578 Einwohnern existierten zum Zensus-Stichtag 9. Mai 2011 lediglich 31785. Damit leben hier mindestens 1793 Menschen weniger als angenommen. In Angermünde bleibt die Einwohnerzahl nicht - wie häufig behauptet - relativ stabil. Sie ist längst unter die Marke von 14000 gesunken. Prenzlau hat fast 600 Bewohner weniger und könnte schon unter die 19000er-Marke gefallen sein.

Nicht viel anders sieht es auf den Dörfern der Uckermark aus. Ausgerechnet im Amt Gartz, in dem man durch den Zuzug polnischer Familien schon seit einiger Zeit von einer Umkehr des demografischen Wandels gesprochen hat, fehlen stattdessen 230 der zuvor gemeldeten Bewohner. Das ist die Größenordnung eines ganzen Ortes. Lediglich in den Ämtern Gramzow und Oder-Welse sowie in der Gemeinde Uckerland liegen die Zahlen geringfügig höher als angenommen.

Die Resultate des Zensus haben Auswirkungen auf alle bisherigen Strategien der Daseinsvorsorge. Künftig geht die uckermärkische Kreisentwicklung von einer noch stärkeren Bevölkerungsabnahme aus. Man rechnet mit dem schärfsten Szenario. Viel eher als angenommen muss die Tragfähigkeit der vorhandenen Infrastruktur geprüft werden.

Für die betroffenen Städte und Gemeinden könnten die korrigierten Daten noch ganz andere Folgen finanzieller Art haben. "Die jetzt veröffentlichten neuen Bevölkerungszahlen sind vor allem deshalb brisant, weil sich die Landeszuschüsse an der Bevölkerungszahl orientieren", so Britt Stordeur. "Hat eine Stadt weniger Bürger als bislang angenommen, muss sie sich auf Kürzungen gefasst machen." Die Bundesländer seien schon lange vor Bekanntgabe der neuen Volkszählungsdaten alarmiert gewesen. Fazit: Die Uckermark wird jetzt ingesamt weniger Geld als Zuschuss erhalten. Ob hier sogar Rückzahlungen fällig werden, muss am Ende die Politik entscheiden.

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Mitleser 20.06.2013 - 01:29:34

Gesellschaft auf dem falschen Dampfer unterwegs

Wenn ein Land eine Gesellschafts-/Familienpolitik betreibt, die auf die Bevölkerungs- und Geburtenzahlen eine vernichtendere Wirkung hat als jeder Weltkrieg, sollte man annehmen, daß in diesem Land die Leute irgendwann einmal zumindest anfangen sich am Kopf zu kratzen und zu fragen ob man nicht vielleicht mit seiner Gesellschafts-/Familienpolitik, also Homophilie, Familienzerstörung und Feminisierung auf dem vollkommen falschen Dampfer unterwegs ist...

Frank Bornschein 07.06.2013 - 12:23:52

War dieser Zensus korrekt?

die Frage sollte sich jeder mal stellen, der direkt damit beschäftigt war und wie die Fragebögen aussahen. Somit ist der Wahrheitsgehalt dieser Zählung sehr stark anzuzweifeln. Denn die Fragestellungen dort wirkten einerseits stümperhaft und andererseits unverständlich. Da jedoch nur wenige Mieter dort einbegriffen waren,- jedoch alle - die irgendwie Grund und Boden haben .... ist die Zielrichtung dieser Farce eindeutig: Vermögenserfassung für einen Parteiübergreifend ins Auge gefassten Zugriff auf die Vermögen des sog. kleinen Mannes u.a. mittels Zwangsabgaben bzw. Zwangshypotheken... Denn anders lassen sich lt. zahlreichen Studien der Wirtschaftsforschungsinstitute die enormen Staatsschulden nicht mehr abbauen .... Daher sollten die jeweiligen Kommunen und Landkreise nochmals nachzählen.

Schwe67 07.06.2013 - 11:35:08

Ergänzung

ich meinte ein Alter der Mütter von 20 bis über 30

Schwe67 07.06.2013 - 11:32:54

Schonmal dran gedacht Isenhagen,

daß durch die Erkenntnisse aus dem Zensus, gerade das BIP pro Kopf gestiegen ist? Somit ist insgesamt mehr Geld für alle da. Die Zusammensetzung der Bevölkerung ist recht unwichtig, man muß nur dem entsprechende Strukturen haben. Überhänge oder Überschüsse gibt es nunmal immer und Deutschland ist eine führende Zivilisation. Wir bekommen diese Probleme, sofern es überhaupt welche sind, eben nur zuerst. Alleine das Herauszögern von Geburten von 20 auf über 30 sorgt statistisch für einen Schwund, der aber praktisch kaum oder anders und abgeschwächt da ist.

Isenhagen 06.06.2013 - 16:48:53

@Schwe67

Deutschland hat zuviel Einwohner.....früher hieß das...Deutschland ist ein Volk ohne Raum....na da sind wir wohl wieder angekommen....wo wir hinsollen.... Im Übrigen ist es völlig unwichtig wieviele Einwohner sondern die Zusammensetzung muss halt stimmen. In Deutschland wird aber jetzt eine Generation alt die lieber nach Mallorca fuhr als Kinder groß zuziehen. Da sollen diese Leute sich man auch ihre Rente in Mallorca holen. Der heutigen jüngeren Generation können sie das nicht aufladen. Das wäre ja direkt Diebstahl.

Schwe67 06.06.2013 - 14:50:23

Gut so.

Deutschland hat wenigstens 20 Mio Einwohner zu viel. Erzeugt nur gesellschaftlichen Streß, der dann wieder hohe Kosten verursacht. Das Schreckgespenst Bevölkerungsschwund ist gar keins. Man muß nur Vorschriften, Verordnungen, Gesetze verringern b.z.w. anpassen (z.B. nicht jedes Haus an eine zentrale Abwasserleitung anschließen), dann geht das alles und die Bürger helfen sich selber. Niemanden interessiert es in den Weiten Finnlands, wer dort ein Plumpsclo im Wald hat und schädlich ist es auch nicht. Im Moment wird die Selbsthilfe durch untätige Politik geradezu verhindert.

Isenhagen 06.06.2013 - 06:14:45

offensichtlich gibt es in der Uckermark

seit 23 Jahren eine Politik und eine Verwaltung die auch noch den letzten arbeitswilligen Bürger vergrault. Letztlich sind alle wirtschafts-politischen Konzepte der Brandeburger SPD gescheitert. Für die Uckermark allerdings hat es nie eins gegeben, es sei denn man bezeichnet den Tourismus mit der Hauptattraktion der Einsamkeit im Walde als solches. Ich bin nur gespannt, ob man in den Verwaltungen merkt, dass auch dort Personal rumsitzt und gar nichts mehr zu tun hat. Aber ist doch eigentlich alles gar kein Problem, die Belastung der Naturressourcen geht zurück und es wird Platz für Wölfe geschaffen und da stehen die Konzepte. Da muss die MOZ nicht so tun als ob.....

westen 05.06.2013 - 20:53:52

Wer will schon in der UM leben ?

Fast alle gut ausgebildeten junge Leute verlassen die UM. Ich bin 1990 als Berater einer großen Behörde in den Osten gekommen. Seit 1995 wohne ich in der UM. Habe in der UM meine Frau kennengelernt,nur deswegen halte ich mich hier noch auf und bin nicht zurück in meine Heimat gegangen. Habe einmal in meiner Heimatstadt nachgefragt,ob jemand die UM kennt. Keine kannte die UM.

borkenhagen 05.06.2013 - 09:14:52

der letzte macht das licht aus!

fieberhafte suche nach der fehlerquelle? die antwort wird uns im letzten absatz doch gegeben. es gibt geld für jeden angegeben einwohner. wer wird sich da schon verleiten lassen? für den normalen bürger einfach nicht vorstellbar, das es heutzutage nicht machbar sein soll mit zwei mausklicks auf die aktuelle einwohnerzahl zu kommen. blos gut das das ganze rausgekommen ist, bevor der letzte uckermärker ausgestorben ist und man sich in der verwaltung wundert, wieso es im amtsflur neuerdings so ruhig ist...

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